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Erinnere dich. Bitte. - Christvesper 2019

Inspiriert vom Lied "The Trapeze Swinger", den Predigttext aus Ezechiel/Hesekiel 37, 24-28 im Hinterkopf und auf das Krippenspiel zugeschrieben, das mit "Feuerfangen" und "Weitertragen" endet.


Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Bald ist es soweit.
Dann wird eine Krippe hier stehen.
Menschen darum.
Und sie werden sich mit euch allen daran erinnern,
dass ein Kind in dieser Krippe lag.

Und dieses Kind wird einmal,
wie alle Kinder dieser Welt,
sagen: erinnere dich an mich.
Bitte.
Erinnere dich an mich,
an mich, den Glücklichen.
Wie ich dir mit leuchtenden Augen,
Grübchen in den Wangen
und Beben im Kinn
über das Haar strich,
als du mir die schmerzenden Füße
mit Balsam einriebst.
Eine viel zu alt gewordene Erinnerung.

Doch bitte, erinnere dich an mich,
liebevoll.
So wie ich es versucht habe zu sein.
Zu dir.
Zu allen.
Auch zu mir, so gut es eben ging.
Mit meiner Hand auf den Kindern,
die so herrlich strahlten.

Bitte erinnere dich,
an mich,
an damals,
als wir so herzlich lachten,
mit Händen, die über Ähren glitten,
mitten im Sommer,
an einem Samstag,
als die anderen mit Fingern auf uns zeigten
und wir dennoch so herzlich lachten.

Ich bitte dich, erinnere dich,
an mich,
auch an meine Fehler,
meine Angst,
als es dunkel wurde,
ich allein war und weinte.
Als ich mich verlassen fühlte und schrie.
Ich glaube, es war das erste Mal in meinem Leben.
Damals.

Erinnerst du dich?
Ich bitte dich,
erinnere dich,
an mich,
an den Träumer,
mit den Träumen von der anderen Welt.
Erinnerst du dich?
Wie ich vom Frieden sprach?
Von Freiheit, von Liebe,
von Freundschaft
und von Gott?
Inmitten der Abenddämmerung bist du
dabei gern eingeschlafen.
Und ich habe dennoch weiter erzählt,
weil ich nicht anders konnte.
Weil ich Feuer gefangen hatte.
Weil ich brannte.
Für dich.
Für alle.
Und für mich, so gut es eben ging.

Erinnere dich,
ich bitte dich,
an mich,
in meinem Elend,
wie ich litt, mit deinem Schmerz,
mit der totkranken Tochter,
dem fallsüchtigen Sohn,
unter dieser schmerzhaften Krone
und diesem Balken im Kreuz,
unter dem ich zusammenbrach.
Und irgendwo,
hinten auf irgendeiner Wand,
da stand, kaum lesbar:
Wer kennt schon die Ewigkeit.

Wenn du dich erinnerst,
dann wusste ich manches davon.

Aber du,
ich bitte dich,
erinnere dich manchmal nur an mich.
Wenn auch selten.
Die Zeit war einzigartig und wundervoll.
Voller Wunder, war sie.
Aber sie war nie gedacht dafür,
dass sie bleibt.
Sie ging vorbei.

Doch erinnere dich,
schließlich,
endlich,
an mich.

Das wünscht sich dieses Kind in der Krippe.
Wie jedes Menschenkind.
Wie du, wie ich, wie alle.

Es beginnt einmal ganz klein.
Egal wo.
Vielleicht in einem Stall.
Weil es nichts besonderes dazu braucht.

Das Kind wird groß.
Wie jedes Kind.
Und hoffentlich weiß es,
dass es sich Sohn des Höchsten nennen darf.
Vielleicht wird es Menschen haben,
die es daran erinnern.

Weil jedes Leben einzigartig ist.
Besonders.
Weihnachten erzählt von dieser Einzigartigkeit,
der Besonderheit des Lebens.
Jedes einzelnen Lebens,
das beginnt,
wie das Kind in der Krippe.

Und manchmal fangen Menschen dabei Feuer.

Wie du, als du das erste Mal ein Kind in den Armen hieltst.
Neues, unschuldiges Leben, ganz zerbrechlich in deinen Händen.

Es gibt viele solcher Momente, in denen ich Feuer fangen kann.
Wie gut, dass es diese Momente gibt.
Und wie gut, dass ich dann manchmal beginne, für eine Sache zu brennen:
für Kinder und Familie,
für die Liebe,
für das Leben.

Wie die Hirten und die Weisen im Stall.

Weil jedes Leben einzigartig ist.
Besonders.
Weihnachten erzählt von der Einzigartigkeit,
der Besonderheit dieses Lebens.
Dieses einzelnen Lebens,
das beginnt,
mit dem Kind in der Krippe.

Manche sagen, weil Gott in ihm zu den Menschen kam.
Weil Gott in ihm gezeigt hat, dass er mit den Menschen leben,
bei den Menschen wohnen will.
Andere erinnern sich an Worte des Propheten Ezechiel:
dass Gott einen Bund des Friedens mit den Menschen schließt,
dass Gott das Leben erhält,
dass sein Heiligtum mitten unter uns ist,
für immer.
Ein Gott, der bei den Menschen wohnt,
an den man sich erinnern muss,
wie an jedes andere Leben auch.
Und dessen Feuer Kraft verliert,
wenn man es vergisst.

Und jedes Jahr zu Weihnachten,
wird das Feuer neu angefacht.
Damit es weiterbrennt,
damit ich mich erinnere,
an ein Leben,
das glücklich war, manchmal,
das liebevoll war, so gut es eben ging,
das widerspenstig war,
wie du und ich und alle.
An ein Leben,
das Angst und Fehler hatte,
das litt.
An ein Leben, das voller Träume war,
Träume von einer anderen Welt,
als wüsste er etwas von der Ewigkeit,
die anbricht,
wenn Menschen beieinander wohnen,
miteinander leben, ---
und manche heilige Momente,
sich ewig anfühlen
und ich schwören könnte,
dass Gott mittendrin wohnt,
dass er hier wäre,
so brennt unser Herz.
In diesem Moment.

Weihnachten facht das Feuer neu an.
Es hält die Erinnerung wach,
an ein Leben,
einzigartig und wundervoll.
Voller Wunder.
Ein Leben,
dafür gedacht,
dass es bleibt.

Ein kleines Pflänzchen,
aus einer zarten Wurzel.

Also...
erinnern wir uns.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir verstehen können, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Predigtlied: Evangelisches Gesangbuch Nr. 30, Stropghen 1-3 (Es ist ein Ros entsprungen)

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