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Predigten 2020

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Matthäusevangelium, Kapitel 3, Verse 13-17


Predigt zum ersten Sonntag nach Epiphanias, am 12. Januar 2020.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Predigttext: Matthäusevangelium, Kapitel 3, Verse 13-17

Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.


Es war einmal,
nicht lange her,
dass ein Vater einen Sohn hatte.
Und der Vater war Vater,
weil er diesen Sohn hatte,
und der Sohn war sein Sohn,
weil er ihn zum Vater hatte,
und ein inniges Band
schweißte die beiden zusammen,
so dass man sagen konnte,
die beiden seien eines Geistes gewesen.
(- nach Augustinus -)
So stark war das Band,
dass man manchmal meinte,
es sehen zu können.
Und hören auch.
Wie helle Lieder, von Engeln gesungen.

Ein Vater und sein Kind.
Sie lieben einander sehr.
Sie spielen auch.
Durch Ebenen und Felder,
Berge und Wälder,
im Dickicht,
toben sie.
Mal brausend wie der Sturm,
saust der Vater hinterher,
mal sachte, wie ein Säuseln,
schleicht er;
dann gleiten seine Hände über Ähren
und seine Blicke suchen sein Kind
– sehnsuchtsvoll.
Und leise, aber erwartungsvoll,
hofft das Kind,
dass der Vater es findet,
wenn es sich versteckt.
Der Vater sucht
und findet.
Dann fallen sie sich in die Arme.
Beide lachen breit,
über das ganze Gesicht.
Und wenn es Abend wird,
gehen sie miteinander
nach Hause.
Hand in Hand.
Der Sohn die Hand
in der des Vaters,
der ihm ein warmes Fell
aus Schafswolle über die Schultern legt,
um ihn zu wärmen.
Und wenn die Abendsonne
ihre Strahlen sendet
und ihr Licht über die beiden sänkt,
dann scheint es,
als würden sie leuchten,
dort am Horizont.

Wieder ist es einer dieser Tage.
Eben noch rannte das Kind
wonnevoll vor dem Vater,
juchzte und hüpfte in Freude.
Nun ist es still.
Die Hand des Vaters ist leer.
Seine Blicke gehen
aufmerksam umher.

Auf einem Hügel steht ein kleiner Stall.
Menschen sind dort.
Der Vater weiß, dass auch sein Kind
dort ist.
Gut versteckt, in Stroh und Heu,
zwischen Esel und Rind.
Als er näher kommt,
geht ihm ein Rauschen voran.
Lächelnd geht er vorüber.
Noch ist es nicht Zeit,
sein Kind zu finden.
Noch eine Weile.
Noch eine kleine Weile.
Als er vorübergeht,
ist es denen, die am Stall sind,
als sängen Engel
helle Lieder.
Sie wussten nicht,
dass sie sehen und hören konnten,
was den Vater mit seinem Kind verbindet.
Dieses starke und innige Band,
so stark und innig,
dass man meint, man könnte es
sehen und hören auch.
Wie helle Lieder,
von Engeln gesungen.

Und wie der Vater weiterging,
es müssen wohl nur zwölf Schritte
gewesen sein,
da kommt er an einem Tempel vorüber.
Mitten im Tempel
sieht er das Kind,
gut verborgen inmitten
gelehrter Menschen.
Lächelnd geht der Vater vorüber
und ein Beben in den Herzen
folgt ihm nach.
Noch ist es nicht Zeit,
sein Kind zu finden.
Noch eine Weile.
Noch eine kleine Weile.
Doch die Erschütterung
in den Herzen der Menschen umher,
die blieb zurück.
Ihnen war, als hätte der Knabe,
der unter ihnen war,
Worte gesprochen,
die nicht von dieser Welt waren.
Dabei wurden sie nur berührt,
vom Band, das den Vater
und sein Kind verbindet.

Eine Weile verstreicht.
Der Vater geht weiter.
Einige lange Schritte.
Vielleicht waren es 18.
Er zählte nicht mit.
Da kam er an einen Fluss.
Viele Menschen,
eine ganze Menge war dort.
Und der Vater hielt an
und sah eine Zeit lang zu,
um zu hören,
was die Kinder dort sprachen.
Und wie er so zusah,
da wusste er,
dass sein Kind sich im Wasser verborgen hatte.
Er trat heran.
Da tauchte das Kind auf
und der Vater rief:
„Dies ist mein lieber Sohn,
an dem ich Wohlgefallen habe!“
Und beide strahlten breit.
Groß war die Wiedersehensfreude.
Die Menschen, die das sahen, meinten,
dass sie eine weiße Taube gesehen hätten;
doch es war die Liebe und die Treue
und die Unschuld,
dieses starke, innige Band,
das die beiden zusammenschweißt.

Was dann geschah,
ist eine lange Geschichte.
Jemand könnte sagen,
dass die Menschen
seit jenem Tage 
voll Neid auf diese Verbindung sahen,
die sie meinten
nicht zu haben.
Sie glaubten,
sie hätten dieses Band nicht.
Sie wussten nicht,
oder noch nicht,
dass sie sich selbst hätten
dort im Wasser sehen können.
Sie wussten nicht,
oder noch nicht,
dass der Vater ihretwegen
auf der Suche war
und immer noch ist.
Sie wussten nicht,
oder noch nicht,
dass der Klang der hellen Lieder,
von Engeln gesungen,
und das Beben im Herzen
und die Taube über dem Wasser
nur der Klang und der Anblick
des Bandes ist,
das sie selbst mit dem Vater verbindet,
stark und innig.

Es ist so,
bis heute,
dass ein Vater ein Kind hat.
Und der Vater ist Vater,
weil er dieses Kind hat,
und das Kind ist sein Kind,
weil es ihn zum Vater hat,
und ein inniges Band
schweißt beide zusammen,
so dass man sagen könnte,
die beiden seien eines Geistes.
So stark ist das Band,
dass man manchmal meint,
es sehen zu können.
Und hören auch.
Wie helle Lieder, von Engeln gesungen.

Ich glaube,
dass es die Sehnsucht
eines jeden Kindes ist:
leise, aber erwartungsvoll,
hofft das Kind,
dass der Vater es findet.
Der Vater sucht
und findet.
Dann fallen sie sich in die Arme.
Beide lachen breit,
über das ganze Gesicht.
Und wenn es Abend wird,
gehen sie miteinander
nach Hause.
Hand in Hand.
Das Kind die Hand
in der des Vaters,
der ihm ein warmes Fell
aus Schafswolle über die Schultern legt,
um es zu wärmen.
Und wenn die Abendsonne
ihre Strahlen sendet
und ihr Licht über die beiden sänkt,
dann scheint es,
als würden sie leuchten,
dort am Horizont.
Der Vater,
mit seinen Söhnen und Töchtern,
seinen Kindern,
mit euch.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als wir zu verstehen vermögen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


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mit Bezug zu: Markusevangelium, Kapitel 2, Verse 1-12


Wozu ist Kirche da?


Dietrich Bonhoeffer hat gesagt: Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“

 Kirche darf sich nicht zurückziehen in ihre eigenen vier Wände. Sie muss sich öffnen, muss hinausgehen, sie muss zu den Menschen gehen in ihre Häuser und auf die Gassen, um zu wissen, was sie umtreibt, was sie bedrängt und bedrückt.


Klingt fast wie das Zitat von Papst Franziskus, vom Anfang (Leinwand: "Mir ist eine 'verbeulte' Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist. Ich will keine Kirche, die darum besorgt ist, der Mittelpunkt zu sein […] Wenn uns etwas in heilige Sorge versetzen und unser Gewissen beunruhigen soll, dann ist es die Tatsache, dass so viele […] ohne die Kraft, das Licht und den Trost der Freundschaft mit Jesus Christus leben [...]" / nach: Papst Franziskus, Evangelii Gaudium).

Wäre ja mal was schönes, wenn

evangelische und katholische

Christen sich da einig wären.


Kirche: Das kommt von griechischen Worten.

Koinonia – Gemeinde.

Und Kyriakos – zum Herrn gehörig.

Menschen, die zu Gott gehören.

Und Gemeinde sind.

Aber wozu?


Wozu gemeinsam gehen, wenn man alleine schneller ist?

Wozu geben, wenn nehmen einfacher ist?

Wozu die Hand reichen, wenn niemand sie ergreifen will?

Wozu für andere da sein, wenn ich selbst auf der Strecke bleibe?

Wozu glauben, wenn ich keine Sicherheit habe?


Wozu?


Vielleicht hat Markus, der Evangelienschreiber,

eine gute Antwort.

Er erzählt im zweiten Kapitel

seines Evangeliums eine Begebenheit.


Da war ein Gelähmter.

Regungslos.

Bewegungsunfähig.

Aber nicht allein.


Und da war Jesus in der Stadt.

Massen waren bei ihm.

In einem kleinen Haus.

Alle Eingänge vollgestopft

mit Menschen.

Selbst die Fenster waren

voller gieriger Blicke.

Und Jesus lehrte drinnen.


Der Gelähmte war draußen.

Wie sollte er auch hinein.

Aber: er war ja nicht allein.

Vier Freunde hatte er.

Vielleicht sogar mehr.

Aber vier waren da.

Und für die war klar:

Unser gelähmter Freund,

der muss zu Jesus.

Irgendwie durch diese

Massen hindurch.

Und wenn es von den

Seiten nicht geht,

dann muss es eben

von oben gehen.

Behände decken sie

das Dach des Hauses ab.

Gerade über der Stelle,

an der Jesus lehrt.

Und sie lassen ihren

gelähmten Freund

von oben hinab

in das Haus.

Behutsam.

Bedacht.

Aber bestimmt.

Und dann erzählt Markus

etwas besonderes.

Jesus sagt nicht etwa

zu dem Gelähmten,

wie er das so oft sagt,

zu Menschen,

die zu ihm kommen:

dein Glaube hat dir geholfen.

Und dann heilt er ihn.

Nein, das sagt er nicht.

Nein, so ist es nicht.

Sondern Markus erzählt:

Und als Jesus ihren Glauben sah,“

den Glauben der Freunde,

da sagte er dem Gelähmten:

Kind, dir sind deine Sünden vergeben!“ (Mk 2, 5)

Dann heilt er ihn.


Als er ihren Glauben sah.

Den Glauben der Freunde.

Nicht den des Gelähmten.


Dazu ist Kirche da.

Damit ich nicht nur gemeinsam

mit anderen an Gott glaube,

sondern wir auch füreinander

an Gott glauben.

Dann, wenn es einer oder einem

von uns gerade schwer fällt.

Weil es im Leben

eben nicht immer

gleichermaßen leicht ist,

am Glauben festzuhalten.

Weil es im Leben

eben nicht immer

gleichermaßen leicht ist.

Weil Höhen und Tiefen

das Leben durchziehen,

ist Kirche da,

dass ich dich

und du mich,

dass wir einander

festhalten können.

Wir sind gemeinsam unterwegs.

Das ist Kirche.


(Einspielen: HuT 78: Wir sind gemeinsam unterwegs)

Gemeinsam unterwegs.

Auf der ganzen Welt.

In vielen Sprachen.


Wozu gemeinsam gehen, wenn man alleine schneller ist?

Weil alleine nicht immer schneller ist,

daher gehen wir gemeinsam.

Wozu geben, wenn nehmen einfacher ist?

Weil ich manchmal auch nichts habe,

das ich nehmen könnte,

darum geben ich.

Wozu die Hand reichen, wenn niemand sie ergreifen will?

Weil manchmal einfach jemand

eine Hand braucht,

darum reiche ich meine Hände.

Wozu für andere da sein, wenn ich selbst auf der Strecke bleibe?

Damit niemand auf der Strecke bleibt,

darum sind wir für andere da.

Wozu glauben, wenn ich keine Sicherheit habe?

Und weil es keine Sicherheiten gibt,

nirgends,

deshalb gibt es die Gewissheit des Glaubens.

Auch gegen den Tod.

Wozu das Leben feiern, wenn der Tod wartet?

Weil ich den Tod

nicht fürchten muss,

wenn ich glaube,

darum feiere ich das Leben –

dieses und das ewige.


Aus unserer Gemeinde sagt jemand dazu:

"Was bedeutet Kirche für mich? Brauche ich die Kirche zum Glauben? Eigentlich nicht.
Glauben geht auch ohne Kirche. Aber manchmal brauche ich die Menschen, um am Glauben festhalten zu können. Einen Ort, wo man sich trifft und austauscht, gemeinsam lacht, singt und redet. Und die Gebäude geben mir Ruhe und Zuversicht."


Also: Wozu ist Kirche da?

Gott bräuchte die Kirche wohl nicht.

Aber wir.

Menschen.

Weil wir es seit

tausenden Jahren

nicht auf die Kette bekommen,

gut zusammen zu leben.

Und darum hat Bonhoeffer

immer noch recht:

Kirche ist nur Kirche,

wenn sie für andere da ist.

Selbst verletzlich,

bereit, sich schmutzig zu machen.

Wie Papst Franziskus sich das vorstellt.

Aber die Verantwortung dafür,

tragen wir miteinander.

Kirche ist kein Gebäude

und Kirche ist schon gar nicht

irgendeine Pfarrerin oder ein Pfarrer.

Kirche sind du und ich,

jede und jeder hier

und alle die noch dazu gehören wollen.

Ich würde ja sagen:

am besten alle.

Das würde Gott

garantiert auch am besten gefallen.

Alle,

gemeinsam unterwegs.

Dazu ist Kirche jedenfalls da.

Amen.

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Matthäusevangelium, Kapitel 11, Verse 25-30


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Mt 11, 25-30

Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.


Ein Sommersonnentag.

Sie prasselt gewaltig auf die Felder.

Trockene Hitze.

Kein Schatten auf den Feldern.

Jemand geht hinter einem Pflug her.

Zwei Ochsen voran,

Joche auf den Schultern,

ziehen sie den Pflug

mächtig durch die Erde.

Sie schwitzen,

wie der, der hinten den

Pflug niederhalten muss.

Er spürt den schweren Pflug

selbst in den Armen und

im Nacken,

wie er die Ochsen

vor sich treibt.

Es ist eine Plackerei

in dieser Sommerhitze.


Neben dem Feld steht ein kleines Häuschen.

Ein paar Beete und ein Brunnen.

Jemand geht emsig umher,

ein Joch auf den Schultern,

zwei Eimer links und rechts,

bringt sie Wasser vom Brunnen

zu den Beeten und ins Haus.


Wenn ich an Joche

auf den Schultern denke,

dann denke ich immer

an Beschwerlichkeit

und Mühsal.

Schon sitzt mir die Last

im Nacken und schmerzt.

Dabei wäre die Arbeit,

die mit den Jochen verrichtet wird,

um einiges beschwerlicher

und mühseliger,

wenn sie ohne die Joche

getan werden müsste.

Aber dennoch,

es ist schon so,

Joche lasten schwer auf den Schultern

derer, die mit Hilfe der Joche

schwere Lasten tragen.


Heute ist die Zeit der Joche

vielleicht vorbei.

Die Zeit der Lasten

ist es nicht.

Und wenn ich von einem

Tag getaner Arbeit komme,

oder mich vom Schreibtisch

aufrichte,

dann spüre ich es im Nacken.

Als hätte da ein Joch gelegen,

so sind Nacken und Schultern

angespannt und verspannt.

Das ist der Alltag,

der Arbeitstag,

der Brotverdienst,

auch heute noch.


Aber das sind längst nicht alle Lasten,

die ich tagein-tagaus trage.

Was mich plagt und drückt

und mir auferlegt wird.

Jedes Leben hat seine Last.

Sie liegt auf mir.

Sie liegt auf [dir].

[… Und dann geht es manchmal]

Unwillig und stolpernd […] voran im Leben

und das hinterlässt seine Spuren,

gräbt tiefe Furchen, die man gar nicht ziehen will.

(Kathrin Oxen, 20.06.2020, FB: Predigtkultur)


Am Feldrand,

bei dem kleinen Häuschen,

verläuft ein schmaler Weg -

irgendwohin.

Er verliert sich am Horizont.

Unter einem Apfelbaum

ruht ein Wanderer.

Er hat ein Lied auf den Lippen:

ein Loblied.

Du hast es vor den Weisen und Gebildeten

verborgen und es für die einfachen

Menschen aufgedeckt.

Trällert er.

Ja, mein Gott, so hast du es gewollt.

Du hast mir alles mitgeteilt.

Niemand kennt mich als dein Kind so wie du,

väterlich und mütterlich.

Niemand kennt dich so wie ich als dein Kind,

und wie alle Geschwister, die ich darüber aufkläre.


Der hinter dem Pflug

horcht auf.

Sonst kommt hier niemand vorbei.

Der kleine Hof ist abgelegen.

Die Leute leben in

einfachen Verhältnissen

und sind genügsam.


Es ist die Mittagsstunde.

Es wird Zeit,

zu verschnaufen

und der Hitze für

ein paar ruhige Minuten

zu entkommen.

Zeit für die Pause,

von der Hitze und der Arbeit.

Der Schatten am Feldrand,

unter dem Apfelbaum,

der ist gerade richtig.

Er knöpft das Hemd ein paar

Knöpfe auf,

eine leichte Brise weht

und hilft, dass der Schweiß

für eine Weile trocknet.


Komm her zu mir!“

ruft der Wanderer unter dem Baum.

Er rutscht etwas beiseite,

macht etwas Platz,

damit der Feldarbeiter

sich an seine Seite setzen kann.


Nun sitzen sie Seite an Seite.

Die Rücken gegen den Baum gestemmt.

Die Hinterköpfe leicht gehoben angelehnt,

damit die Brise die Hälse umschmeichelt.

Die Augen sind geschlossen.


In diese Stille hinein,

hebt der Wanderer an:

Dein Joch ist schwer.

Meines ist leicht.“

Der Feldarbeiter öffnet die

Augen nicht.

Er schmunzelt.

Ja, das ist wahr.“ sagt er.

Du ziehst umher,

musst dich um

niemanden kümmern,

keine Felder bestellen,

nicht vorsorgen.

Dein Joch ist leicht.“


Das meine ich nicht.“

sagt der Wanderer.

Ich habe viele Kinder,

um die ich mich kümmern muss,

habe Samen auf Feldern

in der ganzen Welt ausgebracht

und muss für vieles

und für viele sorgen.

Ich kenne deine Last.

Diese Last des Alltags,

der Arbeit,

des Brotverdienstes.

Aber das meine ich nicht.

Sag mir,“

fragt der Wanderer nun,

warum sitzt du jetzt,

zur Mittagszeit nicht

bei deiner Frau,

die eben ihr Joch abgenommen hat

und ins Haus gegangen ist?“

Weil ich nicht möchte,

was geht’s dich an!?“

zischt der Feldarbeiter

und hält die Augen geschlossen.


Gut.“ sagt der Wanderer.

Sag mir nicht,

was zwischen euch vorgefallen ist.

Aber ich sehe,

es lastet schwer auf dir

und auf ihr.

Es macht euch die Tage

mühselig und

eure Herzen beladen.

Das kann ich sehen.

Darum,

lass mich dir etwas sagen:

Es gibt die Lasten des Alltags,

die du tragen musst.

Und dann gibt es die Lasten,

die nicht alltäglich sind,

oder es wenigstens nicht sein sollten.

Glaub mir,

mir wurde ein Balken

auf die Schultern gebunden;

ich wurde durch Straßen getrieben,

wie du deine Ochsen

vor dem Pflug her treibst;

ich wurde ans Kreuz geschlagen

und dort raubte es mir den letzten Atem;

ich war tot.

Und es war die Unversöhnbarkeit

der Menschen,

die das tat.


Solche Last,

dieses Joch,

sollte niemand mehr

tragen müssen.

Ich habe es getragen.

Ich trage es noch.


Ich weiß also,

was du erträgst,

kenne deine Mühsal

und deine Last;

und ich sage dir:

dein Joch ist schwer,

meines ist leicht,

weil ich es schon getragen habe.


Dein Joch heißt Zorn,

oder Streit,

Rache und Neid,

Groll, Angst oder Traurigkeit.


Nimm mein Joch.

Meines ist leicht.

Es heißt:

Versöhnung.


Gerade kommt die Frau

wieder aus dem Haus,

schultert das Joch

und geht zum Brunnen.


Da steht der Feldarbeiter auf,

sagt kein Wort,

geht zu seinem Haus,

fängt die Frau noch vor dem Brunnen ab,

umarmt sie fest

mit beiden Armen,

so dass ihr das Joch von Schultern fällt,

und Tränen aus den Augen rollen.

Dann gehen sie hinein

und eine Ruhe liegt

über dem kleinen Haus,

als macht die Welt

eine erquickliche Pause.

Alles liegt still.

Niemand ist sonst da.

Auch am Apfelbaum sitzt niemand.


Der Wanderer?

Nun, vielleicht

ist er wieder unterwegs.


Hör gut hin,

womöglich sitzt er schon

unter deinem Apfelbaum,

und singt sein Lied...

28 »Kommt zu mir,

ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid!

Bei mir werdet ihr Ruhe finden.

29 Nehmt das Joch auf euch,

das ich euch gebe.

Lernt von mir:

Ich meine es gut mit euch

und sehe auf niemanden herab.

Dann wird eure Seele Ruhe finden.

30 Denn mein Joch ist leicht.

Und was ich euch zu tragen gebe,

ist keine Last.«


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



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Apostelgeschichte des Lukas, Kapitel 4, Verse 32-37


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Apg 4, 32-37

32 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.

33 Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.

34 Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte

35 und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.

36 Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig,

37 der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.


Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.


Ach: Mein – Dein.

Das sind doch bürgerliche Kategorien!

Das würde wohl das Känguru sagen.

Und dann nimmt es sich in aller Genügsamkeit

wieder irgendetwas, das eigentlich Marc-Uwe Kling,

seinem Mitbewohner gehört.

Josef dagegen, den alle nur Barnabas nennen,

was soviel heißen soll wie:

Sohn des Trostes -

dieser Josef kennt solche Kategorien

offenbar nicht.

Levit soll er gewesen sein.

Also ein Jude aus einer Priesterfamilie.

Aber auch Zypriot.

Von den Leuten aus Zypern

hört man wenig Gutes.

Zänkische Insulaner!

Oder?

Immerhin die artenreichste Insel des Mittelmeeres.

Aber vielleicht damals schon so ungeeint wie heute.

Wer weiß!?


Und Josef verkaufte einen Acker,

brachte das Geld nach Jerusalem

und legte es den Aposteln zu Füßen.


Was werden die Apostel gedacht haben?

Ein Zypriot.

Klingt fast wie: Idiot!“

Oder waren sie weitsichtiger?


Es eröffnen sich für mich zwei Perspektiven.


Einerseits kann ich fragen:

Ein Typ von irgendwo -

was weiß ich wo Zypern liegt -

immerhin war die Welt damals

definitiv kleiner als heute -

legt mir einen Batzen Geld vor die Füße?

Das ist mindestens fragwürdig!

Zwilichtige Geschäfte?

Bestechung?

In was wird mich das hineinziehen?


Andererseits kann ich sagen:

Du gibst freimütig und

ohne Bedingungen?

Was du uns gibst,

das können wir gut gebrauchen,

denn wir verwenden alles

füreinander und für die,

die es am nötigsten haben.


An dieser, zweiten Perspektive,

hat sich übrigens bis heute nicht viel geändert.

Darum bricht es mir oftmals das Herz,

wenn ich von Kirchenaustritten erfahre.

Klar kostet die Kirchensteuer Geld.

Keine Frage.

Aber die Kirche erfüllt für den Staat

unerlässliche Aufgaben.

Pflege, Gesundheit, Betreuung und Bildung,

all das müsste ohne die Verträge von

Staat und Kirche viel mehr für jeden Einzelnen kosten.

Wie die ersten Christen, damals in Jerusalem,

sagt die Kirche heute noch:

Was du uns gibst,

das können wir gut gebrauchen,

denn wir verwenden alles

füreinander und für die,

die es am nötigsten haben.


Unser Land wäre um vieles ärmer,

wenn es das nicht gäbe.


Natürlich wäre es noch viel schöner,

wenn alle Kirchenmitglieder

auch ihren Gewinn am Glauben

erkennen könnten.

Aber so viel will ich gar nicht verlangen,

das kann ich mir nur wünschen

und freilich darum beten.

Aber die Einsicht über die

staatstragenden Aufgaben der Kirche,

auf die will ich pochen,

wenn die Menschen sich

nach wie vor von der Kirche abwenden -

warum auch immer.


Die erste Perspektive auf das,

was da bei den Apostel in Jerusalem

und mit diesem Josef aus Zypern geschieht,

die ist mir aber heute die wichtigere:

Ein Typ von irgendwo -

was weiß ich wo Zypern liegt -

immerhin war die Welt damals

definitiv kleiner als heute -

legt mir einen Batzen Geld vor die Füße?

Das ist mindestens fragwürdig!


Vielleicht kann ich zuerst diesen Josef befragen:

Josef, oder Barnabas, wie sie dich alle nennen,

hast du eigentlich nachgedacht?

Was ist, wenn dein Geld alle ist?

Wovon wirst du leben,

wenn du deine Lebensgrundlage verkaufst

und den Erlös verschenkst?

Hast du einen Notfallplan?

Und was verbindet dich mit den Menschen,

hier in Jerusalem?

Dich.

Einen Ausländer aus Zypern.


Ich verstehe die Fragen.“

könnte Josef sagen.

Aber es geht für mich um etwas anderes:

Weiß du, wie es ist,

ein Herz und eine Seele zu sein?

Hast du das schon einmal gespürt?

Freude teilen,

und Leid.

Trauer, Schmerz und Demütigung

und Angst vor der Zukunft,

das alles kann ich teilen.

Ich komme von weit her,

andere auch,

doch wir sind einander nah.

Und alle sind gleich.“


Und ich möchte Josef antworten:

Ja, das was du beschreibst,

das sollte Gemeinde heißen:

wo die Kinder Gottes

gleich und füreinander da sind.“


Ich glaube, ich weiß,

weshalb sie Josef, „Barnabas“,

also Sohn des Trostes, nannten.

Weil er aus dem Trost,

den unser Glaube schenkt

und durch die Gemeinschaft,

die aus ihm erwächst,

neu geboren wurde.

Josef ist nun Barnabas.

Ein getröstetes Kind.

Der Sohn des Trostes.

Wer weiß, was er erleben musste,

dieser Josef.

Vorher, vor Jerusalem,

vielleicht auf Zypern.

Wo auch immer.

Ob er auch schon erfahren hat,

wie es ist, wenn einem die

Luft wegbleibt,

weil Gesetzeshüter Knie

in Kehlen pressen?

Wie es ist, wenn jede und jeder

fragt: wo kommst du her?

Aus Bielefeld?

Nein, ich meine,

wo kommst du ursprünglich her?

Denn, so müsste ich ergänzen,

du siehst nicht aus wie wir – wie ich.


Und dann kam Josef zu Jakobus und Petrus,

zu Maria und Salome und zu den anderen.

Und niemand fragte: Woher?

Sondern nur: Wohin?

Alle gaben, was sie konnten.

Füreinander.

Und setzten sich und was sie hatten

füreinander ein.

Das mutete an,

als seien sie ein Herz und eine Seele.

Miteinander.

Gemeinsam.

Getröstet.

Und gestärkt.


Es hat den Anschein,

als hätten die ersten Christen,

ohne Theorien von Demokratie,

Sozialismus oder Kommunismus

oder gar Marxismus-Leninismus,

ein Leben gegen marktwirtschaftliche

Regeln geführt.

Und gegen bürgerliche Kategorien.

Ohne Ansehen der Person.

Du kommst aus Galiläa, aus Jerusalem,

aus Zypern?

Egal. Du bist willkommen!

Dein Teint ist rot, gelb, braun?

Deine Haut ist schwarz oder weiß?

Egal. Du bist willkommen!

Und sie lebten mit dem Anspruch,

dass alle füreinander da sind.

Ein Herz und eine Seele.

Ohne Mangel.

Und mit großer Kraft

bezeugten sie die Auferstehung des Herrn.


Vielleicht geht es ja

genau um dieses Aufbrechen

von bürgerlichen Kategorien,

von eingeschliffenen Konventionen,

von jahrhundertealten Gewohnheiten,

die auch in der Geschichte des Christentums,

und der Kirche,

nie wirklich aufgebrochen wurden:


Egal, wer du bist,

egal, woher du bist,

egal, was du bist,

gib was du kannst,

und wir sorgen füreinander

und für die, die es am nötigsten haben,

und wir verändern gemeinsam die Welt,

aus der großen Kraft,

die uns aus der Auferstehung des Herrn erwächst.

Alle gleichermaßen von Gott geliebt,

gestärkt und getröstet durch den Glauben

und in der Gemeinschaft, die aus ihm erwächst,

ohne Fragen nach dem Woher?

Nur: Wohin?

Mein „Wohin?“ heißt: Himmel.


Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



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Viertes Buch Mose, Kapitel 6, Verse 22-27


"Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen."


4. Mose 6, 22-27

22 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

24 Der HERR segne dich und behüte dich; 25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. 27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.


Stilles Gebet; Herr, schenke uns ein Herz für dein Wort und ein Wort für unser Herz. Amen.



Es gibt [...] Orte, die besonders sind.

Orte, die eng mit [meinem Leben und

meinem] Glauben verbunden sind,

weil ich dort das Gefühl hatte:

Hier ist Gott ganz nah. [...]

Vielleicht kennen Sie auch solche Orte.“

[Holger Pyka, FB-Gruppe „Predigtkultur“, veröffentlicht zu Trinitatis 2020]

Für mich war das unter anderem meine

Heimatkirche in Zwickau.

Hier habe ich bei Predigten

meinen eigenen Gedanken nachgehangen,

mit anderen bei Krippenspielproben

Späße gemacht,

saß ich zur Konfirmation in der ersten Reihe.

Und unzählige Male stand ich im Altarraum.

Vor diesem Altar, über dem ein überlebensgroßer

Jesus abgebildet ist, der mich begleitet.

Eine Hand hält er am Herzen,

die andere hält er mir hin.

Und sein Blick –

sein Blick ist so freundlich und treu.

Und jedes Mal, wenn ich als Kind,

vor meiner Konfirmation,

in diesem Altarraum stand,

die Erwachsenen das Abendmahl empfingen,

Pfarrer Nitzsche mir die Hände auflegte,

mich segnete und sagte:

Unser Herr Jesus Christus kennt dich

und hat dich lieb.“,

da sah ich diesen Jesus über dem Altar

und ich glaubte ihm.


Ein anderer dieser Orte war

der Kneipentisch im Apothekenmuseum in Leipzig,

gegenüber der Thomaskirche,

mit dem herrlich günstigen Studentenbier,

an dem wir viele Abende saßen, nach dem Studium,

nach den Stunden in der Bibliothek,

ohne die Berge von Büchern,

aber voll frischen Wissens.

Manchmal habe ich aus den Büchern wenig behalten,

aber dort, bei den Abendgesprächen, viel gelernt.

Über Gott, über die Bibel, über das Leben.


„Orte, die eng mit meinem Glauben verbunden sind,

aber von denen ich irgendwann [...] aufgebrochen bin.

Jedes Mal um ein paar Erfahrungen reicher [… Aber]


Was kann ich mitnehmen von diesen besonderen Orten,

was von diesen Erfahrungen hat Bestand,

wenn ich irgendwo anders meine Zelte aufschlage?

Und wird es da auch diese besonderen Orte geben?


Das Volk Israel hat auf dem langen

und anstrengenden Weg zwischen

Ägypten und dem Jordantal,

zwischen Gefangenschaft und Freiheit,

auch einen [besonderen] Ort gefunden.

Sie machen [...] Rast am Fuße des Berges Sinai.

Der Gipfel ist wolkenverhangen,

und [...] oben redet Mose mit Gott.

[...]
Jetzt herrscht Aufbruchstimmung

am Fuße des Berges.

Die Reise geht weiter.

[Doch hier a]m Sinai wusste[n alle]:

Wenn [wir Gott brauchen],

dann kann Mose jederzeit nach oben auf den Gipfel. […]

Hier lässt Gott mit sich reden.

Wo wird Gott in Zukunft greifbar sein,

wenn die Reise weitergeht

und [wir] den Berg hinter [uns lassen]?
Zwei Antworten hat Gott auf diese Frage. […]

Die eine Antwort ist eine lange Bauanleitung

und Gebrauchsanweisung für ein besonderes Zelt,

in dem die Bundeslade mit den zehn Geboten aufbewahrt wird

und Gott [quasi] seine Sprechstunde anbietet.

Die zweite Antwort ist der heutige Predigttext:
Und der HERR sprach zu Mose:

Rede zu Aaron und seinen Söhnen:

So sollt ihr die Israeliten segnen,

sprecht zu ihnen:

Der HERR segne dich und behüte dich.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig.

Der HERR erhebe sein Angesicht [auf dich]

und gebe dir Frieden.

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen,

und ich werde sie segnen.

Worte, die bekannt sind,

die wir seit Martin Luther am Ende

fast jedes Gottesdienstes hören.

Worte, die Heimat bieten,

die ein Dach über dem Kopf sein können

wenn es regnet und stürmt,

die Zuflucht bieten in den Wüstenwanderungen des Lebens.

Es gibt diese besonderen Orte,

an denen man das Gefühl hat:

Hier ist Gott nah.
Aber wenn [ich aufbreche]

und diese Orte [verlasse],

dann bleiben Worte,

an die Gott sich bindet.“

[Holger Pyka, FB-Gruppe „Predigtkultur“, veröffentlicht zu Trinitatis 2020]

In diesen wenigen Worten,

in diesem kurzen Segen,

steckt alles, was es braucht.


Der Herr segne dich und behüte dich.

Das ist der Kern dieser Worte.

Was sie genau bedeuten sollen,

sagen die anderen beiden Teile dieser Worte.


Der Herr segne dich,

das heißt:

er lasse sein Angesicht über dir leuchten

und erhebe sein Angesicht auf dich.

Er sieht dich an – freundlich und treu.

Und weil segnen

bezeichnen“ oder „kennzeichnen“ heißt,

ist es, als würden gesegnete leuchten,

denn Gott geht mit diesem Blick nebenher,

dem jeder sofort ansieht,

dass er gutmütig und liebevoll ist.

Auch, wenn der Himmel über dir verhangen ist,

auch, wenn du dein eigenes Gesicht

nur schwer im Spiegel ertragen kannst –

[auch wenn eine Maske das

gegenseitige Anblicken erschwert –]

Gott sieht dich an. Und strahlt dabei.“

[Holger Pyka, FB-Gruppe „Predigtkultur“, veröffentlicht zu Trinitatis 2020]

Er hat gute Gedanken über dich.

Er kennt dich und hat dich lieb.

Der Herr segnet dich.


Der Herr behüte dich,

das heißt:

Gott sei dir gnädig und gebe dir Frieden.

Es heißt nicht,

vor allem Übel bewahrt zu sein,

sondern auch im Übel Gnade entdecken zu können.

Weil du es vermutlich brauchen wirst.

Es wird Zeiten geben,

da wird dir deutlicher sein als sonst,

dass dein Leben gefährdet,

dein Wohlstand zerbrechlich,

deine Kraft begrenzt ist.

Zeiten, in denen Du hören musst:

Du bist nicht allein.

Und der, der mit dir unterwegs ist,

[...] ist kein geringerer als der Schöpfer

der ganzen Welt mit all ihren Seen und Felsklippen,

Sternen und Grashalmen, Spatzen und Lilien.“

[Holger Pyka, FB-Gruppe „Predigtkultur“, veröffentlicht zu Trinitatis 2020]

Dass ER bei dir sein will,

das ist die erste Gnade.


Und Frieden geben,

heißt nicht im Frieden leben,

sorglos, streit- und kampflos,

es heißt, Frieden finden können

unterwegs, mitten in der Friedlosigkeit,

wenn du auf der Suche bist.


„Im Hebräischen ergießen sich

die Worte [dieses] Segens wie ein Strom,

der sich immer mehr verbreitert

und schließlich [in einem verzweigten

und weiten Delta] ins Meer mündet.

Erst drei Wörter, dann fünf, dann sieben.

Der Segen ist groß gedacht.

Gott schenke dir Frieden. […]

Gott leite deine Schritte auf einem Weg,

der zum Frieden für alle Welt führt.

Das ist das Ziel. [...]

Das ist die Zukunft.

Eine Welt, in der jeder und jede genug zum Leben hat.

In der Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet werden,

Soldatenhelme zu Kochtöpfen umfunktioniert

und Fahnen und Flaggen zu buntgesteppten Decken umgenäht werden.

Da wird der Wolf beim Lamm wohnen,

und Kuh und Bärin werden miteinander weiden.

Da wird Donald Trump seine Bibel aufschlagen

und darin lesen und sich gewaltig wundern,

und er wird mit Kim Jong Un gemeinsam Rosen züchten

und den Opfern ihrer Politik persönlich

einen Strauß überreichen

mit einer kleinen Karte:

Please, forgive me.“

Der Skinhead wird von der Syrerin lernen,

wie man Brot backt.

Der weiße Polizist

wird dem schwarzen Passanten die Tür aufhalten.

[…]


Gott ist ganz nahe.

Die Orte wechseln,

die Worte [... bleiben].

Diese besonderen Worte,

von denen Gott verspricht:

An diesen Worten hänge ich.

Und an denen, über die sie gesprochen werden. [...]

Ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen,

und ich werde sie segnen.
Der, der segnet, ist und bleibt Gott.

Deswegen gehört der Segen nicht nur in die Hände

[und ...] Münder von Priestern und [Pfarrpersonen].

[Er gehört in aller Munde.]
Beim Anschneiden eines frisch gebackenen Brotes

oder im kurzen Innehalten vor dem Essen.
An den Höhe-, Tief- und Wendepunkten des Lebens,

bei den großen und kleinen Abschieden.
[…] Eltern, die ihre Kinder segnen,

wenn sie morgens zur Schule gehen.

Die ihnen damit sagen:

Wo du hingehst, kann ich dich nicht auf Schritt und Tritt begleiten.

Aber ich gebe dir etwas anderes mit. [...]

Du bist nicht allein. Niemals.“

[Holger Pyka, FB-Gruppe „Predigtkultur“, veröffentlicht zu Trinitatis 2020]

Und so werde ich

immer ein bisschen ehrfürchtig,

wenn ich mich am Ende eines Gottesdienstes,

auf den Stufen des Altars umdrehe

und den Segen spreche.

Wohl wissend, dass nicht ich segne,

sondern Gott,

dessen Namen ich euch

zusprechen will,

damit ER euch segnet.

Und wenn ich mich umdrehe

und meine Hände hebe,

dann weiß ich,

dass hinter mir,

über dem Altar,

dieser überlebensgroße Jesus steht,

aus meiner Heimatkirche,

eine Hand am Herzen,

die andere uns allen hingehalten,

und ich glaube:

er kennt dich und mich und hat uns lieb.

Der richtige Ort,

für ein besonderes Wort:

Der Herr segne dich und behüte dich.

Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



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Apostelgeschichte des Lukas, Kapitel 2, Verse 1-21


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Apg 2

Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.



Wer von Ihnen tanzt im Regen? Oder springt in Pfützen?

(Kopf schütteln)

Wer singt unterwegs?

(Kopf schütteln)

Wer führt gedankenverlorene Selbstgespräche beim Spazierengehen?

(Hand heben)

Wer hat schonmal gelacht, dass sich die Balken bogen?

(Hand heben)

Und wer konnte mindestens einmal vor Freude nicht mehr an sich halten – musste jemanden umarmen, oder gar vor Freude weinen?

(Hand heben)


Begeisterung kann wunderbar sein! Nicht wahr!?

Für eine Sache ganz und gar brennen.

Für die Freude in diesem Moment.

Für einen Gedanken.

Für das Wunderbare um mich her – Menschen, Musik, Natur.

Warum nicht springen, singen, lachen?

Ja warum nicht auch einfach tanzen?

Das geht alles auch mit Abstand und Mundschutz.

Begeisterung lässt sich nicht bremsen.

Auch nicht durch Hygieneregeln.

Da bin ich mir sicher.

Aber natürlich gibt es auch immer die,

die daneben stehen und den Kopf schütteln,

oder die Augen rollen.


Die Bibel ist voll von begeisternden Geschichten einerseits,

und Geschichten über begeisterte Menschen andererseits.

Ich denke an den König David,

der vor Begeisterung tanzt und springt,

als er vor der Bundeslade hergehen darf.

Und ich denke an seine Frau Michal,

die es sieht und mit den Augen rollt.


Aber es gibt noch mehr.

Auch mitten in aussichtslosen,

oder ungewissen Situationen,

- und das entspricht ja irgendwie auch unserer Situation -

vermag Gott Begeisterung aufkommen zu lassen.


Ich denke an Mose,

dem alles zu viel und zu schwer wird.

Ein murrendes Volk im Rücken und

wenig Unterstützung in Sicht.

Ich stelle mir vor, wie er die Hände in den Sand krampft

und zu Gott ruft: „Ich kann nicht mehr!

Ich kann nicht die ganze Last des Volkes tragen.

Es geht nicht! Es ist zu viel für mich!“

Da wird im 4. Buch Mose berichtet,

dass Gott ihm vorschlägt,

er solle 70 Menschen berufen.

Wenn du es allein nicht schaffst,

dann hol dir Hilfe.“ sagt Gott sinngemäß.

Du und 70 andere aus dem Volk,

die eh schon einige Aufgaben übernehmen,

ihr werdet die Last, die du jetzt trägst,

gemeinsam stemmen.

Dafür will ich, wenn du sie ausgesucht hast,

von meinem Geist, den ich auf dich gelegt habe,

auch etwas auf sie legen.“

Und dann geht es quasi ab:

70 Leute erhalten von Gottes Geist, der auf Mose lag,

und geraten außer sich vor Begeisterung, die sie ergriffen hat.

Verzückt seien sie gewesen und hörten nicht mehr auf.

Wie das wohl aussah?

Ich stelle mir 70 Dauergrinser vor –

vielleicht tanzten einige, andere hüpften umher,

wieder andere sangen und

einige redeten lauthals und fröhlich drauflos.

Vielleicht feierten andere mit.

Wie auch immer.

Wieder andere standen sicher drumherum

und rollten mit den Augen.


Und schließlich erzählt der heutige Predigttext

eine eben solche Geschichte.

Wie Jesus es ihnen gesagt hatte,

blieben die Freunde zusammen in Jerusalem,

lebten und beteten gemeinsam.

So saßen sie zusammen.

Sicher hatten sie noch mit dem Weggang

des Herrn vor 10 Tagen zu kämpfen.

Manche mögen verängstigt gewesen sein,

andere hatten sich möglicherweise bereits

mit der Situation arrangiert.

So saßen sie zusammen,

als plötzlich ein Sturm durch die Ritzen

und Fenster des Hauses ging

und sie von einem Feuer ergriffen wurden,

dass sie veranlasste von Gott zu reden.

Sie konnten gar nicht anders, so begeistert waren sie.

Es ist, als wäre ihnen beim gemeinsamen Leben

und Beten ganz plötzlich klar geworden,

worum es geht: was es ist,

das Jesus uns und der ganzen Welt versprochen hat.

Und jetzt gehen sie raus und erzählen den Menschen

lauthals davon, wie das ist, das Reich der Liebe Gottes.

Und von seinen Wundern.

Ich glaube, sie waren nicht weniger verzückt,

als die 70, die Mose ausgesucht hatte.

Vielleicht tanzten manche der Freunde Jesu,

andere hüpften umher, wieder andere

könnten gesungen haben –

alle jedenfalls redeten lauthals und fröhlich drauflos.

Und die Leute drumherum?

Naja, manche waren mitgerissen.

Andere standen augenrollend dabei

und schüttelten die Köpfe:

Die sind doch betrunken!“, sagten sie,

Und das schon früh um 9!“

Petrus hält dagegen und sagt:

Nein, so ist es nicht!

Es ist zu früh, betrunken zu sein.

Uns ist das passiert,

was der Prophet Joel

in Gottes Auftrag versprochen hat:

ich will ausgießen von meinem Geist auf alle[...]

19 Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden […]


Heute, an Pfingsten,

geht es um diese Begeisterung,

davon lebt die Kirche,

sie ist aus ihr geboren.

Heute, an Pfingsten, am Geburtstag der Kirche.

Die Bibel berichtet begeisternde Geschichten

und Geschichten von begeisterten Menschen.

Und diese Begeisterung trägt meinen Glauben.

Aber es ist nicht die Begeisterung der Menschen

in den Geschichten der Bibel,

die unsere Kirche und ihre einzelnen Gemeinden trägt.

Das sind wir und unsere Begeisterung.

Und ehrlich gesagt, es wäre bitter,

wenn ein Mundschutz, eine Abstandsregel

oder ein Hygienekonzept es vermag,

diese Begeisterung zu ersticken.


Eigentlich müssten wir viel mehr tanzen,

singen, lachen, springen, auch ich.

Denn weder Hohes noch Tiefes,

weder Mächte noch Gewalten – nichts,

kann uns trennen von der Liebe Gottes.

Das ist und bleibt wahr,

wie auch immer die Zeiten sich ändern.


Darum:

Lasst uns im Regen tanzen und in Pfützen springen,

weil die Schöpfung wunderbar ist.

Lasst uns unterwegs singen,

weil es gemeinsam gerade mühsam ist.

Lasst uns gedankenverlorene Gespräche mit Gott führen –

überall.

Und den Menschen auf dem Weg,

über den Gartenzaun zurufen: „Gott ist gut!“

Und lasst uns fröhlich sein und lachen,

dass sich die Balken biegen.

Und vor Freude nicht mehr an uns halten –

niemanden umarmen, nicht jetzt,

aber sagen, dass ich es gerne würde, jederzeit,

und gern auch vor Freude weinen. Warum nicht!?

Und wenn jemand umhersteht und mit den Augen rollt,

dann ist es einfach schade,

dass er oder sie meine Begeisterung noch nicht teilen kann.


Wir könnten einander anstecken.

Nicht mit Corona,

sondern mit der Lebensfreude,

die zu unserem Glauben gehört.

Und ich bin mir sicher,

ähnlich wie die 70 Dauergrinser bei Mose

und die 11 Freunde Jesu,

würden wir spüren und sehen,

dass Zeichen auf der Erde geschehen,

genauso wie Wunder im Himmel, die Gott wirkt – immerzu.


Und der Friede Gottes, der größer ist als wir verstehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



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Prophetenbuch des Jeremia, Kapitel 31, Verse 31-34


31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen,

32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR;

33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.


Zeiten zwischen Ereignissen.

Zwischenzeiten.

Es gibt sie. Jede Menge.

Beim Warten auf Ergebnisse, zum Beispiel.

Warten auf das Ergebnis eines Schwangerschaftstestes.

Oder eines Corona-Tests.

Warten mit der Ungewissheit,

was das Ergebnis bringen wird.

Vor der Tür der Examensprüfungen.

Was beraten die denn so lange?

Es lief doch eigentlich ganz gut!?

Zwischenzeit.

Solche Zeiten können sich ziehen.

Ich erinnere mich noch gut an die schlimme Nachricht

aus Kindertagen, dass mein bester Freund bei einem

Autounfall verletzt wurde.

Aber wie geht es ihm?

Ich vergrub mein Gesicht im Kissen des Sofas im Wohnzimmer.

Warten.

Zwischenzeit.

Oder diese Zeit jetzt, zwischen Lockdown

und Lockerungen.

Zwischen Ausnahmezustand und Rückkehr zur

Normalität.

Zwischenzeiten.

Sie sind manchmal schwer erträglich.

Und je länger sie werden,

desto größer wird das Bedürfnis aus ihnen auszubrechen.

Da kann jemand schon auch mal auf fadenscheinige

Ideen kommen, die dagegen sprechen,

auch nur einen Moment länger in der

Zwischenzeit auszuhalten.

Auch für das Volk Israel gab es einige solche

Zwischenzeiten, die sich zogen

und unliebsam lang,

immer länger und länger wurden.

Wie die Zeit der Gefangenschaft in Babylon,

aus der der Predigttext stammt.

Die Sehnsucht wird groß gewesen sein,

zu erfahren, was kommt,

wie es weitergehen wird,

wie es weitergehen kann.

Und plötzlich weiß einer, was kommt.

Nicht wann und nicht wie,

aber was:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich […] einen neuen Bund schließen [...]

Bis dahin, ist Zwischenzeit.

Heute, jetzt, ist auch Zwischenzeit.

Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten.

Gerade noch schauten die Freunde dem Verschwinden des Herrn nach,

und schon sind sie wieder allein.

Zurückgelassen.

Und was nun?

Vielleicht vergrub auch einer von ihnen

sein Gesicht in ein Kissen,

drückte die Hoffnungslosigkeit

und Aussichtslosigkeit mit heißen

Tränen hinein.

Was nun?

Eine gute Zeit für die,

die Zweifel säen wollen.

Ihre Worte klingen jetzt lauter

als noch vorher.

Vielleicht flüsterten in Babylon manche

den Israeliten ins Ohr:

Euer Gott, wo ist euer Gott?

Was tut euer Gott?

Hat er nicht eure Väter und Mütter

aus Ägypten befreit?

Kann er euch nicht befreien?

Will er nicht?

Gibt es ihn überhaupt?“

Und auch den Freunden Jesu

könnten fremde Stimmen

in die Ohren hauchen:

Wo ist euer Retter?

Und was haben euch die

letzten drei Jahre mehr gebracht

als Scherereien?“


Manchmal kann ich in solchen

Zwischenzeiten wenig tun.

Ein Testergebnis oder ein Prüfungsergebnis

kann ich nur abwarten.

Aber immer sind solche

Zwischenzeiten

Keimzeiten des Anfangs.

Die Zeit, in der etwas neues beginnt.

Siehe, jetzt wächst es auf.

Zeiten der Neuausrichtung:

Hören, Exaudi, Höre!

auf das was wichtig ist.

Auf das, was Gott dir

längst ins Herz geschrieben hat.


Im Fall meines besten Freundes

aus Kindertagen hieß das:

anrufen, nachfragen, zuhören

und gemeinsam mit der Familie hoffen.

Das tun, was die Freundschaft,

die uns verband, mir ins Herz geschrieben hatte.

Bis die gute Nachricht kam:

Sie mussten ihn zwar operieren,

aber er ist wohl auf und bald wieder Zuhause.

Und dann, beim ersten Besuch,

wussten wir beide, dass wir

ein Stück näher zusammengerückt waren.

Wie ein neuer Bund.

Im Fall der Israeliten

bedeutete das:

Standhaft bleiben und umkehren,

sich mit der Situation ein Stück weit arrangieren,

aber nie die Hoffnung und schon gar nicht

den Glauben aufgeben; beten und den Worten vertrauen,

die sie von Generation zu Generation

trugen:

4 Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer.

5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.

(Dtn 6)

Bis schließlich der Tag kam,

da sie zurück durften nach Jerusalem.

Und dann, bei der Rückkehr

nach Jerusalem, wussten die meisten,

wem sie dafür danken mussten.

Ein neuer Bund.


Und für die Freunde Jesu,

die gern aus Jerusalem wieder verschwunden wären,

jetzt, wo doch alles vorbei zu sein schien,

bedeutete es:

mutig zu bleiben,

für die Sache die mit Jesus nur begonnen hatte,

aber mit ihnen weitergehen würde -

nicht nur mit ihren kleinen Kräften,

sondern mit der großen Kraft des Heiligen Geistes.

Aber auf den mussten sie noch ein paar Tage warten.

Zwischenzeit.

Tage der Herausforderung.

Bis der Geist sie wie ein loderndes Feuer überkam

und sie ihre Zungen nicht mehr im Zaum halten konnten,

so groß war die Freude in ihren Herzen

über diesen neuen Bund,

der längst schon in ihr Herz geschrieben war.


Und manchmal -

in den Zwischenzeiten -

erweckt Gott in jemandem

den Mut und die Kraft für

mutige, kraftvolle Worte,

mitten in der Zwischenzeit.

Worte wie diese:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich […] einen neuen Bund schließen [...]

Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß [...]

Bis das wirklich soweit ist,

wird noch einige Zeit vergehen.

Das ist vielleicht

die große Zwischenzeit,

in der wir alle miteinander,

unsere Vorfahren und unsere

Nachfahren, leben.

Die Keimzeit des Reiches Gottes.

Es ist die Zeit der Zuversicht,

dass es einmal so sein wird,

wie der Prophet sagt.

Wenn jede und jeder

bereit ist, zu hören,

was uns in Herzen und Sinne

geschrieben wurde,

von unserem Gott.


Und bis dahin,

gibt es viele kleine Zwischenzeiten,

viel Warten auf Ereignisse und Momente,

von denen ich mir wünsche,

dass ich sie fülle wie der Prophet:

mit Hoffnung:

Siehe, es kommt die Zeit...

Auch die Zeit nach Corona.

Aber wie diese Zeit aussehen wird,

bestimmen wir.

Jetzt.

Mit unserem Hören

und unserem Reden

in der Zwischenzeit.

Und dann werden wir unseren Kindern

davon erzählen:

Vom unschätzbaren Wert der Freiheit,

wie die Kinder Israels,

weil wir, wie sie, wissen, wie es ist,

sie einzubüßen;

und wir werden begeistert

von Ideen und Erkenntnissen berichten,

die uns diese Zeit gebracht hat -

wie die Freunde Jesu;

mit heißen Herzen und

lodernden Zungen

könnten wir berichten,

was systemrelevant ist,

und dass weniger mehr sein kann,

und wie Nähe auch aus der Ferne geht;

und wie gut es ist,

wenn ich mich im Glauben

mit anderen verbunden

und getragen weiß.


Aber bis wir davon erzählen,

ist Zwischenzeit.

Denn es kommt die Zeit...

sagt der Prophet.

Und die Zeit der Freiheit

für die Israeliten kam.

Und die Zeit neuer Kraft,

durch den Heiligen Geist,

für die Freunde Jesu kam.


Ich bin gespannt,

was nach dieser Zwischenzeit kommt,

was aufkeimt, was beginnt,

heute schon,

zwischen Himmelfahrt und Pfingsten,

und darüber hinaus,

zwischen Pandemie und Impfstoff -

Höre!

Sagt dieser Sonntag,

Höre!

Denn Herz und Sinn wissen Bescheid.

Was davon wirksam wird,

liegt an uns,

in dieser Zwischenzeit.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



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Johannesevangelium, Kapitel 17, Verse 20-26


Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, […] Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat [...] sei Ehre [...] von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (Offb. 1, 4-6)


Lasst uns miteinander beten:

Herr, unser Gott, der du immer schon warst, der du bist und der du auf uns zu kommst; der du überall dort anklopfst, wo lebendige Herzen schlagen; hilf, dass die Türen offen stehen und wir spüren: nicht wo Himmel ist, da bist du, sondern wo du bist, da ist Himmel. So gib, dass da auch ein Stück Himmel ist, wo wir dein Wort bezeugen. Amen.



Jesus betet. Ein Gespräch mit seinem Vater.

Ein Vorgespräch über das Danach.

Es geht um Zusammenhalt.


Wenig später wird er in den Himmel aufgehoben.

Das gibt diesem Tag seinen Namen: Himmelfahrt.


Wie passt das zusammen:

Zusammenhalt und Himmelfahrt?


Kann man auch zusammenhalten,

wenn eine*r geht?


Was hält uns zusammen? Was hält Sie zusammen? Was bedeutet für Sie Zusammenhalt? - Interviews


Es gibt vieles, was uns zusammenhält: Blut und Familienbande, jemandem etwas schuldig sein, Mitleid haben, Freundschaft, Dankbarkeit, Trauer, Leid (was wir miteinander durchgemacht haben), Ärger (die können nicht miteinander aber auch nicht ohne einander); es gibt vieles.


Zwei Luftballons → gibt es etwas, das dieses beiden Luftballons zusammenhalten könnte?


Die beiden Ballons haben eigentlich nicht viel miteinander zu schaffen.

Nur die Luft, die sie in sich halten, die stammt aus dem gleichen Mund.

In diesem Falle hier, aus meinem.

Vielleicht sind die beiden auch einmal irgendwann aus der gleichen Fabrik gekommen. Möglich. Sie stammen zumindest aus der selben Tüte.

Aber jetzt, ist jeder für sich.

Und wenn sie zueinander kommen, dann prallen sie aneinander ab und jeder geht seine eigenen Wege.


Das klingt für mich alles sehr menschlich.

Zwei Luftballons. Wie zwei Menschen.

Die können alleine nicht viel dazu tun, dass sie zueinander kommen.

Aber wenn nun jemand diese beiden Luftballons nähme, sie zueinander hielte und ein bisschen Reibung erzeugte, dann können beide gar nicht mehr voneinander lassen.


Das ist das Gebet Jesu.

Das ist es, was Gott von Anfang an tut und nicht aufhört zu tun:

Er hält uns zueinander, damit wir aneinander festhalten können und zusammen halten.


Die Luft in uns, das ist der Atem Gottes.

Die Hände, die uns aneinander halten, sind Jesu Hände.

Die elektrostatische Ladung, die uns beieinander hält, ist der Heilige Geist.

Alles, was wir tun müssen, ist zulassen, dass die Hände Jesu uns aneinander halten.

Und das, das heißt Glaube.


Jesus betet. Ein Gespräch mit seinem Vater.

Ein Vorgespräch über das Danach.

Es geht um Zusammenhalt.


Wenig später wird er in den Himmel aufgehoben.

Das gibt diesem Tag seinen Namen: Himmelfahrt.


Seither sind Jesu Hände zu vielen Händen geworden.

Der Vater ist im Sohn, Jesus, und der Sohn in uns.

Und wir sind die Hände, die die Luftballons,

oder die Menschen zusammenbringen,

damit der Geist sie zusammenhalten kann.


Aber das, das muss man natürlich glauben können...


Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch der Mutter.


1: „Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“


2: Ja, auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden groß und stark für das was draußen an der frischen Luft kommen wird.“


1:Ich glaube, das hast du eben erfunden! Es kann kein Leben nach der Geburt geben – und wie soll den ‚frische Luft‘ bitte schön aussehen?“


2: „So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller sein als hier. Und vielleicht werden wir mit den Beinen herumlaufen können und mit dem Mund tolle Sachen essen?“


1: „So einen Schwachsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns nährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist doch die Nabelschnur viel zu kurz.“


2: „Doch, das geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders sein.“


1: „Du träumst wohl! Es ist doch noch nie einer zurückgekommen von ’nach der Geburt‘. Mit der Geburt ist das Leben einfach zu Ende! Punktum!“


2: „Ich gebe ja zu, dass keiner genau weiß, wie das Leben ’nach der Geburt‘ aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird sicher für uns sorgen.“


1: „Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo soll denn die nun sein, bitteschön?“


2: „Na hier – überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!“


1: „So ein Blödsinn! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht! Schluss damit!“


2: „Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie leise singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt ganz sanft und liebevoll streichelt …“


Henry Nouwen



Und ich sehe mich selbst in dieser dunklen Welt.

Nicht wissend, was kommt. Aber irgendwie behütet.

Meine Schwester, mein Bruder neben mir.

Beide leben wir von der gleichen Kraft.

Und ich ergreife die kleine, vielleicht noch nicht ganz fertige Hand und spüre ein sanftes Drücken von außen, ein liebevolles Tasten.

Ist das die Mutter? Oder der Vater? Noch eine Schwester, ein Bruder?

In diesem Moment, sind alle eins.


Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Johannesevangelium, Kapitel 15, Verse 1-8


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Joh 15, 1-8


1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.

5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.


Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.


Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

Und die Erde war wüst und leer,

und Finsternis lag auf der Tiefe;

und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.

Und Gott sprach: „Es werde Licht!“ Und es ward Licht.

So beginnt die alttestamentliche Lesung für diesen Tag.


Seitdem kann ich die Welt sehen.

Licht gegen Finsternis.

Ich kann mir vorstellen, sie von oben zu betrachten,

und sie in einem anderen Licht sehen.

Ich kann auf die Schöpfung schauen.

Und die einzige Erklärung, die ich finden kann,

ist die Liebe,

die Liebe, die ich fand, weil du hier gewesen bist.

Deine Liebe rückt mich in ein anderes Licht.

Nicht meine Worte.

Aber sie treffen, was ich meine.


Zirkelschluss nennt man das.

Eine Beweisführung, in der das zu beweisende schon in der Voraussetzung enthalten ist.

Also von Gott ausgehen.

Die Welt als Schöpfung sehen.

Und in der Schöpfung Gottes Liebe entdecken.

Ein Zirkelschluss.


Da ist etwas im Wind, das meinen Namen kennt,

und es sagt mir, dass nichts ist wie es war.

In den Blättern und in der Brise

rauscht ein befriedigender Geschmack von Freude für mich.

Auch nicht meine Worte.

Aber sie treffen, was ich meine.


Dieser Sonntag heißt Jubilate.

Er hat seinen Namen aus dem 66. Psalm.

Jubilate deo, omnis terra“

Jauchzt vor Gott, alle Länder der Welt.

Es juble vor Gott, die ganze Welt.

Alle Welt freue sich vor Gott.


Vielleicht hat der Betende des Psalms

eine ähnlich Erfahrung gemacht wie ich.

Von oben auf die Welt schauen

und sie in einem anderen Licht sehen.

Eine Schöpfung sehen.

Und eine Liebe.

Und einen Wind hören,

der meinen Namen säuselt.

Und in den Blättern und der Brise

Freude schon fast schmecken können.


Das sind nicht meine Worte.

Die Carpenters singen das 1972.

Top of the world“ heißt dieses Liebeslied.


Aber als ich das Lied kürzlich wieder hörte,

sah ich mich selbst auf diesem Gipfel der Welt stehen,

hinabsehen auf die Schöpfung,

und in ihrem Licht seine Liebe sehen.

Ein Gärtner, der durch diese Welt streift

und alles hegt und pflegt.

Der wilde und kultivierte Reben reinigt,

mit ihnen spricht,

ihnen gut zuredet,

damit sie viel Frucht bringen.

Jemand sagt: „Dein Leid kümmert mich!“

Mitten in einer Krise.

Und der Gärtner geht vorüber,

die Blätter rauschen ein bisschen,

und in der Brise kann man seine Freude fast schon schmecken.

Jemand sagt: „Ohne dich kann ich nichts tun!“

Egal ob Krise oder nicht.

Und der Gärtner eilt heran,

schnelle Schritte machen Wind,

und jemandem ist, als hörte er seinen Namen säuseln.

Jemand sagt: „Diese Welt ist wunderbar geschaffen!“

Trotz aller Krisen.

Und der Gärtner steht daneben,

gibt Wärme ab, die sich anfühlt

wie warme Herzen,

wie Liebe.

In solchen Worten.

In solchen Gedanken.

In solchen Gefühlen.

Da ist Christus drin.

Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben...

sagt Jesus.

Vielleicht stecken sie sogar im Lied der Carpenters.

Wer weiß.

Für mich, heute, schon.


Vom Gipfel der Welt schaue ich auf die Schöpfung,

und die einzige Erklärung, die ich finden kann,

ist deine Liebe, die ich fand, seit du hier gewesen bist,

deine Liebe bringt mich zum den Gipfel der Welt.


Und Jesus sagt: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

Aber von diesem Gipfel aus, wüsste ich gar nicht, was ich noch mehr wollte.


Das ist ein Zirkelschluss. Definitiv.

Aber für mich ist es ein guter.


Und Jesus sagt:

5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht;

Das ist kein Zirkelschluss.

Das ist ein Versprechen.

Das ist der Gipfel der Welt.

Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



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Erster Petrusbrief, Kapitel 2, Verse 21-25


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Aus: 1. Petrus 2


21 Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen;

22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;

23 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;

24 der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.

25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.


Lasst uns diesem Wort in der Stille nachdenken... STILLE...

(„Herr, schenke uns ein Herz für dein Wort und ein Wort für unser Herz. Amen.“)


1 Der HERR ist mein Hirte. Mir fehlt es an nichts.


Da geht einer durch das Land, mit nichts. Ein paar Leute im Gefolge, sonst nichts. Kaum genug Fische und Brote um den eigenen Bedarf zu decken.

Doch am Abend des Tages hören ihn die Leute beten: Der Herr ist mein Hirte. Mir fehlt es an nichts.


2 Die Weiden sind saftig grün. Hier lässt er mich ruhig lagern. Er leitet mich zu kühlen Wasserstellen.


Da geht einer durch das Land, manchmal an einem See, mit saftigen, grünen Weiden; oft genug aber mitten durch die Wüste. Schriftgelehrte auf den Fersen, die ihm gern jedes ruhige Lager streitig machen würden. Und wenn er an kühle Wasserstellen kommt, dann schöpft er nicht selbst. Eine Frau kommt zum Brunnen, will schöpfen, da bietet er anderes Wasser an. Woher er das wohl nimmt?

Und am Abend des Tages hören ihn die Leute beten: Die Weiden sind saftig und grün. Hier lässt er mich ruhig lagern. Er leitet mich zu kühle Wasserstellen.


3 Dort erfrischt er meine Seele. Er führt mich richtig und gut durchs Leben. Dafür steht er mit seinem Namen ein.

Da geht einer durch das Land, der viele Namen hat: Menschensohn sagen manche, Messias und Christus andere, Rabbi, Lehrer, sagen einige, Immanuel – Gott mit uns – sagt ein Engel, Jesus sagen Maria und Joseph. Er selbst spricht lieber über den, der ihn gesandt hat: Abba, Vater, sagt er zu ihm. Der führt ihn durchs Leben, sagt er. Richtig – vielleicht; aber gut?

Und am Abend des Tages hören ihn die Leute beten: Abba, Vater, DU erfrischt meine Seele. DU führst mich richtig und gut durchs Leben. Dafür stehst DU mit DEINEM Namen ein.


4 Und muss ich durch ein Schattental, fürchte ich keine Gefahr.

Denn du bist an meiner Seite! Dein Stock und dein Stab schützen und trösten mich.


Da geht einer durch das Land, geradewegs auf das Schattental zu. Jerusalem heißt die Räuberhöhle, in der er sein Leben verlieren wird. Keine Gefahr? Von wegen!

Er der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt [...]“.

Mit Stöcken und Stäben werden sie ihn fangen und züchtigen. Bespuckt, verlacht und getreten, spuckt, lacht und tritt er nicht zurück. Er schweigt. Hält stand, aber widersteht nicht.

Am Abend des Tages hören ihn die Leute beten: Und muss ich auch durch dieses Schattental, fürchte ich keine Gefahr. Denn DU bist an meiner Seite! DEIN Stock und DEIN Stab schützen und trösten mich.


5 Du deckst für mich einen Tisch vor den Augen meiner Feinde.

Du behandelst mich wertschätzend wie einen König und füllst mir den Becher bis zum Rand.


Da hängt einer am Kreuz, vor den Augen aller Freunde und Feinde. Reich gedeckt ist der Tisch der Schergen, die um seine Kleider würfeln. Ein Essigschwamm soll seine Henkersmahlzeit sein. Er lehnt ab. Keine königliche Würde, nur ein Becher mit Wein und Myrrhe, voll bis zum Rand, um die Schmerzen zu ertragen. Er lehnt ab.

Und als die Finsternis die Erde bedeckt, hören die Leute ihn rufen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen... bis ihn der eigene Atem verlässt.

Am Abend dieses Tages hören die Leute einen Hauptmann sagen: Dieser ist wahrlich Gottes Sohn gewesen. Vor den Augen seiner Feinde sagt er das und wertschätzt den Verstorbenen damit wie einen König.


Aber so geht der Psalm 23 nicht zu Ende. Das Gebet endet nicht am Tisch im Angesicht der Feinde. Es endet im Haus des Herrn.

Und als am Morgen die Frauen zum Grab kamen und es leer vorfanden, der erste Schrecken dieses Anblicks verflog und sie langsam glauben konnten, was da geschehen war, da hörten die Leute sie jeden Tag beten:


6 Nichts als Liebe und Güte begleiten mich alle Tage meines Lebens. Mein Platz ist im Haus des HERRN. Dorthin werde ich zurückkehren – mein ganzes Leben lang!


Dorthin, wo auch Jesus, der Christus, zurückkehrte und bleibt, in Ewigkeit, weil dort sein Platz ist.


Diesem "Hirten und Bischof der Seelen" will ich nachfolgen und glauben, dass der Psalm 23 recht hat - immer, auch wenn es nicht danach aussieht.

Ganz nach Jesu Vorbild.

Und...

Nichts als Liebe und Güte begleiten mich alle Tage meines Lebens. Mein Platz ist im Haus des HERRN. Dorthin werde ich zurückkehren – mein ganzes Leben lang!


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



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Markusevangelium, Kapitel 14, Verse 3-9


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Predigttext: Markus 14, 3-9


3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.

4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls?

5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.

6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.

7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.

8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.

9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.



Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.



Dreihundert Silbergroschen.

Da wird Judas vielleicht Augen gemacht haben,

der ja mit seinem Verrat an Jesus 30 Silberstücke einstrich.

Angeblich heute rund 10.000 Euro,

wollen Fachleute bei Welt.de ausgerechnet haben.


Im Gegenzug, 300 Silbergroschen?

Es handelt sich um die damals gängige, römische Währung, den Denar.

Ich will den Fachleuten des Boulevards in nichts nachstehen und habe herausgefunden:

Die Kaufkraft eines Denars soll um die Zeit Jesu bei ca. 20 Euro gelegen haben.

300 Silbergroschen, oder Denare, das wären dann heute etwa 6.000 Euro.

Gar nicht schlecht also.

Wäre Mark Uwe Klings Känguru hier,

würde es vielleicht vorrechnen:

6.000 Euro, das sind 12.000 D-Mark.

Das sind 24.000 Mark ost.

Das sind 120.000 Ostmark auf dem Schwarzmarkt.

Klingt nach einer Stange Geld.

Unverfälschtes, kostbares Nardenöl.


Es ist eine sehr alte Kostbarkeit.

Sie kommt im Dunstkreis des Königs Salomo vor.

In den erotischen Fantasien des Hohelieds in der Bibel

spielt es eine Rolle.

Es habe beruhigende, stärkende

und bewusstseinsfördernde Wirkung,

heißt es in der indischen Heilkunde.

Denn die Narde stammt aus dem Himalaya.


Nun ist sie in das Haus eines Kranken gelangt.

Simon der Aussätzige wird er genannt.

Eine Frau, vielleicht seine,

bewahrt das Öl in einem Haushaltsgefäß auf.

Schwer auszudenken,

wie es in einen Haushalt

wie diesen kommt.

Simon der Aussätzige wird sicher

zu den Bedürftigen gezählt haben.

Zu denen, um die es geht,

wenn die Freunde Jesu fauchen,

man hätte das Geld den Armen geben können.

Aber die Frau durchkreuzt die Pläne der Freunde

und zerbricht, worauf sie schielen.

Sie gießt das königliche Salböl

über dem Haupt eines Menschen aus,

der so gar nicht königlich daherkommt.

Und doch rufen Menschen ihm

auf der Straße zu,

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn,

der König Israels!“

Das passt so wenig in das Haus

des Simon, den man den Aussätzigen nennt,

wie dieses kostbare Nardenöl.


Aber was passt schon in diesen Tagen.

Eine der reichsten Städte der Welt

versinkt in medizinischer Not.

Wegwerfgüter, die in rauen Mengen

vorhanden waren, sind rar.

Berufe, die manchmal nur

ein müdes Lächeln ernteten,

werden Systemrelevant.

Ich würde nicht soweit gehen,

zu behaupten, dass die Welt

ihre Maßstäbe verkehrt,

aber sie überrascht doch zumindest

im Moment sehr.


Und als das Öl über die Haare des Herrn fließt,

stelle ich mir vor,

dass die Frau es mit ihren Händen liebevoll nachstreicht.

Behutsam, wie eine Künstlerin, die mit jedem

Pinselstrich ihre eigenen, tiefen Hoffnungen

auf Leinwand bannt;

wie eine Pflegende, die am Krankenbett weiß,

dass sie dieses Leben nicht schützen kann,

aber dass sie es besser machen kann,

für diesen Moment;

wie ein Helfender, der sich selbst

auch Hilfe wünscht, dem aber die Worte fehlen

und nur Gesten bleiben.

Strähne um Strähne verteilt sie das Öl,

wie ein Mensch der diesen Augenblick

auskostet wie eine Ewigkeit,

weil es nur diesen Augenblick gibt.

Ihre Hände gleiten an den Haaren entlang,

und mit jeder ihrer Bewegungen

glänzt das Haupt Jesu mehr.


Es wäre doch gut,

wenn ich leben könnte

wie diese Frau,

als wüsste ich nicht, was es einbringt,

wenn ich tue, was ich tue.

Nur dass es gut ist.

Und ich tue es mit

liebevoller Hingabe,

behutsam, voller Hoffnung,

und doch nur für diesen Augenblick.


Manchmal weiß ich nicht, wie das Kleine,

das ich jetzt tue, später große Wirkung haben wird.

Manchmal kann ich erst im Nachhinein die Zeichen richtig deuten.


Wer weiß, ob sie wusste,

dass sie einen Lebenden salbt,

dessen Leichnam

aufgrund der Umstände seines Todes

nicht mehr gesalbt werden kann.

Wer weiß, ob sie schon hat hoffen können,

dass das Grab leer sein würde.

Aber sie tat, was sie tat.


Und wenn ich im Nachhinein die Zeichen deute,

dann passt sehr gut,

was auf den ersten Blick nicht so recht

passen wollte:

im Haus eines Menschen

am Rande der Gesellschaft,

manchmal einsam, sehr krank,

mit Glück ein Dach über dem Kopf,

jeder Tag eine Herausforderung -

es gibt viele solcher Menschen.

Dort kehrt Gott ein

und lässt sich nieder.

Und als mit etwas Mut

ein Gefäß zerbricht,

aus dem Hingabe und

Hoffnung fließen,

versiegt Streit

und Gott kann glänzen.


Deshalb habe ich in der Einladung zu diesem Gottesdienst

aus dem Lied Gerhard Schönes vorgelesen:


Spar nicht mit deinen guten Worten.
Wo man was totschweigt, schweige nicht.
Und wo nur leeres Stroh gedroschen,
Da hat dein gutes Wort Gewicht!

Spar deine Liebe nicht am Tage
Für paar Minuten in der Nacht.
Hol sie aus ihrer Dunkelkammer,
Dann zeigt sie ihre Blütenpracht.

Spar deinen Mut nicht auf für später,
Wenn du mal "was ganz Großes" bist.
Dein kleiner Mut hilft allen weiter,
Weil täglich Mut vonnöten ist.“


Das wird etwas kosten.

Kostbarer als unverfälschtes, kostbares Nardenöl.

Vielleicht keine 6.000 Euro

oder 24.000 Mark ost.

Das kommt auf ihren Stundenlohn an.

Denn was es kostet,

zählt zum kostbarstem, das wir haben:

Zeit.


Aber ich glaube, dann gäbe es

weniger Streit um das,

was sein könnte,

wie das bei den Freunden Jesu der Fall war.

Es gäbe mehr Freude über das,

was wir nicht allezeit haben können.

Diese Freude und die Augenblicke

würden bleiben.

In unseren Geschichten.

Ihren, Euren und meinen.

Wie die der Frau, deren Name

verklungen ist, aber nicht das was sie tat.

Wahrlich, ich sage euch:

Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt,

da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis,

was sie getan hat.

Oder was Sie getan haben.

Und ihr.

Und ich.


Und darüber könnte Ostern werden,

das Haupt des Herrn würde

in unserer Mitte glänzen,

als wäre es frisch gesalbt,

mit unverfälschtem, kostbarem Öl der Narde.

Königlich.

Während längst totgeglaubtes

zu neuem Leben erwacht.


Und der Friede Gottes, der größer ist als alles, was wir verstehen können, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



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Hebräerbrief, Kapitel 13, Verse 12-14


Predigttext:


Hebräer 13, 12-14

12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.

13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.

14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.




Ob der Autor des Hebräerbriefes den Schuss nicht gehört hat,

würde Marietta Slomka im Heute-Journal des ZDF vielleicht fragen.


So wenig wie möglich vor die Tür oder das Tor der Stadt gehen

und das eigene Lager verlassen

– darum geht es im Moment.

In dieser Corona-durchtränkten Zeit.


Ich stehe jetzt manchmal allein in unseren leeren Kirchen

und bin ein bisschen traurig.

Im Moment können wir uns hier nicht versammeln,

gerade jetzt in der Fastenzeit,

können die Heiligen nicht zusammenkommen,

um daran zu denken, wie Jesus draußen vor dem Tor litt.


Wie schade, denke ich.

Dann singe ich gern das eine oder andere Lied

für mich selbst in der leeren Kirche

und gehe wieder hinaus.


Manchmal fahre ich dann noch ein bisschen durch unsere Dörfer,

verteile einige Geburtstagsgrüße in die Briefkästen

und sehe mich ein wenig um.

Es ist wenig los.

Wie überall.


Ich treffe kaum jemanden.

Nur sehr selten.


Wie kürzlich.

Da war da diese Frau,

die sich sorgt – sehr sorgt

– um die Familie

und wie alles weiter geht.

Mit Tränen in den Augen

erzählt sie davon

und wie sehr sie in der

letzten Zeit mit ihrem Glauben

gehadert hat und zweifelte,

aber wie viel mehr er sie

jetzt trägt und ihr Kraft gibt.

Ich bin selbst ein bisschen

gerührt, wie ich ihr so zuhöre.


Ich denke: Ja,

darum hat auch Jesus gelitten

draußen vor dem Tor.

Für diese Zweifel.

Für meine Angst und Sorge.

Und für deine.


Trotzdem,

Hinausgehen ist gerade

keine gute Option.

Zuhause bleiben

ist die bessere.

Das muss ich dem Autor des

Hebräerbriefes immer noch

entgegen halten.


Und dann denke ich:

aber ein Dauerzustand

ist das auch nicht.

Darf es nicht sein.


Irgendwann,

da sollten wir uns

wiedersehen können.

Wieder Hände reichen.

Wieder Umarmen.

Nicht mehr nur sagen und zeigen,

im Internet oder auf Zetteln oder aus Fenstern,

dass wir zusammenstehen

und füreinander da sind,

sondern es auch wieder fühlen können.

Liebe zum Anfassen.

Die fehlt schon.


Und plötzlich höre ich noch einmal neu

und anders, was der Hebräerbrief sagt:

„Wir haben hier keine bleibende Stadt,

sondern die zukünftige suchen wir.“


Ja, so ist es.

Es geht jetzt darum,

Möglichkeiten zu suchen und zu finden,

wie ein Stück Normalität

zurückgewonnen werden kann,

ohne zu große Risiken

für die Gefährdeten

und das Gesundheitssystem einzugehen.

Ich bin zuversichtlich,

dass sich solche Möglichkeiten

finden werden.


Und dann wird der Tag kommen,

da werden wir sagen:

So lasst uns nun wieder hinausgehen,

vor das Lager.

Vor die Tür.

Auch vor das Tor der Stadt.


ABER...

lasst uns dabei bitte

nie vergessen,

dass wir,

als wir nicht draußen waren,

aus den Fenstern für Sanitäter applaudiert haben,

dass wir

in Supermärkten Danke gesagt haben,

dass wir

einander anriefen,

einfach nur, um zu hören, wie es

der anderen oder dem anderen geht,

dass wir

Lebensmittel an Bedürftige verschenkt haben,

dass wir

aus den Häusern auf die Straßen Lieder sangen,

und dass wir

gebetet haben,

um 12, um 5, um 6,

um Gott zu rufen, zu bitten und zu danken.


Wenn wir das nicht vergessen,

dann, wenn wir wieder hinausgehen,

dann würde mich diese Zukunft sehr

hoffnungsfroh stimmen.

Denn: auch darum hat Jesus

draußen vor dem Tor gelitten.

Wegen der Liebe zum Anfassen.

Das hätte ziemlich viel

mit Heiligkeit zu tun.

Amen.



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Römerbrief, Kapitel 5, Verse 1-7


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Basis-Bibel: Röm 5, 1-7


1 Weil wir also aufgrund des Glaubens als gerecht gelten, haben wir Frieden,

der auch bei Gott gilt. Das verdanken wir unserem Herrn Jesus Christus.

2 Durch den Glauben hat er uns den Zugang zur Gnade Gottes ermöglicht.

Sie ist der Grund, auf dem wir stehen.

Und wir dürfen stolz sein auf die sichere Hoffnung,

zur Herrlichkeit Gottes zu gelangen.

3 Aber nicht nur das.

Wir dürfen auch auf das stolz sein,

was wir gegenwärtig erleiden müssen.

Denn wir wissen: Das Leid lehrt, standhaft zu bleiben.

4 Die Standhaftigkeit lehrt, sich zu bewähren.

Die Bewährung lehrt zu hoffen.

5 Aber die Hoffnung macht uns nicht zum Gespött.

Denn Gott hat seine Liebe in unsere Herzen hineingegossen.

Das ist durch den Heiligen Geist geschehen,

den Gott uns geschenkt hat.

6 Christus ist für uns gestorben,

als wir noch schwach waren.

Das heißt: Er starb für Menschen,

die zu diesem Zeitpunkt noch gottlos waren!

7 Dabei wird sich schon kaum jemand finden,

der für einen gerechten Menschen stirbt.

Wenn überhaupt,

dann ist höchstens jemand bereit,

sein Leben für einen Menschen herzugeben,

der Gutes tut.


Herr, unser Gott, segne an uns dein Wort. Amen.


Das Leid lehrt, standhaft zu bleiben.

Die Standhaftigkeit lehrt, sich zu bewähren.

Die Bewährung lehrt, zu hoffen.

Sagt Paulus.

Das Lied lehrt...

vieles.

Ohnmacht, wenn ich nur zusehen kann,

wie andere leiden.

Ohnmacht, wenn ich an anderen leide.

Es lehrt, was Schmerz ist,

mitten im Leiden.

Es lehrt weinen und trauern und

flehen, um Erbarmen.

Es lehrt bitten und betteln und

zerbrechen.

Wie gut, dass ich so wenig leiden muss.

Selten ist es mir so gegangen,

wie Paulus sagt,

dass ich stolz sein kann auf das,

was ich erleiden muss,

da ich doch weiß,

dass Leiden lehrt, standhaft zu bleiben.

Die Standhaftigkeit lehrt, sich zu bewähren.

Die Bewährung lehrt, zu hoffen.


Die Standhaftigkeit lehrt...

gar nicht so viel.

Nur dass ich standhaft bleiben kann

oder nicht.

Wie geht es Ihnen mit Ihren

guten Vorsätzen für das Jahr?

Mit ihren Vorsätzen in der Fastenzeit?

Mit 7 Wochen ohne...

was auch immer.

Vielleicht ja ohne Pessimismus,

wie es die Fastenaktion der

Evangelischen Kirche in diesem Jahr vorschlägt.

Weil ich selbst nicht so der Pessimist bin,

verzichte ich auf Alkohol.

Aber als in der Kirchenvorstandssitzung

am Mittwoch auf mein einjähriges

Jubiläum im Pfarramt angestoßen wurde,

da war es nicht weit her mit meiner

Standhaftigkeit.

Immerhin habe ich noch kurz gesagt,

dass ich ja eigentlich faste.

Dann war der Schluck Sekt auch schon getrunken.

Wäre doch eigentlich schön,

wenn mich die Standhaftigkeit

lehren könnte,

dass ich mich bewähren kann,

auch im Leid,

aber vor allem dann,

wenn mir das, in dem ich mich bewähren will,

gar nicht so viel Leid zufügt,

wie eben der Verzicht auf Alkohol für ein paar Wochen,

da ich doch weiß,

dass Standhaftigkeit lehrt, sich zu bewähren.

Und die Bewährung lehrt, zu hoffen.


Aber wenn ich nun weder leide,

noch besonders standhaft bin,

werde ich dann lernen, zu hoffen?


Ich will doch so gern hoffen:

für euch, wie ihr hier in diesem Gottesdienst seid,

dass ihr bewahrt seid und bleibt an Leib und Seele.

Für mich, dass mir das Lachen vor Freude übergeht

und nicht im Halse stecken bleibt.

Für die, die in Hanau trauern,

dass sie Trost finden und Zukunft sehen.

Für die, die Angst haben und diese Angst mit

Gewalt gegen Unschuldige wenden,

dass sie Mut finden und Zuversicht.

Für die, die an Grenzen mit Gummigeschossen

und Rauchgranaten zurückgedrängt werden,

oder auf dem Wasser um ihr Überleben kämpfen,

oder auf griechischen Inseln in unwürdigen

Umständen hausen müssen,

dass sie Barmherzigkeit erfahren.

Ich will doch so gern hoffen.

Ihr ja vielleicht auch!?


Paulus schreibt einen Brief an die Christen in Rom.

Daraus haben wir den Predigttext gehört.

Ihnen stehen die schlimmsten Bedrängnisse noch bevor.

Dann ging es ihnen an den Kragen.

Vielleicht wie den Christen in Syrien,

als der sogenannte Islamische Staat

sein Unwesen trieb.

Viele dieser Christen,

die um ihr blankes Leben fürchten mussten,

stehen heute an unseren Grenzen in Griechenland.


Uns schreibt Paulus diesen Brief eigentlich nicht.

Mir, dem Glücklichen,

auf der richtigen Seite aller Grenzen geborenen,

mir gilt es eigentlich nicht,

wenn Paulus schreibt:

Das Leid lehrt, standhaft zu bleiben.

Die Standhaftigkeit lehrt, sich zu bewähren.

Die Bewährung lehrt, zu hoffen.


Denn ich habe nichts auszustehen.

Ich darf einfach so hoffen.

Ich will es zumindest versuchen.

Vielleicht gilt mir daher

zumindest dieser erste Satz,

mit dem Paulus beginnt:


1 Weil wir also aufgrund des Glaubens als gerecht gelten,

haben wir Frieden, der auch bei Gott gilt.

Das verdanken wir unserem Herrn Jesus Christus.


Frieden bei und mit Gott.

Damit fängt alles an

und damit hört alles auf.

Darin kann ich mich bewähren.

Vielleicht so:

Die Liebe lehrt, standhaft zu bleiben.

Standhaftigkeit lehrt, sich zu bewähren.

Die Bewährung lehrt, zu hoffen.

Dann lehrt Liebe hoffen.

Und auch wenn ich nicht leide,

kann ich es doch lernen:

Das Hoffen.

Wenn ich Liebe:

euch, wie ihr hier in diesem Gottesdienst seid.

Mich, so wie ich bin.

Die, die in Hanau trauern.

Die, die Angst haben, damit sie diese Angst

nicht mit Gewalt gegen Unschuldige wenden.

Die, die an Grenzen mit Gummigeschossen

und Rauchgranaten zurückgedrängt werden,

oder auf dem Wasser um ihr Überleben kämpfen,

oder auf griechischen Inseln in unwürdigen

Umständen hausen müssen.

Diese Liebe wird mir einiges an

Standhaftigkeit abverlangen,

so dass ich mich bewähren muss,

um das Hoffen zu lernen.


Alles beginnt und endet mit dem

Frieden mit Gott.


Frieden mit Gott und ich lerne Frieden mit mir selbst.

Frieden mit mir selbst und ich lerne Frieden zwischen Menschen.

Und so wird vielleicht Frieden im Haus.

Frieden in den Städten.

Frieden im Land.

Frieden zwischen Völkern.

Frieden in der Welt.


Darauf will ich hoffen.

Und ich wünsche mir,

dass die Liebe mich diese Hoffnung lehrt.


Es beginnt und endet mit dem

Frieden mit Gott.


Dazu ermutige uns die Liebe Gottes, damit der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir verstehen können, mit uns ist und bei uns allen bleibe. Amen.



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Epheserbrief, Kapitel 3, Verse 1-7


Predigt zum Gottesdienst am Epiphaniastag, 
den 6. Januar 2020, 
mit Wiederholung des Krippenspiels.

Gnade sei mit euch, und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Predigttext: Epheserbrief, Kapitel 3 (1-7 in Auswahl)
3 Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden,
5 Dies war in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist;
6 nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium,
7 dessen Diener ich geworden bin durch die Gabe der Gnade Gottes, die mir nach seiner mächtigen Kraft gegeben wurde.



Es war ein Geheimnis.
Geheimnisvoll.
Undurchsichtig.
Nur wenigen bekannt.
Aber auch für diejenigen,
die davon wussten,
nicht zu verstehen.
Ein Geheimnis eben.

Und ihnen ging ein Licht auf.
Den Weisen.
In fernen Ländern.
Alle von weit her.
Vielleicht sogar aus allen
damals bekannten Teilen dieser Welt.
Kam der reiche Melchior aus Europa nach Bethlehem?
Der medizinkundige Caspar aus Afrika?
Der Priester Balthasar aus Ost-Asien?
Kannten sie sich?
Trafen sie sich erst bei Herodes?
Oder am Stall?
Wer weiß.
Legenden gibt es viele,
die sich um den Stern ranken.
Das Licht.
Es bleibt ein Geheimnis.
Aber sicher ist:
Ihnen ging ein Licht auf.
Den Weisen.
Und sie machten sich auf den Weg.
Eine weite Reise in das Land der Verheißung,
von der sie wussten,
und sie hofften, dass diese Verheißung
vielleicht auch ihnen gelten könnte.
Den Weisen aus fernen Ländern.
Die dort, in Israel, auch in Bethlehem,
nur Heiden genannt wurden.
Und...
10 Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut 11 und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.
(Matthäusevangelium, Kapitel 2)

Was da geschehen ist?

Geheimnisvoll.
Undurchsichtig.
Nur denen bekannt,
die dabei waren.
Aber auch für diejenigen,
nicht zu verstehen.
Ein Geheimnis.

Kann es sein, dass sie,
als sie wieder gingen,
die Weisen,
über die Tür des Hauses schrieben:
AD * C+M+B + 0
Anno Domini, Capsar und Melchior und Balthasar, 0.
Capar, Melchior und Balthasar waren hier, im Jahre des Herrn 0?
Kann das sein?
Auch ein Geheimnis?

Auf jeden Fall aber,
ging ihm ein Licht auf.
Ihm, Matthäus.
Dem Schreiber.
Möglicherweise aus dem heutigen Syrien.
Mitglied einer noch jungen Gemeinde.
Einer Gemeinde mit wenigen Juden,
aber vielen sogenannten Heiden.
Sie wissen von Jesus.
Sie glauben. Auch Matthäus.
Die Besonderheit der Geburt Jesu ist ihm bekannt.
Er kennt auch die Verheißung.
Und er hofft,
dass diese Verheißung vielleicht auch
seinen Geschwistern gelten könnte:
den Heiden aus dem Nachbarland der Verheißung.
Der Gemeinde in Syrien.
Bei seiner Recherche leuchtet eine Erzählung
hell wie ein Stern.
Drei weise Männer sollen aus fernen Landen
schon zur Geburt des Herrn erschienen sein.
Am Erscheinungstag. Epiphanias.
Und ihm geht ein Licht auf.

Noch Geheimnisvoll.
Noch Undurchsichtig.
Immer noch nur wenigen bekannt.
Auch für ihn,
der davon wusste,
noch nicht ganz zu verstehen.
Ein Geheimnis.

Drei Heiden am Ort der Geburt des Herrn.
Ein Fingerzeig?
Grund zur Hoffnung
auch für die Heiden?

Kann es sein, dass Matthäus,
als er die Geschichte der Weisen
in sein Evangelium aufnahm,
voller Freude darüber,
über die Tür des Hauses
der Gemeinde in Syrien schrieb:
AD * C+M+B + 80
Caspar, Melchior und Balthasar
sie stehen auch für euch,
meine Geschwister, im Jahre des Herrn 80?
Kann das sein?

Auf jeden Fall aber,
ging ihm ein Licht auf.
Ihm, dem Paulusschüler.
Dem Autor des Briefes an die Epheser.
Das Geheimnis wurde offenbar.
Offenbar, wie es nie zuvor offenbar war.
Er versteht, was noch nicht zu verstehen war.

Die Weisen wurden hocherfreut,
als sie den Stern sahen.
Geheimnisvoll.
Matthäus' Hoffnung wallte auf,
als er von den Weisen hörte.
Noch undurchsichtig.
Aber Paulus weiß nun,
und seine Schüler mit ihm,
was die vorherigen noch nicht wussten:
6 nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium,

Es war ein Geheimnis.
Jetzt ist es das nicht mehr.
Durchsichtig ist,
was undurchsichtig war.
Nur wenigen bekannt.
Aber jetzt von allen gewusst,
auch wenn es dennoch
nicht ganz zu verstehen ist.

Gott kommt in diese Welt,
für alle Menschen.
Für Kleine und Große,
Arme und Reiche,
Hohe und Tiefe,
Nahe und Ferne,

für Eltern und Kinder
und Hirten und Weise
und Wirte und Steuereintreiber.
Für alle.
----------

Kann es sein,
dass,
als die Weisen den Stall verließen,
sich einer der drei umdrehte,
ein Stück Kalkstein nahm,
und über die Tür schrieb:
C+M+B
Nicht die Initialen der Weisen.
Nicht Caspar, Melchior und Balthasar.
Nein.
Latein.
Christus mansionem benedicat.
Christus, der Gesalbte, hat dieses Haus gesegnet.

Weil es ein Geheimnis war.
Weil es kein Geheimnis mehr ist.
„Die Finsternis vergeht
und das wahre Licht scheint schon.“
(1. Joh 2,8b)
Wie der Stern über dem Stall.
Und es möchte scheinen,
in allen Häusern
und allen Menschen
und allen Herzen.
Auch in deinem.

Uns ist ein Licht aufgegangen.
Auch dir.

Und der Friede Gottes, der höher ist als wir verstehen können, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


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Markusevangelium, Kaiptel 9, Vers 24


Predigt zum Neujahrstag 2020 
beim Festgottesdienst zur Vereinigung der Kirchgemeinde 
Hainichen-Bockendorf-Langenstriegis

Jahreslosung: "Ich glaube, hilf meinem Unglauben!" (Markusevangelium 9, 24)

Wochenspruch: "Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit." (Hebräerbrief 13, 8)


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Schrödingers Katze.
Die kennen Sie vielleicht.
Erwin Schrödingers Katze ist tot und gleichzeitig lebendig.
Paradox.
Aber so ist es.
Weil niemand sagen kann,
ob sie nur eines von beidem ist,
solange nicht nachgeschaut wurde.
Es ist ein Gedankenexperiment.
Die Katze ist in einer Kiste.
Die Kiste ist zu.
Mit der Katze in der Kiste ist Giftgas,
das durch einen bestimmten Mechanismus ausgelöst wird.
Sobald die Katze nun in der Kiste eingeschlossen ist,
beginnt der Mechanismus zu arbeiten
und irgendwann wird das Gas austreten.
Irgendwann, wird die Katze tot sein.
Aber ein Restzweifel bleibt.
In dem Moment, wo das Experiment beginnt,
ist die Katze gleichzeitig
tot und lebendig.
Ist sie nun tot oder doch noch am Leben?
Ein Restzweifel bleibt.
Beides ist möglich.
Bis jemand die Kiste öffnen wird,
besteht an beidem Zweifel.
Die Katze ist beides.

Bei den Vorbereitungen des Gottesdienstes,
dachten wir kurz darüber nach,
ob wir Friedrich in eine Torte packen,
aus der er dann gesprungen kommt.
Irgendwann im Gottesdienst,
als Stellvertreter des heutigen Bräutigams quasi.
Oder der Braut, wie auch immer.
Wir haben uns dagegen entschieden.
Aber auch da:
solange die Torte unberührt ist,
bleibt ein Restzweifel:
ist er drin, oder nicht,
der Friedrich in der Torte?

Wenn ich das Kommende vor Augen habe,
wenn etwas neues beginnt,
am Anfang von Neuanfängen,
da schleicht er immer mit umher:
der Zweifel.
Und wenn auch nur der leise.
Der Restzweifel.
Der bleibt.

Vergewisserung könnte helfen.
Wie wenn sich zwei trauen,
und sich das Ja Wort geben,
und dann ein Leben miteinander verbringen wollen,
dann reicht das eine Ja nicht,
dann müssen wir uns gegenseitig vergewissern:
Ich liebe dich. Immer noch.
Liebst du mich, immer noch?
Ich muss dich fragen.
Du musst es mir sagen,
wie es dir mit uns geht.
Weil du wie eine Kiste bist,
in die ich nicht hineinschauen kann.
Weil unsere Zukunft nicht einsehbar ist.
Es kann hier enden oder weitergehen,
oder anders werden.
Alles gleichzeitig.
In diesem Moment,
bis du sagst:
Ich liebe dich.
Hoffentlich.
Wir müssen beide wollen,
auch wenn ich vielleicht nicht sicher sein kann.

Wenn ich das Kommende vor Augen habe,
wenn etwas neues beginnt,
am Anfang von Neuanfängen,
da schleicht er immer mit umher:
der Zweifel.
Und wenn auch nur der leise.
Der Restzweifel.
Der bleibt.

Wie bei einem Vater mit seinem kranken Sohn.
Er hat ihn zu Jesus gebracht.
Der soll helfen können.
Sagt man.
Aber kann er auch?
„Wenn du etwas kannst“,
sagt der Vater zu Jesus.
„Wenn du kannst“,
erwidert Jesus.
„Alle Dinge sind möglich, dem der glaubt.“
Da ist kein Restzweifel bei Jesus.
„Alle Dinge sind möglich, dem der glaubt.“
Und ich fühle, wie der Vater zittert,
schmerzen in der Seele,
wie der Sohn am ganzen Leib,
als müsste er das und noch vieles mehr
herausschreien,
mehr hat er nicht zu geben:
Glauben ja, aber ein Restzweifel bleibt,
denn die Krankheit meines Sohnes
währt schon so lange,
sie ist so hartnäckig
und keiner konnte ihr bisher etwas entgegensetzen.
„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“
ruft der Vater.
Das lässt sich Jesus nicht zweimal sagen.
Es ist, als träte er in die Lücke hinein,
in den Graben des Zweifels,
in den Spalt des Restzweifels,
tritt Jesus und beendet das Beben,
die Krankheit, die mich hin und her reißt,
das, was mich manchmal noch zu Fall bringt,
stumm, wie der Junge, aber mächtig,
wie die Gewalten von Feuer und Wasser.
„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“
ruft der Vater.
Wie bei Petrus auf dem See,
als der Zweifel kam, mit dem Sturm und den Wellen,
„Herr, hilf mir!“,
rief der ertrinkende Petrus,
gelähmt von seiner Angst,
und die Hand Jesu
schnellte hervor und ergriff ihn
und zeitgleich musste sich Petrus die Frage gefallen lassen:
„Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“
Tja, warum?
Weil ein Restzweifel bleibt.
Weil ich nicht in die Kiste schauen kann,
um zu wissen, wie es Schrödingers Katze geht.
Weil ich nicht genau wissen kann, was kommt,
wenn etwas neues beginnt.
Weil ich zwar glaube,
aber nicht weiß.

Ich glaube,
dass Gott ein anderes Wort für
Immerda ist,
dass viele zusammen und auch einzelne
wie Engel sein können,
dass der Himmel genau hier beginnt,
dass Zitroneneis manchmal auch eine Lösung ist,
dass hundert Zweifel heiliger sind,
als ein Schulterzucken,
ich glaube,
hilf meinem Unglauben!

Wie Paulus,
der nicht wissen konnte,
was aus der guten Nachricht wird,
die er in alle Welt trug.
Wie Dietrich Bonhoeffer,
der nicht wissen konnte,
was das neue Jahr bringt
und ob er es überhaupt noch erleben würde,
und der dennoch schreibt:
von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag,
Gott ist mit uns,
am Abend und am Morgen und ganz gewiss,
an jedem neuen Tag.
Ganz gewiss.
Ich glaube,
hilf meinem Unglauben!

Und ein Kind wird geheilt,
von einer schweren Krankheit.
Petrus gelangt aus dem Wasser
in das sichere Boot zurück;
der Sturm legt sich.
Und die gute Nachricht von Jesus
geht seit Paulus um die ganze Welt.
Und ein Gebet Dietrich Bonhoeffers,
das seiner Familie damals Mut machen sollte,
ermutigt seither Generationen:
Gott ist mit uns,
am Abend und am Morgen und ganz gewiss,
an jedem neuen Tag.
Ganz gewiss.
Und dennoch bleibt ein Restzweifel.
Weil ich nicht in die Kiste schauen kann,
um nachzusehen, wie es der Katze geht.

Ich weiß nicht,
was dieses neue Jahr bringen wird;
ich weiß nicht,
was die neuen Strukturen für unsere Gemeinden bedeuten;
ich weiß nicht,
ob wir als vereinigte Kirchgemeinden
immer gut miteinander auskommen werden,
ob es nicht auch hohe Emotionen geben wird,
wie das nunmal ist, wenn sich Menschen zusammentun,
um miteinander zu leben;

Aber ich glaube,
dass Gott ein anderes Wort für
Immerda ist;
dass viele zusammen und einzelne
wie Engel sein können;
dass der Himmel genau hier beginnt;
dass wir manchmal auch ein
Zitroneneis miteinander brauchen werden;
dass hundert Zweifel heiliger sind
als ein Schulterzucken;
ich glaube,
hilf meinem Unglauben.

Und dort tritt Jesus hinein.
Mitten in den Restzweifel,
stellt er sich und steht fest.
Es ist, als träte er in die Lücke hinein,
in den Graben des Zweifels,
in den Spalt des Restzweifels,
tritt Jesus und beendet das Beben,
die Krankheit, die mich hin und her reißt,
das, was mich manchmal noch zu Fall bringt,
stumm, wie der Junge, aber mächtig,
wie die Gewalten von Feuer und Wasser.
Und die Hand Jesu schnellt hervor,
ergreift mich,
der Sturm wird still,
das Wasser auch.
Nur das Feuer in mir,
das lodert heiß.
Das ist mein Glaube.
Für alles andere,
auch für den Restzweifel,
der umherschleicht,
gibt es Vergewisserung,
wie ein „Ich liebe dich.“
zugehaucht in der Abendsonne:
Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.

Ich glaube,
dass uns das tragen wird,
egal was kommt,
in diesem Jahr,
in den Jahren nach der Vereinigung
unserer Gemeinden,
auf allen Wegen,
die wir jeder für sich oder gemeinsam gehen.
Egal, was andere sagen:
Schrödingers Katze,
die lebt.
Und gegen den Restzweifel,
ist es gut,
wenn ich sagen kann:
Ich glaube, hilf meinem Unglauben!


Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



Predigtlied:
EG 262, 1.5-7 ("Sonne der Gerechtigkeit")


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Römerbrief, Kapitel 12, Verse 17-21


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Predigttext

17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.
18 Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«
20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).
21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Herr, schenke uns ein Herz für dein Wort und ein Wort für unser Herz. Amen.



Vor zwölf Jahren, damals mitten im Studium,
habe ich zum ersten Mal über diesen Text gepredigt.
Es war meine erste bewertete Predigt.
Sie handelte von einem nicht ganz so bekannten
Märchen der Gebrüder Grimm:
vom blauen Licht...

Das hier (blaue Kerze hochhalten) ist ein blaues Licht. 
Es leuchtet wenig, aber es leuchtet – und zwar blau. 
Ich erzähle Ihnen, was es mit diesem blauen Licht auf sich hat:
Ein königlicher Soldat, im Krieg verwundet, 
vom König nicht weiter bezahlt und weggeschickt, 
wohnt bei einer alten Hexe im Wald und arbeitet für sie. 
Nach drei Tagen trägt sie ihm auf, 
aus einem ausgetrockneten Brunnen 
ihr blaues Licht zu holen, 
das ihr dort hineingefallen ist. 
Der Soldat steigt hinunter, in den Brunnen,
und holt das blaue Licht.
Als die Hexe ihn langsam wieder heraufzieht, 
verlangt sie, dass er ihr das blaue Licht gebe,
noch eher er oben ist. 
Er merkt, dass sie nicht vorzuhaben scheint, 
ihn wieder aus dem Brunnen zu ziehen 
und verweigert ihr das blaue Licht. 
Da lässt sie ihn in den Brunnen zurückfallen und geht. 
So sitzt er nun im Matsch, das blaue Licht in der Hand. 
In seiner Manteltasche findet er noch 
eine halbgestopfte Pfeife 
und entzündet sie mit dem blauen Licht. 
Als er so im Pfeifendunst sitzend über sein Ende nachdenkt, 
steht plötzlich ein kleines Männlein neben ihm und spricht: 
„Herr, was soll ich für euch tun? Ich tue alles was ihr wollt.“ 
Da geht dem Soldaten vieles durch den Sinn.
Also befiehlt er dem Männlein, 
dass es ihn aus dem Brunnen herausholen 
und die Hexe bestrafen soll. 
Das Männlein tut, wie ihm befohlen wurde.
Nun gehören dem Soldaten alle Schätze, 
die die Hexe angesammelt hatte. 
Doch nicht genug. 
Der Soldat hat es darauf abgesehen, 
es dem König heimzuzahlen, 
der ihn ohne Lohn und Brot davongeschickt hatte. 
Er lässt das Männlein jede Nacht 
die Königstochter rauben, 
macht sie jede Nacht zu seiner Magd 
und behandelt sie übel. 
Bis der König es letztlich herausfindet. 
Die Getreuen des Königs nehmen den Soldaten gefangen 
und kerkern ihn ein. 
Bald darauf wird er zum Galgen geführt. 
Dort bittet er den König, 
noch eine letzte Pfeife rauchen zu dürfen 
und entzündet sie mit dem blauen Licht. 
Das Männlein erscheint 
und der Soldat befiehlt, 
die Getreuen des Königs niederzuschlagen.
Das Männlein tut es. 
Als der König vor dem Soldaten niederkniet,
gehört dem Soldaten das ganze Reich des Königs
und die Königstochter noch dazu.

Soweit die Geschichte des blauen Lichtes. 
So habe ich sie vor zwölf Jahren schon erzählt.
Und dann habe ich gefragt:

Wünschten Sie sich manchmal auch ein solches Männlein?
Manchmal wäre es schon nicht schlecht, 
wenn es jemanden gäbe, 
der sich um all das kümmert, 
was mir zu unrecht widerfahren ist. 
Einer, der Vergeltung übt. 
Einer, der das, was mir geschehen ist zurückzahlt. 
Einer, der mir sogar zu Geld und zu Geltung verhilft. 

Schließlich wurde der Soldat ja um seine Ehre gebracht. 
Und um seinen Lohn noch obendrein.
Er hatte dem König treu gedient 
und als er verwundet war, 
schickte ihn der König einfach weg. 
Er hatte der Hexe geholfen 
und sie will ihn zum Dank dafür 
im Brunnen verenden lassen. 
Also ist es das gute Recht des Soldaten, 
denen, die ihm seine Treue mit Undank vergolten haben, 
ihren Undank heimzuzahlen.

Wissen sie, was mich an der Geschichte des blauen Lichtes stört? 
Es ist das blaue Licht. 
Seine kalte Farbe. 
Die Wärme, sie fehlt. 
Wärme und Nähe sind aber etwas, 
was mich als Mensch bestimmt. 
Wärme und Nähe gehören zu meinen Beziehungen. 
Und ich brauche Beziehungen – 
ich brauche Mitmenschen, denen ich mich mitteilen kann. 
Wärme wird schließlich nicht nur physisch erfahrbar, 
indem sich zwei Menschen räumlich nahe sind, 
sondern Wärme erfahre ich auch durch gute Worte, 
die mir das Herz erwärmen. 
Der Soldat im Märchen war allein. 
Er dachte nur daran sich zu rächen – 
es allen heimzuzahlen – 
bekam die Gelegenheit und packte sie beim Schopfe. 
Die Hexe, der das blaue Licht vorher gehörte, 
war auch allein 
und sie handelte nicht anders als der Soldat.

Kälte – das symbolisiert dieses blaue Licht für mich. 
Ich denke an mich, bin auf meinen Vorteil bedacht 
und werde kalt gegenüber anderen.
Das erzählt das Märchen mir. 

Vor zwölf Jahren habe ich dann,
im zweiten Teil der Predigt,
versucht zu beschreiben,
wie sich mein Zorn, 
der so oft zwischen uns Menschen
blau aufleuchtet und Kälte verbreitet,
vom Zorn Gottes unterscheiden könnte.
Denn das ist es ja, was Paulus sagt:
19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

Wie damals, in dieser alten Predigt,
frage ich mich heute noch:
Was ist Zorn Gottes?
Wissen Sie's?
Ich weiß es nicht.
Aber ich kann es mir ausmalen.
Heute soll die Predigt anders enden,
als noch vor 12 Jahren.
Ich will versuchen, 
das Märchen zu verändern.
Was wäre, wenn es nicht das Märchen
vom blauen Licht,
sondern vom Zorn Gottes wäre?

So sitzt er nun im Matsch, der Soldat.
Das blaue Licht in der Hand.
Er lässt es los.
Es leuchtet kalt in dieser Enge.
Als er so im Brunnen sitzend 
über sein Ende nachdenkt, 
blickt er hinauf,
aus dem Brunnen in den Himmel,
die Sonne strahlt hell und warm
durch den Schacht.
Sie kitzelt ihm auf der Nase.
Wie er blinzelnd nach oben sieht,
erahnt er eine Gestalt am 
Brunnenrand.
„Hallo, wer ist da?“ ruft er.
Ein Seil fällt herab und hängt.
Die Gestalt ist weg.
Er klettert hinauf.
Niemand ist zu sehen.
Neben dem Brunnen lodert 
ein kleines Feuer.
Ein Busch brennt, 
doch er verbrennt nicht.
Der Busch steht in Flammen,
doch die Flammen verzehren ihn nicht.
Der Soldat nähert sich, zaghaft.
In  seiner Manteltasche findet er noch
eine halbgestopfte Pfeife.
Er holt sie heraus,
setzt sich neben den brennenden Busch 
und zündet seine Pfeife daran an.
Wie er im Pfeifendunst sitzt
und sinnt,
beginnt der Busch zu sprechen:
„21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, 
sondern überwinde das Böse mit Gutem.“
sagt die Stimme aus dem brennenden Busch.
Dann erlischt das Feuer.
Der Busch steht grün und glänzend,
in der Sonne.
„Feuer das nicht verzehrt 
und trotzdem wärmt“
denkt der Soldat.
Er sieht noch einmal in den Brunnen:
unten sieht er noch den matten Schein
des blauen Lichtes.
Das hatte er in der Eile, 
das Seil zu ergreifen
und aus dem Brunnen zu steigen,
ganz vergessen.
Er kehrt dem Brunnen den Rücken
und geht davon.
In einem kleinen Dorf macht er halt.
Bei einem Bauern heuert er an.
Der Bauer hat ein schöne Tochter.
Den Rest können Sie sich denken.
Sie wird ihm lieber als
alle Königstöchter dieser Welt.
Und sie, sie hätte ihn für keinen
König und keinen Prinzen hergegeben.
Was für ein Glück.
Als der Soldat und die Bauerntochter
eine Weile miteinander gelebt hatten,
erzählt er ihr seine Geschichte.
Vom Verdruss beim König und bei der Hexe,
vom Brunnen und vom brennenden Busch.
Da muss die Bauerntochter schmunzeln.
Sie weiß schon, wem er da begegnet war,
damals, in diesem brennenden Busch,
der nicht verbrannte.
Da bäckt sie einen Kuchen,
nimmt den Soldaten bei der Hand,
und geht mit ihm zum Haus der Hexe,
nicht weit vom Brunnen.
Die Bauerntochter klopft an das Haus,
gibt dem Soldaten den Kuchen in die Hand
und tritt einen Schritt zurück.
Als die Hexe den Soldaten 
auf ihrer Schwelle erkennt, erschrickt sie.
Als er ihr den Kuchen reicht und sagt:
„Ich verzeihe dir, was du mir angetan hast.“
fällt die Hexe tot um.
Nun gehören dem Soldaten und seiner Frau
alle Schätze, die die Hexe angesammelt hatte. 
Und es war mehr als genug.
Sie bauen sich ein fürstliches Haus,
dort, wo das Haus der Hexe stand,
kaufen das Land, bis hin zum Dorf
und werden gute Herren für die Menschen
ihres kleinen Landes.
Da kommt der Soldat wieder an den Brunnen.
Er sieht hinein, um zu sehen,
ob das blaue Licht noch leuchtet.
Doch er kann nichts entdecken.
Der Brunnen ist voll frischen, klaren Wassers.
Nicht mehr vertrocknet, wie vorher.
Das blaue Licht ist aus.
(Licht löschen)

Da geschah es, dass eine Hungersnot
über das Königreich hereinkam.
Überall werden Lebensmittel knapp,
nur nicht im Land des Soldaten und seiner Frau.
Sie haben gut vorgesorgt und genug gelagert,
um viele Menschen lange ernähren zu können.
Es dauert nicht lange,
dass die Kutsche des Königs,
der inzwischen sehr alt geworden war,
vor dem Haus seines ehemaligen Soldaten hält.
Als der König den Soldaten erkennt,
fällt ihm der junge, verwundete Soldat wieder ein,
den er ohne jeden Lohn und Brot 
davon geschickt hatte.
Die Scham steigt dem König rot ins Gesicht.
Wie feurige Kohlen brennen seine
Wangen und Schläfen.
So beschämt, wagt er kaum,
dem Soldaten in die Augen zu sehen.
Leise, mit gesenktem Kopf,
sagt er: „Verzeiht!“
Da legt der Soldat dem König
die Hand auf die Schulter und spricht:
„Ja, das habe ich.
Kommt herein, lasst uns essen und trinken
und fröhlich sein
und planen, wie wir euren Ländern helfen können.“
Und sie gehen hinein,
essen und trinken,
und sind fröhlich,
wie es die Länder des Soldaten und des Königs
wurden, weil die Hungersnot vorüber war.

So stelle ich mir Zorn Gottes vor.
Nicht zornig. 
Aber trotzdem heiß lodernd
und warm.
Eine Wärme, die Menschen zusammenbringt
und nicht trennt.
Kein blaues Licht.
Gut, sie können trotzdem sagen:
„Das ist ein schönes Märchen.
Aber mehr auch nicht.“
„Das mag sein,“
will ich Ihnen antworten,
„aber jedes Märchen hat einen wahren Kern.“

17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 18 Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.


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Lukasevangelium, Kapitel 18, Verse 31-43


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Was ist da los?

Könnte jemand fragen.

Gestern und heute.

Was ist da los?


Wenn Menschen bluten und leiden und sterben

und aufstehen, wegen und gegen Gewalt und Hass.

Wenn andere hinaufziehen in die Stadt

und nicht erkennen, was geschieht.


Es hat sich wenig geändert.

Er, Jesus, hat es seinen Freunden erklärt.

Sie, die Freunde, erkannten es nicht.

Verstanden es nicht.

Konnten nicht sehen, was kommen würde.

Sie, die Freunde, waren blind,

für die Zukunft.

Wie einer, der am Wegesrand sitzt

und nichts sieht.

Menschen gehen vorüber.

Tag ein, Tag aus. Alltag.


Heute noch.


Manches wiederholt sich.

Manches hoffentlich nie wieder.


In der kommenden Woche beginnt

wieder die Zeit der Vorbereitung auf Ostern.

Die Fastenzeit.

Christen weltweit erinnern sich

an den Weg Jesu mit seinen Freunden

hinauf nach Jerusalem.

Und an den Weg Jesu, den er ohne seine

Freunde gehen musste.

Weil sie es noch nicht verstanden;

weil sie es noch nicht verstehen konnten;

weil ihm dabei niemand helfen konnte.


Gut, dass sich diese Zeit jedes Jahr wiederholt.

Gut, dass sie mich erinnert,

dass Gott in dieser Welt gelitten hat,

ehe er mit Macht das Leiden besiegte.

Manche verstehen es nicht.

Wie die Freunde Jesu,

denen er es erklärte:

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem,

und es wird alles vollendet werden,

was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.

Von mir. Über mich.

Aber sie erkannten es nicht.


Was ist da los?

Könnten die Freunde sich gefragt haben.

Gestern.

Was kommt da auf uns zu?


Lukas, der Jesus-Biograph,

berichtet diese Episode,

bevor Jesus und die Freunde

durch Jericho kommen.

Jericho, die Blume,

mitten in der Wüste.

Mit der einzigen Quelle

weit und breit.

Leben,

dort, wo sonst kein Leben wäre.

Ein Sinnbild.

Wo rundherum alles stirbt

und vergeht,

steht hier alles auf

gegen die Unerbittlichkeit

des Todes.


Was ist da los?

Könnte sich der Mann gefragt haben,

der am Wegrand saß.

Damals.

Der am Wegrand,

der hier keinen Namen hat.

Nur irgendjemand,

am Wegrand,

wie du und ich.

Menschen gehen vorüber.

Tag ein, Tag aus. Alltag.


Heute aber lauter als sonst.

Menschen rennen durcheinander,

aneinander vorbei,

als hätte sie etwas aufgescheucht.


Die Geschichten um Jesus,

verbreiteten sich in den

letzten drei Jahren wie ein Lauffeuer

im ganzen Land.

Auch durch die Wüste,

bis zur Wüstenblume Jericho.

Leute laufen durcheinander

und aneinander vorbei,

um einen Blick zu erhaschen,

um zu sehen, was es auf sich hat,

mit diesem Menschen,

von dem jeder etwas zu erzählen weiß,

um zu sehen,

vielleicht auch zu verstehen,

weshalb sie ihn Meister nennen,

und Messias und Sohn Gottes,

den, der sich selbst lieber

Menschensohn nennt.


Was ist da los?

Könnte sich der Mann am Wegrand,

der keinen Namen hat, gefragt haben.

Damals und heute.

Niemand beachtet ihn.

Wer weiß also,

was er sich gefragt hat.


Ich stelle mir vor,

wie der Tross der Bewunderung

durch die Stadt Jericho zog.

Jesus, der Kern der Sache,

umgeben von der Traube seiner Freunde,

die vielleicht nicht verstanden,

was da mit und bei ihnen geschieht,

sich aber doch sicher waren,

dass es etwas Großes sein musste;

und drumherum eine Wolke

hungriger, gieriger Menschen:

lebenshungrig,

zukunftshungrig,

vergangenheitssatt,

gegenwartsübertrüssig.


Was kümmert da einer,

der namenlos,

wie jedermann,

wie du und ich,

am Wegrand sitzt.


Aber der ruft. Laut.

Einmal.

Dann herrscht man ihn an,

dass er still sein soll.

Und er ruft,

ein zweites Mal,

ruft um sein Leben.

Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!“


Jesus kennt keine Ränder.

Auch die Unbekannten bleiben es nicht.

Jedermann gehört dazu.

Wie du und ich.

Gestern und heute.

Jesus blieb stehen

und ließ ihn zu sich kommen.

Den Blinden,

der so ist wie du und ich.


Eindrücklich,

dass Jesus nicht einfach

das offensichtliche tut.

Sondern fragt:

Was willst du, dass ich dir tun soll?“

Und der blinde Jedermann

vom Wegesrand,

er spricht aus,

was allen umher auf der Zunge liegt,

aber niemand zu bitten gewagt hatte,

die zukunftshungrigen nicht,

und die Freunde nicht,

die nicht verstanden,

die nicht erkannten.

Und der Blinde spricht:

Herr, dass ich sehen kann.“

Wie du siehst, füge ich hinzu.


Und das geschah.

Jetzt, da der Blinde sehen kann,

erkennt er...

und es dauert keinen Augenblick,

dass er ihm folgt,

ihm, Jesus, dem Sohn Davids,

dem Menschensohn.

Ein Sinnbild.


Für vieles.

Gestern und heute.

Und wenn es nur

eine Frage und eine Antwort ist,

die dieses Sinnbild mir

mit auf den Weg geben will.

Das wäre schon viel.

Was willst du, dass ich dir tun soll?“

Was ist es, das du brauchst?

Was will ich vom Leben?

Herr, dass ich sehen kann.“

Wie du siehst, Herr.

Wie du siehst, Mensch.

Wie du und du und du.

Damit ich dich sehe,

wenn ich dich ansehe.

Damit ich verstehe:

Was ist da los!?

Damit ich erkenne:

Dich.

Und die Zukunft.


Es würde weniger Täter

mit Waffen in den Händen

und weniger Opfer geben.

Weniger Menschen am Rand.

Weniger Blinde.

Das glaube ich.

Wir würden dem Menschensohn

nachfolgen

und könnten zusehen,

wie das Leben den Tod besiegt.

Immer wieder.

Wie eine Blume in der Wüste,

gepflanzt an einer ewigen Quelle.

(Wie das Leben, das aus der Taufe wachsen soll.)


Bis es aber soweit ist,

muss ich mich erinnern:

an den Blinden,

der sehen wollte,

als alle anderen noch nicht erkannten;

an den Menschensohn,

der hinaufzog nach Jerusalem,

um einen Aufstand gegen

das Leid und das Sterben anzuzetteln;

muss ich mich an die Vergangenheit erinnern,

an diese und all die anderen Vergangenheiten,

damit sie sich nicht wiederholen.


(Wie wunderbar, wenn ich dabei jemanden an meiner Seite weiß,

der zu uns, wie zu Mats spricht: „Denn ich bin der Herr, dein Gott,

der deine rechte Hand fasst

und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!“)


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



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Gottesdienste zum Ostersonntag - 12.04.2020

Gesegnete und frohe Ostern! Der Herr ist auferstanden!  Er ist wahrhaftig auferstanden!
Video-Gottesdienst aus der Marienkirchgemeinde im Striegistal


Video-Kindergottesdienst





Die Osternacht aus der Kirche in Bockendorf mit Osterlob



Hörgottesdienst




Sollten Sie eine CD von Ihrer Kirchgemeinde in Roßwein-Niederstriegis, der Marienkirchgemeinde im Striegistal, Pappendorf oder Hainichen-Bockendorf-Langenstriegis erhalten haben, finden Sie diesen Hörgottesdienst auch auf der CD.

Per Telefon können Sie den Gottesdienst natürlich ebenfalls anhören.
Das geht unter der folgenden Nummer: 0345 / 483412477

Mit dem hier nachstehenden Player können Sie den Gottesdienst auch anhören:



Und schließlich noch eine Andacht zur Osternacht:



Sonntag Lätare - 22.03.2020

Im Folgenden gibt es die Kurzpredigt im Kontext einer Andacht zum Nachhören, nur Predigttext und Kurzpredigt zum Hören und Predigttext und Kurzpredigt als reine Textversionen.
Ganz am Ende dieses Beitrages finden sich Links und Video des ersten Online-Gottesdienstes der Marienkirchgemeinde im Striegistal mit Pfarrer Jörg Matthies.


Die ganze Andacht zum Hören.  Sie folgt dem Andachtsblättchen "An(ge)dacht".

Nur Predigttext und Kurzpredigt kann man hier anhören:


Predigttext für den Sonntag Lätare - 22.03.2020
10 Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. 11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. 12 Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet …

An(ge)dacht

Da die gegenwärtige Situation angesichts des Corona-Virus uns alle miteinander zu Einschränkungen zwingt, und wir daher auch als Kirchgemeinde alle Veranstaltungen bis einschließlich den 29.03.2020 abgesagt haben, möchten wir Sie dennoch einladen, mit uns gemeinsam unseren Glauben weiter zu leben. Hier finden Sie eine mögliche Form der Andacht für Zuhause und weitere Anregungen.
Außerdem möchten wir in den nächsten Wochen an jedem Wochentag zum 18Uhr-Geläut in der Kirche in Pappendorf und zum 17Uhr-Geläut in den Kirchen in Bockendorf und Langenstriegis beten. Sie dürfen wissen, dass jemand mit dem Glockenschlag das Vaterunser beten wird und sie sind eingeladen, es mit zu beten. Dort, wo Sie gerade sind. So werden wir zwar räumlich getrennt, aber im Gebet und durch unsere Worte miteinander verbunden sein. 

Nur ein kleines Zeichen, aber ein wichtiges, dass wir zusammen gehören, auch wenn wir gerade nicht zusammen sind.

Sonntags gilt das gleiche zu den eigentlich vorgesehenen Gottesdienstze…