Direkt zum Hauptbereich

Zur „Mönchenfreier Erklärung“ der Sächsischen Bekenntnis-Initiative zur Orientierungshilfe des Rates der EKD „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“

Um die "Normativität des Faktischen" kann es sich erst handeln, wenn das "Faktische" tatsächlich auch faktisch ist. Solange das allerdings nicht fakt ist - und das ist nicht der Fall -, handelt es sich nicht um die "Normativität des Faktischen".
Fassungslos stelle ich fest, dass die Bekenntnis-Initiative in argumentativer Sorglosigkeit die vorfindliche Welt und das biblische Leitbild der Liebe zum Menschen verwirft. Was hier aufgerichtet werden soll, ist ein Weltbild vergangener Jahrtausende. Wohin anders kann sich der zur Umkehr Gerufene auch wenden, da doch der Ruf, der ihn ereilt, aus einer beinahe glorifizierten Vergangenheit schreit? Diese Welt ist nicht das Paradies, sicher nicht. Sie war es nie. Wohin also soll umgekehrt werden, wenn der restaurative Ruf zur Umkehr erklingt? Die Buße im lutherischen Verständnis ist eine Lebenshaltung - in alle Richtungen gewandt. Eine innere Haltung wird m.E. allerdings nicht durch ständige Abgrenzung, sondern durch mutiges Voranschreiten erreicht. Es ist uns in manchen (!) der postpostmodernen Gesellschaften endlich gelungen, verschiedene Lebensentwürfe nebeneinander existieren zu lassen. Ein Sachverhalt, der vielen Menschen ermöglicht, sich der Marter schwerer Ketten zu entreißen und fernerhin nicht mehr unter einer Begrenzung zu verkümmern - sondern im Gegenteil zu erblühen. Ich sage nicht, dass mit der Entgrenzung nicht immer auch neue Gefahren verbunden sein können. Ich sage nur, dass es mir besser erscheint, der Möglichkeit der Begegnung "blühender" Menschen, die sich nicht für ihre Gefühle verstecken müssen, Raum zu geben, als der Versuchung nachzugeben, durch Unterdrückung das Fremde zu deckeln und Frieden zu erhoffen, auf dessen Kosten einige verkümmern. Interessant ist doch nicht das erste Wort einer möglichen Predigt Jesu, sondern die Ausfaltung dieses Wortes in Jesu Leben. Außerdem handelt es sich bei besagter Faktizität nicht um die Lebensentwürfe, sondern um die Gleichberechtigung derselben.
Schließlich halte ich es gern mit Kant: "Es gibt eine normative Kraft des Faktischen, aber keine faktenersetzende Kraft des Phraseologischen."

Kommentare

Beliebt

Impuls für 05.02.2021 - Freitag

  Sie möchten den Impuls hören? Kein Problem! Das geht mit dem nachstehenden Player oder per Telefon:  0345/483412478   (Geben Sie die Nummer gern weiter!) Durch Orte getrennt, im Glauben vereint. Losung und Lehrtext  für Freitag, den  05.02.2021 Losung Du hast meine Seele vom Tode errettet, meine Füße vom Gleiten, dass ich wandeln kann vor Gott im Licht der Lebendigen. Psalm 56,14 Lehrtext Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Apostelgeschichte 12,7 Impuls für den Tag Waren Sie schon einmal auf der schiefen Bahn? Ich denke an Drogen- oder Alkoholabhängigkeit, an Diebstahl oder Steuerbetrug, einen Seitensprung … Ich bin dankbar dafür, dass ich auf der schiefen Bahn noch nie so weit war, dass es kein Halten mehr gab. Das ist kein Verdienst, sondern Gnade. Auf jeder schiefen Bahn gibt es Ausstiegsmöglic...