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Predigten 2021

Die Predigten des Jahres 2021


Klicke auf eine der Überschriften oder Bibelstellen mit Datum in der linken Spalte unter der Jahreszahl "2021", um die Predigt zu lesen. Sie wird rechts nebenstehend angezeigt.

Zu den Predigten 2020 geht es hier:   --- PREDIGTEN 2020 ---


2021

Predigt am Sonntag - 31.01.2021

Predigttext: 2. Brief des Petrus, Kapitel 1, Verse 16-19



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Predigt am Sonntag Reminiszere - 28.02.2021

Predigttext: Prophetenbuch des Jesaja, Kapitel 5, Verse 1-7




Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.



1 Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe.

2 Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte.

3 Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg!

4 Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?

5 Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde.

6 Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.

7 Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.





Wise Guys - „Nur für dich“


So sang die A-Capella-Gruppe „Wise Guys“ schon 2004:

das Liebeslied eines enttäuschten Lovers:

Nur für dich“ heißt es.


Witzig?

Vielleicht.

Aber, Liebe funktioniert so nicht:

wenn ich nur tue, was mir widerstrebt,

um meine Liebe zu zeigen;

in der Hoffnung, das es sich lohnt,

wie auch immer,

um dann enttäuscht festzustellen,

dass ich mich für einen anderen Menschen

verbiege, der nicht im gleichen Maße

bereit ist, sich zu verbiegen.

Ich bleibe frustriert zurück.

Vielleicht auch wütend.

Wie der enttäuschte Lover

im Lied der Wise Guys,

der das Lied dann verändert

und Klartext spricht.


In der Bibel gibt es auch so ein Lied.

Weniger zum Schmunzeln,

mehr zum Nachdenken.

Ernsthafter.

Eigentlich sogar ziemlich bedrohlich.


Ich stelle mir vor, wie es gesungen wurde:

Auf einem Fest vielleicht,

fröhlich und sorglos,

zu vorgerückter Stunde,

als alle schon gut gegessen und getrunken hatten.

Unter den Gästen: Jesaja, Sohn des Amoz.

Eingeladen hat ihn zwar keiner,

aber soll er doch mitfeiern,

der Hofprophet in Jerusalem;

es kommt nicht darauf an,

hier, wo von allem genug da ist.

Und dann trinken und lachen sie

und sind in Stimmung. Es wird gesungen.

Wie überall fangen die Mutigsten an,

die anderen stimmen ein.

Und auch Jesaja ist aufgestanden,

seinen Becher in der Hand:

Wohlan, ich will meinem lieben Freunde singen,

ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg.“

Alle lachen, das hört sich gut an;

solche Lieder kennen wir,

wir wollen sehen,

ob der Weinstock sprosst und seine Blüten aufgehen (…) (Hoheslied 7, 13)

Ein Weinberg ist ein Lustgarten.

Sing weiter, Jesaja, wir sind gespannt.

Und Jesaja singt weiter:


Auf fruchtbarem Hügel, da liegt mein Stück Land,

dort hackt ich den Boden mit eigener Hand,

ich mühte mich ab und las Felsbrocken auf,

baute Wachtturm und Kelter, setzte Reben darauf.

Und süße Trauben erhofft‘ ich zu Recht,

doch was dann im Herbst wuchs, war sauer und schlecht.

Jerusalems Bürger, ihr Leute von Juda,

was sagt ihr zum Weinberg, was tätet denn ihr da?

Die Trauben sind sauer, entscheidet doch ihr:

War die Pflege zu schlecht?

Liegt die Schuld denn bei mir?

Ich sage euch, Leute, das tue ich jetzt:

Weg reiß ich die Hecke, zum Schutz einst gesetzt;

und die Mauer ringsum, die reiße ich ein:

zum Weiden soll’n Schafe und Ziegen hinein!

Zertrampelnden Füßen geb ich ihn preis,

schlecht lohnte mein Weinberg mir Arbeit und Schweiß!

Ich will nicht mehr hacken, das Unkraut soll sprießen!

Der Himmel soll ihm den Regen verschließen!

Der Weinberg des Herrn seid ihr Israeliten!

Sein Lieblingsgarten, Juda, seid ihr!

Er hoffte auf Rechtsspruch und erntete Rechtsbruch,

statt Liebe und Treue nur Hilfeschreie!


So dichtet die „Gute-Nachricht-Bibel“

das Lied des Jesaja nach.

Das Lied von Jesajas Freund

und dessen Weinberg,

den sein Besitzer mit viel Liebe angelegt hat –

und trotzdem bringt er keine Früchte.

Jesajas Freund: ist Gott.

Sein Weinberg: diese Welt.

Er singt von der Enttäuschung,

die es verursacht,

dass der Weinberg trotz aller Mühe

ohne Früchte bleibt.

Eine Enttäuschung,

die so groß ist,

dass der Weinbergbesitzer

den Weinberg den Kräften der Natur

und sich selbst überlassen will

und sogar den Regen versagen will.


Das verstummt die Festgesellschaft,

für die Jesaja singt.

Da schmeckt den Zuhörenden

plötzlich der Wein nicht mehr.

Statt weiter die Becher zu heben,

stellen sie sie halbvoll ab.

Denn sie verstehen:

Das ist ein ganz bitteres Liebeslied.

Und der Liebhaber, der hier spricht,

ist Gott.

Und gemeint sind...

sie, die Bürger Jerusalems.

Und die Liebe Gottes ist offenbar gefährdet.

Sie wartet auf Antwort.

Sie will sich nicht mehr verbiegen,

wenn von den Geliebten nichts,

rein gar nichts zurückkommt.

Das Liebeslied ist zur Gerichtspredigt geraten.

Und wenn wir dieses Lied heute hören,

gilt es uns:

Es hält mir den Spiegel vor.

Es beschreibt, wie Menschen –

wie ganze Gesellschaften handeln:

Kurzsichtig, eigennützig, gedankenlos.

Und dann wird aus Rechtsspruch Rechtsbruch

und aus Gerechtigkeit Schlechtigkeit.


Und es malt ein düsteres Bild,

was wäre,

wenn Gott sich aus seinem Weinberg

zurückzöge.

Schutz und Trutz wegnähme.

Was wäre, wenn diese Welt

sich selbst überlassen bliebe,

Gott ihr wütend und enttäuscht

den Rücken kehrte?


Jesaja nimmt kein Blatt vor den Mund.

Die Welt würde zerfallen.

Nichts würde mehr wachsen,

als Dornen und Gestrüpp.

Dürre käme über uns.

Nun könnten manche sagen:

ist das nicht bereits der Fall?

Wenn ich das höre,

dann denke ich an die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes.

In unseren Orten und drumherum.

An die, die sich Sorgen machen,

darüber, was andere ihnen wegnehmen.

3-2-1-Meins!

Und was ist an den grenzen Europas?

Aber so weit weg muss ich gar nicht.

Ich denke an die,

die sich jetzt, kurz vor Monatsende,

sorgen, ob sie über die Runden kommen,

und die, die froh sind, dass morgen

schon wieder der 1. ist.

Und an die vielen irgendwo dazwischen.

An Hasskommentare im Internet,

die sich so leicht schreiben;

ich denke an das jüdische Leben

in unserem Land,

und an so viele in diesem und anderen Ländern,

die noch ganz andere,

manchmal undenkbare

und undenkbar schlimme Probleme haben.

Alle diese Menschen – wir –

müssen zusammenleben,

in unseren Orten, in diesem Land,

in der Welt, wie sie ist.


Und ich möchte antworten:

Hätte Gott längst klein bei gegeben,

sie wäre noch viel schlimmer,

die Welt, in der wir leben.



Ernüchtert höre ich aus Jesajas Worten:

Die Welt ist nicht viel anders geworden

seit damals, als Jesaja, Sohn des Amoz,

sein Lied vom Weinberg gesungen hat.

Es ist nicht so bei uns Menschen,

wie Gott es sich gedacht hat.

Es gibt Rechtsbruch statt Rechtsspruch,

Schlechtigkeit statt Gerechtigkeit,

viele faule Beeren und wenig edle Reben.


Was sollte ich noch mehr tun? fragt Gott.

Ich bin der Weinbergbesitzer.

Ich bin der große Gärtner, dem die Welt gehört.

Ich habe umgegraben, gebaut, gepflanzt,

euch in eine bewohnbare, schöne Welt gesetzt.

Es hat mich Mühe und Arbeit gekostet.

Die Welt ist meine Pflanzung, mein Herz hängt an ihr.

Die Welt sollte mein Lustgarten sein.

Was habt ihr daraus gemacht, ihr Menschen?

Wo sind die edlen Reben?

Nichts auf dieser Welt gehört doch euch allein.

Es geht durch eure Hände, kommt aber alles her von Gott.

Das singen wir oft zum Erntedankfest.

Aber wie dankbar und fest

meine ich das auch?


Vielleicht haben die Gäste des Festes,

denen Jesaja sein Lied zum Besten gegeben hatte,

damals miteinander eingestimmt,

in das Lied des Psalms 25:

Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit

und an deine Güte,

die von Ewigkeit her gewesen sind.“


In jedem Falle hat Gott genau das getan.

Sonst würden wir an diesem

2. Sonntag der Passionszeit

nicht auf Ostern blicken können.

Gott hat einen weiteren Anlauf genommen.

Ist selbst in den Weinberg gekommen.

Hat gezeigt, was gute Frucht bringen kann.

Oder wie es im Evangelium heißt: (Joh 3)

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,

dass er die Welt richte, sondern 

dass die Welt durch ihn gerettet werde.

[...]

18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet

[…]

21 Wer die Wahrheit tut, der kommt zum Licht


Gott hört nicht auf, für diese Welt,

für seinen Weinberg zu hoffen,

dass er noch besser werden kann,

dass er gute Frucht bringen kann.

Wer wären wir,

wenn wir an Gott glaubten,

uns seine Kinder nennen würden,

und nicht wenigstens ein bisschen

hoffen wollten, wie er.

Gott will die Früchte seiner Liebesmühe sehen

und Menschen, die nach seinem Willen leben.

Rechtsspruch statt Rechtsbruch,

Gerechtigkeit statt Schlechtigkeit.


Gott schmeißt auch nach

Rückschlägen und Misserfolgen

nicht einfach hin.

Wie oft hat er sich Menschen

schon mitten in Disteln und Dornen

gezeigt.

Aus einem Dornbusch erklingt seine

Stimme, die sagt:

Ich bin da!

Auch in den Unzulänglichkeiten

des Weinbergs,

der Welt.


Wer dran bleibt,

nicht hinschmeißt,

nicht enttäuscht den Rücken kehrt,

und weiterliest,

wird im Buch des Jesaja

in Kapitel 27 schließlich fündig.

Dort sagt der Herr: (Jes 27, 2ff)

Ich habe einen wundervollen Weinberg;

singt alle, singt ein Lied zu seinem Ruhm!

Ich selber bin sein Wächter, ich,

der Herr, und alle Augenblicke tränk ich ihn.

Bei Tag und Nacht bewache ich den Weinberg,

damit ihm nichts und niemand schaden kann.

Ich bin nicht mehr zornig auf ihn.

Wenn Dornen und Disteln darin wuchern,

sage ich ihnen den Kampf an und verbrenne sie.

So geht es allen, die Schaden anrichten.

Es sei denn, sie suchen meinen Schutz

und schließen Frieden, Frieden mit mir.“


Die Welt wäre arg dran ohne Gott,

ob das jemand glauben kann oder nicht.

Aber Gott lässt sich an seine

Barmherzigkeit erinnern

und bleibt.

Ich bin da.

Das ist sein Name.

Von seiner Leidenschaft

möchte ich angesteckt sein.

Für die Liebe.

Für das Leben.


Und der Friede Gottes, der größer und mehr ist, als wir verstehen können, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



[Mit Dank an die Ideen von: Ulrich Menzel, FB-Predigtkultur, 25.02.2021; Kathrin Oxen, FB-Predigtkultur, 24.02.2021]



Pred.lied: EG 96, 1-4 (Du schöner Lebensbaum des Paradieses)


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Predigt am Sonntag Estomihi - 14.02.2021

Predigttext: Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 58, Verse 1-9a


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.



1 Ruf, so laut du kannst, halt dich nicht zurück! Lass deine Stimme erschallen wie ein Widderhorn! Halt meinem Volk seine Verbrechen vor, den Nachkommen Jakobs ihre Vergehen.

2 Sie befragen mich Tag für Tag und wollen wissen, was mein Wille ist. Als wären sie ein Volk, das Gerechtigkeit übt und das Recht seines Gottes nicht missachtet! Sie fordern von mir gerechte Entscheidungen und wollen, dass ich ihnen nahe bin.

3 Und dann fragen sie mich: Warum achtest du nicht darauf, wenn wir fasten? Warum bemerkst du nicht, wie wir uns quälen? Ich antworte: Was tut ihr denn an den Fastentagen? Ihr geht euren Geschäften nach und treibt eure Untergebenen zur Arbeit an!

4 Ihr fastet nur, um Zank und Streit anzuzetteln und mit roher Gewalt zuzuschlagen. So wie ihr jetzt fastet, findet eure Stimme im Himmel kein Gehör.

5 Meint ihr, dass ich ein solches Fasten liebe? Wenn Menschen sich quälen, den Kopf hängen lassen wie umgeknicktes Schilf und in Sack und Asche gehen? Nennst du das Fasten, einen Tag, der dem Herrn gefällt?

6 Das wäre ein Fasten, wie ich es liebe: Löst die Fesseln der zu Unrecht Gefangenen, bindet ihr drückendes Joch los! Lasst die Misshandelten frei und macht jeder Unterdrückung ein Ende!

7 Teil dein Brot mit dem Hungrigen, nimm die Armen und Obdachlosen ins Haus auf. Wenn du einen nackt siehst, bekleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Nächsten!

8 Dann bricht dein Licht hervor wie die Morgenröte, und deine Heilung schreitet schnell voran. Deine Gerechtigkeit zieht vor dir her, und die  Herrlichkeit  des  Herrn  folgt dir nach.

9 Dann antwortet der Herr, wenn du rufst. Wenn du um Hilfe schreist, sagt er: Ich bin für dich da!

[BasisBibel]

Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.



Wir Kinder aus Bullerbü“

Lisa ist 7 Jahre alt und lebt in dem kleinen Dorf Bullerbü in Smaland auf dem Mittelhof mit ihren Brüdern Lasse und Bosse.

Wenn alle Kinder aus dem Dorf nicht gerade etwas zusammen unternehmen, spielt Lisa am liebsten mit ihrer besten Freundin Inga. Sie ist auch 7 Jahre alt und lebt auf dem Nordhof mit ihrer Schwester Britta und dem Großvater.

Lisa erzählt die Geschichte der Kinder aus Bullerbü von Astrid Lindgren aus der Ich-Perspektive. Zum Beispiel so:

Als wir im Herbst wieder mit der Schule angefangen hatten, sagte die Lehrerin eines Tages, wir sollten uns immer bemühen, andere Menschen glücklich zu machen. Niemals aber sollte man etwas tun, wovon Menschen unglücklich werden könnten.“

Lisa und ihre Freundin Inga sind gleich hochmotiviert. Sie wollen sofort loslegen, stellen dann aber fest:

Das Schlimme ist, wir wissen nicht genau, wie wir es anstellen sollen.“

Also versuchen es Lisa und Inga einfach den ganzen Tag lang mit Sachen, von denen die beiden glauben, sie könnten Menschen glücklich machen.

Den gebrechlichen Großvater nötigen sie zum Spaziergang.

Aber glücklich ist der erst, als er danach endlich wieder friedlich im Bett liegen darf. Das Hausmädchen ist froh, wenn die Kinder aus dem Weg sind.

Auch die Mutter will sich nicht helfen lassen.

Was Astrid Lindgren da im Kinderbuch beschreibt, ist eine große Lektion fürs Leben: Gute Ideen führen manchmal genau zum Gegenteil.

Und im Nachhinein meint man, man hätte es besser gar nicht erst versucht.

Lisa und Inga geben erstmal auf.

Alles, was sie ausprobieren, geht schief.

Dabei fing doch alles mit einer wirklich guten Idee an

und die beiden Mädchen haben sich so angestrengt.



Ähnlich könnte es den Menschen zur Zeit des Propheten Jesaja gegangen sein.

Für die Menschen seiner Zeit

ist er das Sprachrohr Gottes.

Der, der verkündet,

was Gott sagt.

Und deshalb muss er sich nun

auch die Kritik an Gott anhören,

das was den Leuten gegen den

Strich geht.

Das könnte damals so oder so ähnlich

geklungen haben:

Wir beten immer zu und fasten,

wie Gott es ja will,

und trotzdem lässt er nichts von sich hören.

Was sollen wir denn noch tun,

damit Gott sich endlich an unsere Seite stellt?

So langsam kann man glauben,

dass das mit der Religion und Gott

und dem Glauben sowieso alles umsonst ist.

Vielleicht lebt man gleich besser ohne?!“


Glaube bringt nichts,

weil man deswegen auch kein besseres Leben hat,

das meinen letztlich heute noch, oder wieder, viele.

Auch gläubige Menschen werden krank,

todkrank sogar.

Auch Christen werden von Unfällen

und Schicksalsschlägen getroffen –

ebenso wie anderen Menschen.

Wer betet und auf Gott vertraut,

wird nicht automatisch zu einem zufriedeneren,

glücklicheren Menschen.

Das ist sicher ein Grund,

warum viele Menschen sagen,

dass sie Kirche und Religion nicht

oder nicht mehr –

brauchen.

Und auch, wer dabei bleibt,

so wie wir hier,

kommt immer wieder an

Punkte im Leben,

in denen die Fragen übergroß

und laut werden:

Hat das wirklich alles einen Sinn?

Was soll das ganze Aushalten,

die Geduld und die Tränen?

Spielt es denn eine Rolle,

was ich tue und wie ich lebe?“


Lisa und Inga aus Bullerbü hätten nach ihren ersten, gescheiterten Versuchen einfach ganz aufgeben und hinschmeißen können.

Aber sie lassen sich nicht völlig entmutigen, sondern fragen noch einmal genauer bei der Lehrerin nach.

Die weiß Rat und sagt: Es sei oft wenig dazu nötig.

Man könne einem alten Menschen, der einsam und krank sei, ein Lied vorsingen, oder einem, der niemals Blumen bekäme, einen schönen Strauß bringen,

oder mit jemandem, der sich einsam und verlassen fühlt, freundlich sprechen.

Die beiden Mädchen besuchen also eine kranke Frau

und sie singen so lange, bis diese aus Bett und Haus in den Garten flüchtet.

Sie pflücken einen großen Strauß Heidekraut für den Knecht

und finden die Blumen später auf dem Misthaufen wieder.

Niemand will etwas von ihren unerwünschten Wohltaten wissen.

Und so beschließen die beiden letztlich sehr enttäuscht:

Jetzt ist endgültig Schluss!

Ich will keinen Menschen mehr glücklich machen!“

Am Ende geben Lisa und Inga auf.

So, wie viele Menschen,

die vom Leben zu oft enttäuscht wurden

und keine Kraft mehr haben.

Viele kennen das:

von sich selbst

oder von anderen,

die aus ihrem Leben erzählen:

Wenn nichts zurückkommt,

dann stellt sich die Frage nach dem Sinn.

Wozu? Warum?

Wofür tue ich, was ich tue,

wenn nichts, rein gar nichts

zurückkommt?

Auch von Gott nicht.

Zumindest beklagen das ja

die Zeitgenossen Jesajas,

die sich beim Fasten redlich mühen.

Zumindest denken sie das von sich.


Aber:

Schlimm genug,

wenn sich das im echten Leben

hin und wieder so anfühlt.

Noch schlimmer,

wenn ein Kinderbuch

zu diesem Schluss kommt.

Doch es ist,

Gott sei Dank,

nicht das Ende der Geschichte,

die Astrid Lindgren hier

von den Kindern aus Bullerbü

erzählt.


Ich will keinen Menschen mehr glücklich machen!“,

sagen Lisa und Inga frustriert.

Und während sie mit etwas anderem weitermachen, tun sie es dann doch.

Als sie erfahren, dass eine Klassenkameradin für lange Zeit krank ist,

schenkt die eine ihre schönste Puppe und die andere ihr Lieblingsbuch her.

Ohne dass sie es erwartet haben, passiert,

was sie vorher so verbissen herbeiführen wollten.

Und ganz überrascht lernen sie:

Dankbarkeit lässt sich nicht erzwingen

und Freude und Liebe schon gar nicht.


Gott lässt es Jesaja den Leuten erklären.

Jesaja ist ein bisschen wie die Lehrerin

von Lisa und Inga.

Und Gott lässt es Jesaja

sogar schreien,

damit alle es hören:

Ruf so laut du kannst,

halt dich nicht zurück!

Wie ihr versucht,

mich herbeizuzwingen,

gefällt mir nicht.

Vergesst, löst die Fesseln.

Das würde mir gefallen.

Freiheit und Achtsamkeit,

Bereitschaft zum Teilen

und Gemeinschaft.

Das würde mir gefallen.

Du würdest sehen,

wie es in der Welt leuchtet

und meine Herrlichkeit wird folgen.

Du wirst merken:

Ich bin da.

Du wirst merken:

Ich bin da.


Mitten in der neuen Woche

beginnt die Fastenzeit.

Ich kann von Jesaja

und Lisa und Inga lernen,

dass mein eigenes Fasten

nichts ist, das mir hilft,

meinen Gott gnädig zu stimmen,

oder ihn veranlasst,

dies oder das zu tun;

es ist anders herum:

ich faste dies oder das,

um mich selbst einzustimmen

und offen zu werden

für Gott,

und für das,

was in den Ostertagen für mich geschehen ist.


Gott lässt sich nicht von uns verbiegen

oder gar erpressen.

Er meldet sich bei uns,

nicht wenn wir, sondern wenn er will.

Und in der Zwischenzeit

erträgt er uns und unsere Blumensträuße mit Geduld

zum Glück ohne sich dabei gleich in die Flucht treiben zu lassen.

Denn, auch wenn wir es nicht merken,

gilt trotzdem Gottes Zusage:

Ich bin da.

Bis wir es merken und für immer.

Amen.

[Mit Dank an und in großen Teilen von: Katharina Seeburg, am 12.02.2021, FB-Predigtkultur]



Pred.lied: EG 418, 1-5 (Brich dem Hungrigen dein Brot)


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Predigt am Sonntag Sexagesimae - 07.02.2021

Predigttext: Lukasevangelium, Kapitel 8, Verse 4-8


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.



4 Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: 5 Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf.  6 Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. 7 Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. 8 Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er:  Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.



Es war einmal ein Sämann.

Märchenhaft mutet das Gleichnis Jesu an.

Leider gibt es dieses Bild

heute kaum mehr auf den Feldern.

Männer und Frauen mit Körben

streifen über die Äcker

und werfen Samen auf das Feld.

Aber auch wenn es heute

so nicht mehr aussieht,

das Prinzip ist gleich geblieben.

Auf die Felder müssen Samen,

damit sie Frucht bringen.



Es war einmal ein Sämann.

Der ging durch das Land.

Verteilte Samen weit und breit.

Samen der Hoffnung,

gegen Angst und Leid

und Mutlosigkeit.



Einem von Schuld gelähmten,

hat er vergeben.

Er stand auf und nahm sein Bett

und ging davon.

Für einen Blinden am

Wegesrand

hatte er Zuversicht.

Er sprang auf,

sah nach vorn

und sah.

Einen der seinen Frieden suchte

und auf Friedhöfen wütete,

begegnete er mit Zeit,

und mit der Zeit

konnte er die ganze

Schweinerei seines Lebens

loslassen.

Einen totgeglaubten,

gab er nicht auf,

und holte ihn ins Leben zurück.



Das sind aufgegangene Samen,

die der Sämann streute.

einiges [fiel] an den Weg

[dorthin, wo der blinde

Bartimäus saß] […]

anderes fiel auf Felsen

[dort, bei den Grabeshöhlen

in Gerasa und Bethanien] […]

anderes fiel mitten unter die Dornen

[dort, in Kapernaum, am Haus,

das von Leuten voll war,

als 3 Freunde einen

Gelähmten brachten] [...]

Das sind aufgegangene Samen,

die der Sämann streute.

[und es] fiel auf das gute Land;



Dieses Gleichnis ist schon so oft

ausgelegt worden.

Immer und immer wieder

auf diese eine, überkommene Weise:

Weg und Felsen und Dornen

sind Menschen,

bei denen der gute Same,

den der Sämann verteilt,

nicht aufgehen will.

Und dann gibt es die anderen,

die wie das gute Land sind,

bei denen der Same

hundertfach aufgeht

und gute Frucht bringt.



Es mag schon sein,

dass diese Auslegung

ihre Berechtigung hat.



Aber was ist,

wenn das Gleichnis

eigentlich anders gemeint ist?

Was wäre,

wenn alle Menschen

gemeint sind?

Nicht in Kategorien:

die einen wie Weg,

die anderen wie Fels,

die dritten wie Dornen,

und schließlich die,

wie gutes Land?

Oder wenn die Hindernisse,

wie die Vögel auf dem Weg,

die erstickenden Dornen,

der trockene Fels,

nicht nur Werke des Teufels wären?



Was wäre wenn du und ich und alle

gemeint wären, wie wir nunmal sind,

wie mein Herz gestrickt ist –

mein Herz, der Ackerboden Gottes,

auf den der Same seines guten Wortes

ausgestreut wird, um dort aufzugehen

und hundertfach Frucht zu bringen –

was wäre dann?

Der Same fällt

auf das wilde Feld

meines Herzens.



Auf den eingetreten Wegen,

die von Enttäuschungen

überlaufen sind;

über denen die Aasgeier

der Verbitterung kreisen,

hat es alles schwer,

Wurzeln zu schlagen.

Dort sickert kaum mehr etwas ein.

Dem blinden Bartimäus,

am Wegesrand in Jericho,

dem war das Herz womöglich voll,

voller solcher Wege der Enttäuschung.

Gute Worte blieben

nirgends haften,

wenn sie denn noch kamen.

Samen der Hoffnung gingen

nicht mehr auf.

Bis Jesus,

der immer mit der vollen Hand

die guten Samen des Wortes Gottes verteilte,

vorüberging und sprach –

da fand ein Same gutes Land

und ging auf.

Vielfach.

Vielleicht hundertfach.

Da war noch gutes Land.



Ich glaube, mit reichlich

gestreutem Samen,

wird sich gutes Land auftun,

selbst in den dunkelsten Ecken.



An den Klippen

der gebrochenen Herzen,

auf den Felsen der

harten Herzen.



[M]ancher hoffnungsvolle Keim verdorrt,

wenn er auf harte Erfahrungen des Lebens stößt.

Solche harten Erfahrungen des Lebens

mit Gott zusammen zu bringen, das ist schwer.

Manche Menschen haben ein Feldstück im Herzen

[, sind] voller Steine, kleinere[n] und große[n].

Ein steiniger Boden, dem man eine Ernte regelrecht abringen muss.

Und man kann ihnen ansehen,

wie sie ackern müssen in ihrem Herzen.

Und da, wo alles wächst und ins Kraut schießt –

da wächst einfach alles.

Die Sorgen, der Reichtum

und die Freuden des Lebens

können alles andere leicht überwuchern,

vor allem den Glauben.

Der Halm, der von Gott ist, muss sich behaupten.

[von Kathrin Oxen, FB, Predigtkultur, 04.02.2021]



Doch auch die auf Wegen lagen,

unter Felsen wohnten,

in Höhlen begraben waren,

sie haben erfahren,

dass da noch guter Boden ist.

Nicht nur bei den Menschen

in Kapernaum,

Gerasa und Bethanien,

sondern überall.

Daher haben manche von ihnen

auch keine Namen,

weil es jede und jeder sein könnte,

du und ich.



Wenn mich der gute Same

des Wortes trifft,

das von Gott kommt,

dann geht auch bei mir

längst nicht alles auf.

Manches habe ich zu oft gehört,

dass ich es jetzt und hier nicht

hören kann oder will;

anderes will ich nicht hören,

nicht jetzt und hier,

weil es eine harte Stelle trifft,

felsigen Grund meines Herzens;

und manches fällt

neben vielem anderen,

das mir ähnlich wichtig scheint,

in mein Herz –

manchmal erstickt es dann,

in der Vielfalt der Pflanzen umher,

unter denen auch Unkraut,

Disteln und Dornen wachsen.



Manchmal scheint es sogar so,

als hätte ich ein Wort

schon tausendmal gehört,

aber es ist eben nichts passiert...

Worte, Geschichten,

nur ein Satz...

doch dann auf einmal

trifft es mich an der richtigen Stelle,

es fällt auf guten Boden,

an den richtigen Ort

zur rechten Zeit,

und es geht auf,

es treibt aus

und wächst –

es treibt mich an

und wächst über mich hinaus.

Es lässt mich wieder gehen,

wenn es mir vorher schwer fiel,

beruhigt mich,

wenn ich unruhig war,

lässt mich weiter sehen,

als ich es vorher konnte,

belebt mich,

wenn ich ausgelaugt war.



Es ist nur ein Vorgeschmack der Wunder,

zu denen das Wort Gottes im Stande ist,

aber es ist ein Wunder,

wenn das geschieht:

wenn neben ausgetreten Wegen,

verhärteten Stellen

und überwucherten Flecken,

sich in meinem Herzen

guter Boden findet,

wo Hoffnung noch wachsen kann.



Der Same ist unerschöpflich,

er begegnet mir in der Bibel

genauso wie im Alltag,

und wenn ich in den Worten

der Bibel wie aus einem

Samenkorb des Sämannes schöpfe,

könnte es sein,

dass ich den Eindruck bekomme,

dieser Korb sei bodenlos.

Denn die Fülle des Wortes Gottes,

der Reichtum in ihm,

ist endlos.

Die Saat ist immer noch da.

Gott sät reichlich.

In alle Herzen.

Und in allen Herzen

gibt es guten Boden.

Manchmal braucht es nur den richtigen Ort,

den ganz bestimmten Moment,

oder es braucht eben etwas mehr Zeit.



Und er Friede Gottes, der größer ist, als wir verstehen können, bewahre unsere Herzen und Sinne in ihm, Christus Jesus. Amen.


EG 166, 4-6 (Mache mich zum guten Lande)


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Predigt am letzten Sonntag nach Epiphanias - 31.01.2021

Predigttext: 2. Brief des Petrus, Kapitel 1, Verse 16-19


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.



16 Wir haben euch ja angekündigt, dass unser Herr Jesus Christus machtvoll wiederkommen wird. Und dabei haben wir uns nicht auf ausgeklügelte, erfundene Geschichten gestützt. Sondern wir haben mit eigenen Augen seine wahre Größe gesehen. 17 Von Gott, dem Vater, empfing er seine Ehre und Herrlichkeit – aus der majestätischen Herrlichkeit Gottes kam eine Stimme zu ihm, die sagte: »Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude.« 18 Diese Stimme haben wir selbst gehört. Sie kam vom Himmel her, als wir mit Jesus auf dem heiligen Berg waren.

19 So gewinnen die prophetischen Worte für uns noch an Zuverlässigkeit. Und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet. Denn diese Worte sind wie ein Licht, das an einem finsteren Ort brennt – bis der Tag anbricht und der Morgenstern in eurem Herzen aufgeht.

Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.



Schreib es an alle Mauern

dieser Stadt,

lass es uns eingravieren,

'Wir waren hier!

Wir waren hier!'

Schrei es von allen Dächern

in die Nacht

bis unsere Stimmen kapituliern:

'Wir waren hier!

Wir waren hier!'

Und vielleicht wird man uns

in ein paar Jahren noch zitiern.

Lass sie wissen,

wir waren hier.“

[LINA, „Wir waren hier“]



Das singen LINA,

im Lied „Wir waren hier“,

und treffen damit ein Gefühl:

Den Wunsch,

die Sehnsucht,

einen Moment halten zu können.

Sich zitieren zu lassen,

andere wissen zu lassen,

dass ich dabei gewesen bin.

Als die Ewigkeit in die Zeit kam,

aber die Zeit viel zu schnell verging

und mit ihr der Moment,

die Momente,

als der Himmel zum greifen nah war.

Nicht der Himmel, der ist,

sondern der Himmel, der kommt,

der die Erde schon grüßt,

wenn die Liebe das Leben verändert.

[zum 100. Geburtstag von Kurt Marti, EG 153]



Die traumhafte Nacht,

mit Freunden

in einer fremden Stadt.

Das Hochgefühl

der Liebe,

das festgeschrieben werden muss,

an irgendeiner Wand,

in irgendeiner Gasse.

Um der Welt zu signalisieren,

dass hier etwas wunderbares,

etwas unbeschreibliches

stattgefunden hat.

Wir waren dabei.

Wir waren hier.

Wir haben es erlebt.



Als Jesus plötzlich

in Licht gehüllt auf einem Berg stand,

als Mose und Elia neben ihm erschienen,

als er sich mit ihnen unterhielt,

als eine Stimme sagte:

Das ist mein geliebter Sohn.“

Petrus, Johannes und Jakobus

waren dabei.

Zu gern hätte Petrus

eine Inschrift hinterlassen,

hätte er Hütten gebaut

und sie Jesus und Mose

und Elia gewidmet.

Sie waren dabei:

Petrus, Johannes und Jakobus.

Aber sie konnten es

nur in ihren Worten bewahren.



Manche Worte können

Erlebtes so gut bewahren,

dass ich beim Hören

oder beim Lesen meine,

ich wäre selbst dabei gewesen.

Worte und Wirklichkeit

verschwimmen,

aber werden deshalb

nicht weniger wahr.

Sie werden wirklicher.

Sie schaffen mit jedem Wort

die Wahrheit neu,

aus der sie stammen.

Denn diese Worte sind wie ein Licht,

das an einem finsteren Ort brennt [...]



Jemand erzählt mir

aus seinem Leben,

ein Lied nimmt mich gefangen,

ein Buch oder ein Film

zieht mich hinein,

Bilder entstehen in mir

und ich gewinne den Eindruck,

dass ich es selbst miterlebt habe;

dass ich dabei gewesen bin.

Wenn es sich um

eine zuversichtliche

Geschichte handelt...

Dann sind

diese Worte wie ein Licht,

das an einem finsteren Ort brennt [...]



Wie ist das mit uns?“,

fragt Morgan Freeman

in einer Netflixproduktion

auf der Suche nach Gott

in dieser Welt:

Wie ist das mit uns[...]

können wir Gott auch

durch die Erlebnisse anderer spüren?

Auf der ganzen Welt pilgern Gläubige

zu wundersamen Orten,

wie etwa Fatima in Portugal.

Im Jahr 1917 behaupten drei junge Hirten,

die Jungfrau Maria habe ihnen gesagt,

dass am 13. Oktober hier

ein Wunder stattfinden wird.

Die Menschen kamen zusammen

und am besagten Tag gaben tausende an,

dass sie die Sonne am Himmel

haben tanzen sehen.

Viele Millionen pilgern

nach Fatima.

Für sie alle ist dieses Wunder

ein unwiderlegbarer Beweis

für Gottes Existenz.

Dort zu sein,

bestärkt sie in dem Glauben,

dass Gott dramatisch

in unsere Welt eingreifen kann.“

Soweit der Schauspieler

Morgan Freeman.



Im 2. Petrusbrief schreibt ein Christ,

der nicht Petrus ist,

Jahre nachdem Petrus lebte.

Aber er kennt die Worte

der Propheten des ersten Testaments.

Und er kennt die Worte,

die die Leute sich erzählen.

Vielleicht auch bereits die,

die Verschiedene über Jesus

zusammengetragen und aufgeschrieben haben;

bestimmt aber zumindest die,

die Paulus um die Welt gehen lässt.

Die Worte tragen ihn.

Sie leuchten ihm den Weg.

Vor allem diese Geschichte,

die von Petrus berichtet wird,

als er mit Jesus auf dem Berg war –

die hat Eindruck bei ihm hinterlassen.

Sie bestärkt ihn...

... in dem Glauben,

dass Gott dramatisch

in unsere Welt eingreifen kann.“

Nein, er hat das selbst nicht erlebt,

aber ihm ist so, als hätte er es.

17 Von Gott, dem Vater, empfing er

[Jesus] seine Ehre und Herrlichkeit 

aus der majestätischen Herrlichkeit Gottes

kam eine Stimme zu ihm, 

die sagte: »Das ist mein geliebter Sohn,

an ihm habe ich Freude.«

18 Diese Stimme haben wir selbst gehört.

Sie kam vom Himmel her,

als wir mit Jesus auf dem heiligen Berg waren.



Wir“, der Autor und seine Freunde.

Als wären sie selbst dabei gewesen.

Als hätten sie die Stimmt gehört,

die vom Himmel sprach:

»Das ist mein geliebter Sohn,

an ihm habe ich Freude.«



Und sie haben die Stimme gehört.

Spätestens bei ihrer eignen Taufe.



Damals hat Gott in die Herzen derer,

die dort waren, auf dem Berg,

in die Herzen des Petrus

und des Johannes und des Jakobus

geschrieben:

Ich war hier.“

Gekommen, um zu bleiben.“

Wie er das vorher schon

und auch danach noch

in so viele Herzen geschrieben hat:

Ich war hier.“

Ich bin hier.“

Auch dein und mein Herz

tragen dieses Graffito.

Spätestens seit der Taufe.



Petrus will diesem Moment

gern ein Denkmal bauen.

Hütten, die dem Moment

gewidmet sind.

Aber Wunder kann man

so wenig halten wie die Zeit.

Sie vergehen.

Es bleibt,

was sie hinterlassen.

Für Petrus und Johannes

und Jakobus waren es Worte,

die sie weitertrugen,

spätestens dann, als Jesus

auferstanden war und sich ihnen zeigte.

Da begann die Inschrift

in ihren Herzen zu glühen

und sie konnten gar nicht anders,

als allen davon zu berichten:

Er war hier.“

Er ist es noch.“

Gekommen, um zu bleiben.“

Gott.“



Und es drang über Jahre hinweg

an viele Ohren und

erreichte viele Herzen,

die ebenfalls begannen, zu glühen,

bis an Ohr und Herz des Autors

des 2. Petrusbriefes.

Und es schrieb ihm ein:

Ich war hier.“

Ich bleibe.“

Ich, dein Gott.“

Du bist mein geliebtes Kind.“



Heute erreichen diese Worte uns.

Darum geht es.

Denn diese Worte sind wie ein Licht,

das an einem finsteren Ort brennt



Und ich kenne diesen finsteren Ort gut.

Der manchmal so aussichtslos,

pandemisch um sich greift,

der Hoffnung frisst,

Liebe beschwert,

Licht überschattet...

Manchmal...



Doch genau deshalb,

will mich Gottes Wort

heute noch einmal erinnern,

heute, da der Weihnachtsfestkreis endet,

am letzten Sonntag nach Epiphanias –

erinnern, dass Gott

in diese Welt hinein geboren wurde,

hier gelebt hat

und immer noch lebt,

mit dir und mit mir,

in allen Dunkelheiten,

damit Licht wird...

Denn diese Worte sind wie ein Licht,

das an einem finsteren Ort brennt



Es sind nicht meine Worte.

Es sind die Worte der Schrift.

Meines Fußes Leuchte

und ein Licht auf meinem Weg.

So sagt es der Psalm 119.



Wundermomente

und Lichtstrahlen

sind schwer zu halten.

Ich kann sie nicht einfangen,

nicht festmachen,

nicht anhalten.

Aber ich kann sie

in Worten bewahren

und tragen...

weitertragen.

Sie werden zu Wundern

und zu Licht

an anderen Orten

in meinen Worten.



Denn keines dieser Worte

[der Heiligen Schrift]

wurde jemals verkündet,“

lese ich im 2. Petrusbrief weiter,

keines dieser Worte

wurde jemals verkündet,

weil ein Mensch es so gewollt hätte.

Vielmehr waren Menschen

vom Geist Gottes ergriffen

und haben in seinem Auftrag geredet.“

(2. Petr. 1, 21)



So versteht der Autor,

was er schreibt.

Und ich glaube ihm.

Übrigens ist das unter anderem

ein Grund dafür, dass wir

Krippenspiele aufführen –

um nachzuerleben,

mitzuerleben,

was damals geschehen ist,

und wir sagen könnten:

Wir sind dabei gewesen.

Gott ist in die Welt gekommen.“



Und dann weiterzusagen,

dass unser Herr Jesus Christus

machtvoll wiederkommen wird.

Auch wenn wir Zeit und Stunde

nicht kennen.

Dabei stützen wir uns nicht

auf ausgeklügelte und erfundene

Geschichten.

Sondern auf Worte wie Licht.

Denn diese Worte sind wie ein Licht,

das an einem finsteren Ort brennt –

bis der Tag anbricht ...



Möge das nicht erst der jüngste Tag sein.

An euren Herzen steht

die unaussprechliche Wahrheit geschrieben.

Schreibt es an Mauern,

schreit es von Dächern

und lasst euch zitieren,

um der Welt zu signalisieren,

dass hier etwas wunderbares,

etwas unbeschreibliches

stattgefunden hat.

Die Ewigkeit kommt in die Zeit.

Der Himmel ist zum greifen nah.

Nicht der Himmel, der ist,

sondern der Himmel, der kommt,

der die Erde schon grüßt [...]

[zum 100. Geburtstag von Kurt Marti, EG 153]

Ich bin hier.“

hat Gott dir ins Herz geschrieben.

Möge diese Wahrheit glühen

und zu Worten werden...

zu Wundern

und zu Licht

an anderen Orten

in deinen Worten.



Und er Friede Gottes, der größer ist, als wir verstehen können, bewahre unsere Herzen und Sinne in ihm, Christus Jesus. Amen.


Predigtlied: EG 346, 3-5 (Such, wer da will...)


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Predigt am 3. Sonntag nach Epiphanias - 24.01.2021

Predigttext: Buch Rut, Kapitel 1, Verse 1-19a


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.



1 Es war zu der Zeit,als Richter in Israel regierten.Wieder einmal herrschte Hunger im Land.Da verließ ein Mann die Stadt Betlehem in Juda.Er wollte mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen eine Zeit lang im Land Moab leben. 2 Der Mann hieß Elimelech und seine Frau hieß Noomi. Seine beiden Söhne hießen Machlon und Kiljon. Sie gehörten zur Großfamilie der Efratiter, die aus Betlehem im Land Juda kam.

Sie gingen nach Moab und ließen sich dort nieder. 3 Da starb Noomis Mann Elimelech,und sie blieb mit ihren zwei Söhnen zurück. 4 Die beiden heirateten Moabiterinnen. Eine hieß Orpa und die andere Rut. Ungefähr zehn Jahre lang wohnten sie in Moab. 5 Dann starben auch die beiden Söhne Machlon und Kiljon. Noomi blieb allein zurück, ohne Söhne und Mann.

6 Noomi machte sich auf und zog aus Moab weg,zusammen mit ihren Schwiegertöchtern. Sie hatte dort nämlich erfahren,dass der Herr sich um sein Volk kümmerte und ihm Brot gab. 7 So verließ sie den Ort,an dem sie gelebt hatte.Die beiden Schwiegertöchter begleiteten sie auf dem Weg zurück ins Land Juda. 8 Unterwegs sagte Noomi zu ihren beiden Schwiegertöchtern:»Kehrt um! Geht zu euren Müttern zurück! Der Herr soll euch genauso lieben,wie ihr die Verstorbenen und auch mich geliebt habt. 9 Er soll dafür sorgen, dass ihr ein neues Zuhause findet bei neuen Ehemännern.«Noomi küsste die beiden.Aber sie weinten laut  10 und baten Noomi:»Lass uns mit dir zu deinem Volk zurückkehren!«

11 Doch Noomi erwiderte: »Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Ich kann keine Söhne mehr zu Welt bringen,die euch heiraten würden. 12 Kehrt um, meine Töchter! Geht!Ich bin einfach zu alt für eine neue Ehe.Selbst wenn ich es nicht wäre –wenn ich noch heute Nacht mit einem Mann schlafen und danach Söhne zur Welt bringen würde: 13 Wollt ihr wirklich warten, bis sie groß sind?Wollt ihr euch so lange einschließen und mit keinem Mann verheiratet sein?Nein, meine Töchter!Mein Schicksal ist zu bitter für euch!Die Hand des Herrn hat mich getroffen.« 14 Da weinten die beiden noch lauter. Orpa küsste ihre Schwiegermutter zum Abschied. Aber Rut blieb bei Noomi.

15 Noomi sagte zu Rut: »Schau! Deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott.Mach es wie sie: Kehr um!« 16 Aber Rut antwortete: »Schick mich nicht fort! Ich will dich nicht im Stich lassen. Ja, wohin du gehst, dahin gehe auch ich. Und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk,und dein Gott ist mein Gott! 17 Wo du stirbst, da will auch ich sterben,und da will ich auch begraben sein. Der Herr soll mir antun, was immer er will! Nichts kann mich von dir trennen außer dem Tod.« 18 Noomi sah, dass Rut entschlossen war, mit ihr zu ziehen. Da hörte sie auf, es ihr auszureden.

19 So wanderten sie gemeinsam nach Betlehem.



Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.





Es geht um Rut.

Und um all die Ruts dieser Welt.

Wer sie sind.

Was sie tun.

Und was sie hinterlassen.



Es ist wenige Tage her.

Da stand Rut in Washington, USA.

20. Januar 2021.

Rut ist 22 Jahre alt.

Dichterin.

Ihre Vorfahren mögen

nicht aus diesem Land stammen.

Sie waren Sklaven.

Wurden gebracht

oder geholt.

Das ist lange her.

Mehr als 200 Jahre.

Seitdem gibt es

angeblich keine Sklaven mehr.

Und dafür den 6. Zusatzartikel

der amerikanischen Verfassung,

der allen Menschen

Menschenwürde

und Gleichheit vor dem Gesetz

garantiert.

Aber diese Garantie ist wackelig.

Wie mich die letzten Jahre lehren.

Nicht nur in den USA.



Vielleicht ist Rut auch 22,

als sie mit Noomi,

ihrer Schwiegermutter,

ihre Heimat in Moab verlässt.

Von rechts des Toten Meeres,

im heutigen Jordanien,

soll es linksseits,

in Bethlehem besser werden.

Unterwegs durch

Wüstenlandschaften

verliert Noomi den Mut.

Orpa und Rut

sollen zurück.

Sie sind noch jung,

der Neuanfang wird ihnen glücken.

Vielleicht.

Orpa sieht das ein.

Rückwärts,

nicht vorwärts.

Rut weigert sich.

Und als ihre

Schwiegermutter

nicht aufhören will,

sie zu drängen,

gehen ihr – für mich -

einige der wohl stärksten Worte

der Bibel über die Lippen:

»Schick mich nicht fort!

Ich will dich nicht im Stich lassen.

Ja, wohin du gehst,

dahin gehe auch ich.

Und wo du bleibst,

da bleibe auch ich.

Dein Volk ist mein Volk,

und dein Gott ist mein Gott!

17 Wo du stirbst,

da will auch ich sterben,

und da will ich auch begraben sein.

Der Herr soll mir antun,

was immer er will!

Nichts kann mich von dir trennen

außer dem Tod.«



Ein Treueversprechen.

Ein Bund.

Rut sieht nach vorn.

Sie mag jung sein,

aber vor allem ist sie mutig.

Sie will etwas verändern.

Und sie weiß,

dass sich nichts ändern wird,

wenn sie mit Orpa zurückgeht.



Rut könnte am vergangenen

Freitag auf dem ersten

seit langer Zeit

geretteten Schlauchboot

an der Küste Libyens

gewesen sein,

das mit 120 Leuten

völlig überbesetzt war.

Sie könnte in Moria leben,

wo sie sich nicht abbringen lässt,

in all den Widrigkeiten,

trotzdem nach einer Zukunft

zu suchen, die sie mitgestalten kann,

und die nicht von Befehlshabern

und Machtgeiern überschattet wird.

Oder von Krankheit und Tod,

wie damals in Moab,

wie heute in Syrien, im Jemen,

im Sudan,

und so vielen Ländern Afrikas,

und so vielen Ländern der Welt.

Diese Rut, die sich nicht

zufrieden geben will,

wieder in die Verantwortungslosigkeit,

bei irgendeinem Mann in Moab,

zu geraten.

Die eintritt,

für sich,

für Noomi,

für die Zukunft.



Und Rut wird einen

Nachkommen haben,

viele, viele Jahre später,

in ferner Zukunft –

einen Nachkommen,

der heute noch

die gleichen Worte,

die Rut damals zu Noomi,

ihrer Schwiegermutter sagte,

zu dir und zu mir sagt.

Sein Name ist Jesus.



»Schick mich nicht fort!

Ich will dich nicht im Stich lassen.

Ja, wohin du gehst,

dahin gehe auch ich.

Und wo du bleibst,

da bleibe auch ich.

Dein Volk ist mein Volk,

[und wir haben einen Gott!]

17 Wo du stirbst,

da will auch ich sterben,

und da will ich auch begraben sein.

Der Herr soll mir antun,

was immer er will!

Nichts kann mich von dir trennen

[auch nicht der] Tod.«



Es hat etwas ausgetragen,

bis zu uns getragen,

zu dir und zu mir,

dass Rut damals nicht

zurückgegangen ist,

sondern nach vorn sah,

weiter sehen konnte,

über die trostlosen Hügel

der Wüste hinweg.



So stand Rut am Mittwoch

in Woshington.

22 Jahre alt.

Tatsächlich heißt sie

Amanda Gorman.

Eine junge Dichterin,

die zur Amtseinführung

des neuen Präsidenten Biden

geladen wurde,

um zu rezitieren,

wie das bei vielen seiner Vorgänger

schon gute Tradition war.

Amanda Gorman.

Vielleicht eine moderne Rut.

Ihr Text zur Amtseinführung gilt,

wie ich finde,

nicht nur den USA.

Er ist getragen von Gedanken,

die vielleicht auch schon

in Rut vorgingen, damals,

auf dem Weg nach Bethlehem,

wo das Neue, die Zukunft,

beginnen sollte –

für Rut: bei einem Mann namens Boas,

in einer Scheune, bei Heu und Stroh;

für die Welt: Jahrhunderte später,

in einer Krippe, auf Heu und Stroh.

Und seither jeden Tag.

Auch in unseren Worten.

Das sind die Worte

Amanda Gormans,

der Dichterin,

der modernen Rut,

in meiner unbeholfenen

Übersetzung:



Wenn der Tag anbricht,

fragen wir uns,

wo wir Licht finden

in diesem endlosen Schatten?

Verluste, die wir tragen.

Ein Meer, das wir durchwaten.

[...]

Wir lernten dass Stille nicht immer Frieden ist

und Normen und Vorstellungen von „gerecht“

nicht immer Gerechtigkeit bedeuten.

Und nun gehört uns die Morgendämmerung,

eher, als wir ahnten.

Irgendwie machen wir das.

Irgendwie sind wir verwittert

und zu Zeugen [...] geworden,

die nicht zerbrochen sind,

sondern nur unfertig.



Wir, die Nachfolgenden

in einem Land und einer Zeit,

in der ein dünnes,

schwarzes Mädchen von Sklaven abstammt,

von einer alleinerziehenden Mutter

aufgezogen wird,

und davon träumen kann,

Präsidentin zu werden,

um sich dann beim Rezitieren

für einen Präsidenten wiederzufinden.

Und, ja, wir sind weit weg von tadellos,

entfernt von makellos,

aber das soll nicht heißen,

dass wir nach Perfektion

streben müssten.

Wir müssen uns nur bemühen,

unsere Gemeinschaft mit

Entschlossenheit zu schmieden.

Um ein Land zu komponieren,

das allen Kulturen, Farben,

Charakteren und Bedingungen

des Menschseins verpflichtet ist.

Und so heben wir unseren Blick,

nicht auf das,

was zwischen uns steht,

sondern was vor uns liegt.

Wir schließen die Kluft –

da wir wissen,

dass unsere Zukunft an erster Stelle steht,

müssen wir zuerst unsere Differenzen beiseite legen.

Wir legen die Waffen nieder,

damit wir die Arme nacheinander ausstrecken können.

Wir suchen niemandes Schaden

und allerorten Harmonie.

Mindestens die ganze Welt,

wenn nicht noch mehr,

bezeugen dies Wahrheit:

Dass wir selbst in der Trauer wuchsen.

Dass wir selbst im Schmerz hofften.

Dass wir selbst in der Erschöpfung handelten.

Damit wir für immer verbunden sein mögen,

triumphierend.

Nicht, weil wir nie mehr Niederlagen erfahren werden,

sondern weil wir nie mehr Spaltung säen werden.

Die Schrift ruft uns auf, uns vorzustellen,

dass jede*r unter seinem eigenen Weinstock

und Feigenbaum sitzen

und niemand ihnen Furcht einflößen wird.

Wenn wir unserer eigenen Zeit gerecht werden wollen,

liegt der Sieg nicht in der Klinge,

sondern in all den Brücken,

die wir geschlagen haben.

Das ist die Verheißung der Lichtung,

des Berges, den wir erklimmen,

wenn wir es nur wagen.

[…]

Auf diese Wahrheit,

auf diesen Glauben

vertrauen wir,

denn während wir unsere Augen

auf die Zukunft richten,

hat die Vergangenheit ihre Augen

auf uns gerichtet.

Jetzt ist die Zeit der gerechten Ablösung.

Wir fürchteten den Beginn.

Wir fühlten uns nicht vorbereitet,

[...]

Aber dann, wenn wir beginnen,

werden wir die Kraft finden,

ein neues Kapitel zu schreiben;

um Hoffnung anzubieten,

und Lachen für uns selbst.

[…]

Wir werden nicht zurückkehren,

zu dem was war,

sondern weitergehen,

zu dem was sein wird:

[...] verletzt, aber ganz [...],

wohlwollend aber

kühn, wild und frei.

Wir werden nicht umgedreht

oder durch Einschüchterung

unterbrochen werden,

da wir wissen, dass unsere

Untätigkeit und Trägheit

unser Erbe

an die nächste Generation sein wird,

die die Zukunft ist.

Unsere Schnitzer werden ihre Lasten.

Aber eines ist sicher:

Wenn wir Barmherzigkeit

mit Macht verbinden

und Macht mit Recht,

dann wird Liebe

unser Vermächtnis sein

und das Geburtsrecht

unserer Kinder verändern.

Also lasst uns ein besseres

Land hinterlassen, als das,

das uns hinterlassen wurde.

Mit jedem Atemzug meiner

bronzebeschlagenen Brust

soll sich diese verwundete Welt erheben

und zu einer wundervollen werden.



Wir werden uns […] erheben

[vom Osten und vom Westen,

vom Süden und vom Norden

(Lk 13, Wochenspruch)].

Wir werden wieder aufbauen,

versöhnen und genesen.

[...]

Wenn der Tag anbricht,

treten wir aus dem Schatten [...]

und haben keine Angst.

[...]

Denn es gibt immer Licht,

wenn wir mutig genug sind,

es zu sehen.

Denn es gibt immer Licht,

wenn wir mutig genug sind,

es zu sein.


So enden die Worte

Amanda Gormans.

Und ich weiß,

EINER wird mich dabei begleiten.

Er ist ein Nachfahre Ruts.

Er hatte die Vergangenheit im Gepäck

und die Zukunft im Blick.

Er hat die Zukunft verändert,

damit ich mutig genug sein kann,

das Licht zu sehen,

das Licht zu sein.


»Schick mich nicht fort!

Ich will dich nicht im Stich lassen.

Ja, wohin du gehst,

dahin gehe auch ich.

Und wo du bleibst,

da bleibe auch ich.

[...]

Nichts kann mich von dir trennen

[auch nicht der] Tod.«


Und er Friede Gottes, der größer ist, als wir verstehen können, bewahre unsere Herzen und Sinne in ihm, Christus Jesus. Amen.


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Predigt am 1. Sonntag nach Epiphanias - 10.01.2021

Predigttext: Römerbrief des Paulus, Kapitel 12, Verse 1-8


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.



1 Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. 2 Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. 3 Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte, wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens. 4 Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, 5 so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied. 6 Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß. 7 Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt. Ist jemand Lehrer, so lehre er. 8 Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er. Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude.



Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.



Lebendig.

Heilig.

Wohlgefällig.

Das ist der Dreiklang

dieses Textes.

Ich hatte gleich

etwas anderes im Ohr:

Lebendig

und kräftig

und schärfer.

Das Motto des

Kirchentages von 2007

in Köln.

Es stammt aus dem

Hebräerbrief (4,12).

Als junger Student

war ich bei diesem Kirchentag.

Die Wise Guys haben

den Titelsong dazu geschrieben:

Zusammen erleben

was das Leben ist:

Lebendig

und kräftig

und schärfer.

Und spüren, dass du

nicht alleine bist -

lebendig

und kräftig

und schärfer.“



Der Dreiklang des Paulus

ist ein bisschen anders.

Aber vielleicht sagt er

gar nicht so sehr viel anderes:

Lebendig.

Heilig.

Wohlgefällig.

Das ist der Dreiklang

eines Lebens.

Deines Lebens?

Meines Lebens?

Nun,

besser wär's,

sagt Paulus,

denn dann wäre

mein Leben ein Gottesdienst.

Gottes Dienst an mir.

Das ist mein Leben eh.

Tag für Tag.

Und wenn ich es glauben kann,

dann kann ich dafür danken.

Und mein Dienst an Gott.

Das kann mein Leben auch sein.

Lebendig.

Heilig.

Wohlgefällig.



Lebendig.

Am Anfang

war noch nicht viel Leben.

Erst war Licht.

Das hatte Gott sich so ausgesucht.

Das heißt:

das Licht ist heilig.

Und dann,

als es da war,

hat es Gott gefallen.

Also: wohlgefällig.

Und dann kamen

viele Sachen mehr,

an denen Gott Gefallen hat:

Himmel und Erde,

Land und Meer,

Sonnen, Monde, Sterne,

Galaxien und schwarze Löcher.

Und an allem, was dazwischen

aufgeht, hat er auch Gefallen:

Am Grün, das sprießt,

Bäume und Sträucher und Klee,

Algen und Farne und Tee;

Und an allem was dazwischen wuselt:

Ihm gefallen die Ameisen,

auch wenn er ihnen bestimmt schon

tausendmal gesagt hat, dass sie

nicht in Häuser, Bäder und Küchen

klettern sollen – sie machen es doch,

und Gott gefallen sie immer noch.

Genauso wie Bienen und Mistkäfer,

Regenwürmer, Frösche und Eidechsen.

Bei den Chamäleons hatte er bestimmt

besondere Freude.

Nicht weniger wohl an der Farbenpracht

der Papageien und Wellensittiche.

Sie gefallen ihm.

Ganz sicher.

Genauso wie all die anderen

großen und kleinen Arten,

die Himmel und Erde und Meer

bevölkern.

Voller Leben ist die Welt.

Bunt und

lebendig.

Doch alle Dinge sind begrenzt gefällig,

wenn sie einem nur allein gefallen.

Und deshalb gefallen Gott die Menschen.

Denn ihnen kann gefallen,

was ihm gefällt.

Wohlgefällig blick er auf sein Ebenbild,

wenn ihnen auch gefällt, was ihm gefällt.

Wenn auch sie all das in Ehren halten,

was Gott sich ausgesucht hat und heilig ist.

All die lebendigen Ebenbilder,

von A bis Z -

von Ackerleuten, Apothekerinnen, Altenpflegern,

Augenoptikerinnen, Autoverkäufer und Azubis

bis zu den Züchtern; aber die Zausel und Zahnlosen,

die Zaghaften und Zeternden gefallen ihm.

Alle anders.

Alle auf ihre Weise begabt.

Auch die Alten, die manchmal

schon ein bisschen zerfurcht sind.

Und mittendrin die Kinder.

Die mit hingebungsvoller Freude spielen.

Oder laut lachen, wie jetzt gerade,

in den letzten Tagen,

wo Gott eifrig gefallen an Schnee hat

und mehr bestimmt noch am Lachen

der die Hänge hinabsausenden Kinder.

Manchmal auch große Kinder.

Wie ich, gestern,

als ich schallend lachend

vom Schlitten flog.



Lebendig.

Und heilig.

Und wohlgefällig.

Gott hat seinen Wohlgefallen

an den Menschen,

die träumen und realisieren,

sich mühen und manchmal scheitern,

und sich in allem nicht abbringen lassen,

darin Gott zu entdecken,

und ihn zu loben

und sich mit ihm zu freuen,

aber auch mit ihm traurig zu sein,

oder zu zürnen, wenn

lebendiges vergeht,

heiliges verachtet wird,

und Wohlgefallen auf der Strecke bleibt.



In all dem

tasten und tapsen

sich Menschen durchs Leben,

mal vor, mal zurück,

ruhig oder rastlos,

und wenn sie stolpern,

dann fallen sie Gott in die Arme.

Ob sie es merken oder nicht.



Manchmal fürchten sie sich,

vor Krankheiten oder der Zukunft.

Manchmal sagt eine: „Hilf mir, bitte!“

Und manchmal ist dann eine andere da.

Heilig. Helfend.

Und Gott steht dabei und lächelt.

Wonnig. Wohlgefällig.



Manche bitten, andere geben,

manche klopfen, andere tun Türen auf,

manche verlieren und suchen,

andere suchen gemeinsam und finden.



Viele sind unterwegs

mit geschundenen Körpern,

oder vernarbten Seelen.

Und dennoch gefallen sie Gott.

Lebendig, heilig, wohlgefällig -

jede und jeder auf ihre eigene Art.



Und wenn sich Menschen zu Gemeinden

zusammentun,

dann war das vielleicht am Anfang nicht

unbedingt so gedacht,

wie wir es heute haben:

katholisch, evangelisch,

Landeskirche, Ämter, Dienste

und Verwaltungsapparate,

und wer weiß, ob Gott darüber

nicht hin und wieder ein bisschen

verwirrt ist,

aber zuletzt, denke ich,

wird es ihm doch gefallen,

wenn wir unsere Gaben zusammenlegen.

Als Gemeinde.

Als Gemeinschaft.

Als Familie Gottes.



Immerhin hat Gott seine Gaben und Begabungen

ja verschwenderisch, fast unvernünftig

ausgeteilt – nur eben weit gestreut,

an viele gegeben, damit nicht eine

oder einer nur zu viel bekäme

und glaubte, es ginge auch allein.



dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte, wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens.

Sagt Paulus.



In der Basisbibel klingt das so:

Überschätzt euch nicht und traut euch nicht mehr zu, als angemessen ist.

Strebt lieber nach nüchterner Selbsteinschätzung.

Und zwar jeder so, wie Gott jedem seine eigene Aufgabe anvertraut hat.

Denn wie wir an einem Körper viele Körperteile haben

aber nicht alle Teile haben dieselbe Aufgabe –

so bilden wir vielen Menschen, die zu Christus gehören,

miteinander einen Leib.

Aber einzeln betrachtet sind wir wie unterschiedliche und doch zusammengehörende Körperteile.

Wir haben verschiedene Gaben,

je nachdem, was Gott uns in seiner Gnade geschenkt hat:



So wie Gott teilt, was ihm gefällt,

soll es auch das Lebendige halten,

damit alles wohlgefällig ist.

Vor allem die, denen auch gefallen kann,

was Gott gefällt.

Du und ich.

Wie Gott teilt, was ihm gefällt,

so sollen wir es auch halten.

Damit niemand allein alles kann,

aber alle zusammen vieles, großes

erreichen können.

Mit dem Vertrauen, dass

alles Nötige irgendwo da ist.

Von Gott ausgestreut.

An die richtige Stelle.

Zur richtigen Zeit.

Nur eben vielleicht

nicht bei mir selbst.



Wir haben verschiedene Gaben,

je nachdem,

was Gott uns in seiner Gnade geschenkt hat:

Wenn eine gut Trompete spielt,

oder Orgel oder Gitarre,

wenn einer am Schlagzeug den Takt hält:

dann tun sie es Gott zur Ehre.

Wenn eine gern backt,

dann soll sie wissen,

dass sie andere damit

glücklich macht,

denn Kuchen ist Gnade.

Wenn jemand einen grünen Daumen hat,

oder ein Händchen für Arrangements,

dann sollen sie wissen,

dass sie Glück in die Herzen säen,

denn auch Augen wollen satt werden.

Wenn eine gut singen kann,

mache sie anderen eine Freude.

Und wenn einer schlecht singen kann,

dann zeige er den anderen,

dass wir nicht perfekt sein müssen,

um Gott zu loben.

[Im Moment natürlich alles

im derzeit möglichen Rahmen.

Aber es kommen ja auch wieder

andere Zeiten.]

Und das alles tun wir nicht,

weil wir uns in den Himmel spielen,

pflanzen, backen, reden, singen

oder bauen müssten,

sondern weil wir gar nicht anders können.

Es muss ja einfach heraus,

was in uns steckt.

Was Gott in uns gesteckt hat.

Es muss sowieso heraus.

Aber am Besten, zum Guten genutzt,

damit die Leute es sehen und sich fragen:

Was ist denn da los?

Und vielleicht sagst du dann:

Es ist Gottesdienst.

Sprechender, singender, pflanzender,

backender Gottesdienst.“

[nach: Wilko Hunger: FB Predigtkultur am 7.1.2021]



Nicht nur am Sonntag.

Nicht nur für eine Stunde in der Kirche.

Sondern jeden Tag.

Gottesdienst im Dreiklang des

geschenkten Lebens:



Zusammen erleben

was das Leben ist:

Lebendig“

und heilig

und wohlgefällig.

Und spüren, dass du

nicht alleine bist -

lebendig“

und heilig

und wohlgefällig.

Amen.



Und der Friede Gottes, der größer und mehr ist, als wir verstehen können, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


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