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Quellen lebendigen Wassers I

Gott spricht:
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.


...umsonst… Es hallt in meinen Ohren und es klingt… es klingt so vergeblich.
Quelle des lebendigen Wassers… und die Durstigen trinken umsonst...


...umsonst...
Es hallte von den Wänden eines roten Felsen,
über den eine rote Sonne soeben ihre
noch jungen Strahlen sandte.
Mitten in der Nacht waren die drei Frauen aufgebrochen.
Ihr Weg führte sie vom Süden herauf in diese Wüste.
Doch plötzlich überkam sie Unsicherheit. “Geht zurück!”,
sagte Noomi, “es ist umsonst…”


...umsonst... hallte es vom Felsen zurück.
Und aus diesen Worten schwang etwas kraftloses.
Orpa spürte es gleich.
Und sie wusste, was Noomi meint. Es half nichts.
Orpa sah ihre Schwägerin Ruth an und sagte:
“Wozu sollen wir Noomi denn nach Bethlehem begleiten?
Wir stammen doch beide nicht von dort.
Wir gehören beide in den Süden.
Wir gehören nach Moab, nicht nach Juda.
Dort liegt für uns keine Zukunft, Ruth! Noomi hat recht!
Der Weg ist umsonst…”


...umsonst... hallte es vom Felsen zurück.
Orpa konnte nicht mehr, das wusste Ruth.
Zu viel hatte das vergangenen Jahr gekostet.
Kurz hintereinander hatte es der Reihe nach
jeden ihrer Männer hingerafft - schwere Krankheit,
unbekanntes Fieber und eine Unfall
nahmen erst Noomi ihren geliebten Elimelech,
dann Ruth ihren Machlon und schließlich
auch noch Orpa ihren Kiljon.
Nun waren die drei allein. Noomi sagte kurzentschlossen,
dass sie nach Bethlehem, in ihre Heimatstadt zurückgehen wolle.
Hier in Moab war für sie nichts mehr als Trauer.
In Bethlehem seien zumindest noch Verwandte.
Was hätten sie tun sollen, Ruth und Orpa?
Auch ihre Zelte waren abgebrochen.
Also brachen sie mit Noomi auf.
Doch nun überkamen Noomi Zweifel.
“Ob ich Ruth und Orpa wohl helfen kann?
Ob wir miteinander durchkommen in Bethlehem?
Ob wir über die Runden kommen?”
Der lange und beschwerliche Weg durch die steinige Wüste
hatte die Zeit des Nachdenkens lang werden lassen -
und auch die letzte Hoffnung vertrocknete allmählich
mit der neu aufgehenden, roten Glut der Sonne an diesem Morgen.
“Sicher hätten die beiden bessere Chancen,
wenn sie zu ihren eigenen Familien nach Moab zurückkehren -
vielleicht könnten sie neue Männer finden und sich eine neue
Zukunft aufbauen.” dachte Noomi
und die Entscheidung lag für sie auf der Hand:
“Geht zurück!”, sagte Noomi, “es ist umsonst…”


...umsonst... hallte es vom Felsen zurück.
Nicht nur ein einfaches Echo kam von Felsen
und hallte in der Wüste nach, nein -
der Schall drang kräftig in jede Pore und
rollte Welle für Welle mit Macht
wie eine Unwetterflut über jedes Aufbäumen hinweg.
Dieses Echo machte ein erbarmungsloses Ende
mit jedem Mut und jeder Kraft die sich
noch in der letzten Ecke eines unverzagten Herzens hätte verstecken wollen.
Noomi war die Überwältigung in ihr gealtertes Gesicht geschrieben.
Die Sorge, die ihr aus der Ungewissheit erwuchs,
drängte bereits aus ihren Augen hervor.
Lidschlag um Lidschlag fanden Tränen andere Wege
durch die sanften Falten,
die sonst zu einer fröhlich und liebevollen Frau gehörten.
Um die junge Orpa neben ihr war es kaum anders bestellt.
Beinahe hätte ein Vorübergehender die beiden für Schwestern
halten können, so hatte sich Orpas Rücken unter der Last der Trauer
und der Mutlosigkeit gebeugt.


...umsonst... hallte es vom Felsen zurück.
Wie es aus Noomis und Orpas Mund kam,
hatte es die beiden schon durchdrungen - es war vergeblich.
Kein Schritt mehr hinüber in ein neues Land für Orpa
und kein Gedanke Noomis mehr an das Gute,
das noch kommen könnte.
Orpa drehte ihren schwer gewordenen Leib in die Richtung,
aus der die drei gekommen waren
und setzte müde einen Schritt vor den anderen.
Eine Weile verging.
Noomi hob ihre nassen Augen auf zu Ruth,
die noch immer vor ihr stand,
während Orpa bereits einige hundert Meter entfernt war.
Kraftlos und traurig wies Noomi mit einer langsamen Handbewegung
Ruth den Weg zu Orpa.
Doch Ruth blieb...
Ich will mit dir gehen.
Wo du hingehst,
will ich auch hingehen,
und wo du lebst,
will ich auch leben.
Dein Volk wird mein Volk sein
und dein Gott wird mein Gott sein.
Wo du stirbst, will ich auch sterben,
und dort will ich begraben werden.
Wie ihr diese Worte plötzlich über die Lippen kamen?
Wo sie her kamen?
Ruth wusste es wohl selbst nicht.
Aber fühlen konnte sie es. Sie waren einfach da.
Umsonst…


Noomi wusste, dass sie soeben nicht hätte weniger tun können,
um von irgendwoher Bestärkung und neue Kraft zu erfahren -
doch diese junge Frau da vor ihr, die hatte der
Unwetterflut der Vergeblichkeit getrotzt
und Noomi gleich mit aus diesen Wellen gerissen.

...umsonst... hallte es noch in ihren Ohren und es klang…
es klang so unverdient…
es klang geschenkt.
Wie eine Quelle lebendigen Wassers,
die aufbricht - mitten in der Wüste,
mitten in rot sengender Glut -
dort, wo der Durst am größten ist:
eine Quelle lebendigen Wassers umsonst.
Geschenkt.
Nicht wirkungslos, nicht vergeblich, sondern höchst wirkungsvoll.
Nicht verdient, geschenkt. Einfach da. Umsonst.


Ruth und Noomi machen sich auf in ein neues Land und eine neue Zeit.
Was ihnen dort widerfährt? Das können sie selbst nachlesen,
aber ich verrate ihnen jetzt schon eins: Ruth hält Wort. Es war nicht umsonst…


Dort, wo das UMSONST am lautesten wird,
wo der Schall kräftig in jede Pore dringt
und Welle für Welle mit Macht wie eine Unwetterflut
über jedes Aufbäumen hinwegrollt,
dort wendet Gott das UMSONST in ein Geschenk;
dort brechen Quellen auf -
Quellen lebendigen Wassers, die den Durst stillen:
umsonst; geschenkt.


Was sie im neuen Jahr erwartet? Das werden sie selbst erleben.
Aber dieses gibt ihnen Gott mit auf den Weg:
Gott spricht:
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Und ich verrate ihnen jetzt schon eins: Gott hält Wort.

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